Das Landgericht in Frankenthal (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Demenzkranke Frau getötet Verurteilter Ehemann muss wohl nur kurz in Haft

Der am Dienstag wegen Totschlags verurteilte 86-Jährige aus Speyer muss wahrscheinlich nur zehn Monate ins Gefängnis. Das vermutet sein Anwalt. Der Mann hatte im Januar seine demenzkranke Ehefrau erstickt.

Das Gericht hatte bereits am Dienstag angedeutet, dass der 86-Jährige schon nach der Hälfte seiner Haftzeit wieder entlassen werden könnte. Ein Grund dafür ist sein hohes Alter. Außerdem sei der Mann bisher nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten und hatte aus Verzweiflung in einer extremen Ausnahmesituation gehandelt. Da er bereits fünf Monate in Untersuchungshaft saß, könnte der Verurteilte also in zehn Monaten wieder frei sein. Davon geht auch sein Verteidiger aus. Er hat mittlerweile angekündigt, auf Revision zu verzichten.

Zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt

Der 86-jährige Mann aus Speyer wurde am Dienstag vor dem Landgericht Frankenthal zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Richter begründeten das milde Urteil damit, dass es sich um einen tragischen Fall handele. Der Mann sei 60 Jahre lang mit seiner Frau verheiratet gewesen und habe sie in den vergangenen Jahre aufopfernd gepflegt. Als er selbst körperlich und zeitweise auch geistig abbaute, hätte er eigentlich Hilfe annehmen müssen. Das habe er nicht getan, obwohl für den Mann und seine Ehefrau bereits ein Platz im Pflegeheim organisiert gewesen wäre. Das sagte der Sohn des Mannes am Dienstag vor Gericht aus.

Angeklagter vor Gericht zu Prozessauftakt im Landgericht Frankenthal.  (Foto: SWR, Sebastian Barth)
Der Angeklagte am Dienstag beim Prozessauftakt am Landgericht Frankenthal Sebastian Barth

Mann war überfordert

Der 86-Jährige sei aber der Ansicht gewesen, dass seine Frau im Heim nicht so liebevoll umsorgt würde, wie von ihm. Das war laut psychiatrischem Gutachten eine Fehleinschätzung, die durch seine eigene Überforderung begründet werden kann. Der Mann hat die Tat gestanden. Zu Prozessbeginn ließ er über seinen Anwalt mitteilen, er habe seine schwer kranke Frau "erlösen wollen".

Ehefrau erstickt

Der 86-Jährige hatte seine schwer kranke Ehefrau im Januar in der gemeinsamen Wohnung erstickt. Anschließend habe er versucht, sich selbst das Leben zu nehmen. Sein Sohn hatte die Eltern gefunden und die Rettungskräfte alarmiert.

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