Kerzen für Mia (Foto: SWR)

Doku im Ersten "Der Flüchtling und das Mädchen" Nach Kandel: Spurensuche in Afghanistan

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27. Dezember 2017: Ein Flüchtling verletzt in Kandel die 15-jährige Mia tödlich. Die Dokumentation "Das Mädchen und der Flüchtling" geht auf Spurensuche - erstmals auch in Afghanistan, der Heimat des mutmaßlichen Täters.

Die Autoren der Koproduktion von SWR und HR beginnen ihre Recherchen im südpfälzischen Kandel. Dort, wo die schreckliche Tat im Dezember vergangenen Jahres passierte, wo ein Flüchtling aus Afghanistan die 15-jährige Mia in einem Drogeriemarkt mit einem Messer angriff und tötete.

Reise nach Afghanistan

Die Dokumentation "Der Flüchtling und das Mädchen" macht sich auch in der Heimat des mutmaßlichen Täters, in Afghanistan, auf die Suche nach Antworten. Aus welcher Kultur kommt er? Wo ist er aufgewachsen?

Mann mit Bild von  (Foto: SWR)
Wer war der junge Mann, der in Kandel die 15-jährige Mia tötete? In Afghanistan zeigt der Reporter Bewohnern des Heimatdorfes ein Foto des Mannes.

Die Reise führt nach Qarabagh, einem Distrikt 30 Kilometer nördlich von Kabul. Hier lebt die Familie des jungen Mannes. Hier ist er aufgewachsen.

Das Kamerateam macht zunächst einen Onkel des Jungen ausfindig. Es heißt, die Familie sei wohlhabend, besäße ein Autohaus. Doch der Onkel des Flüchtlings möchte nicht vor die Kamera.

Ein junger Dorfbewohner mit Namen Rahimullah hingegen, gibt an, den jungen Mann zu kennen. "Als er nach Deutschland ging, war er sehr jung", erzählt er. "Ich war sehr überrascht, als ich gehört habe, dass er seine Freundin getötet haben soll."

Im April 2016 soll er einem Cousin gefolgt sein, der ebenfalls geflüchtet war. Seither lebt er in Deutschland.

"Frauen, die ihre Männer verlassen, müssen getötet werden"

Die Gegend um Qarabagh soll unter Einfluss der Taliban stehen, die Regeln der hier lebenden Paschtunen sind konservativ und patriarchalisch. Die Frauen auf den Straßen sind komplett verhüllt.

Als Muslim sei es verboten, zu töten, erklärt man dem Fernsehteam. Aber Frauen, die ihre Männer verlassen, müssten dennoch bestraft werden. Und ein Dorfbewohner sagt: "So eine Frau muss getötet werden."

Bild von Mia bei Trauerfeier in Kandel (Foto: SWR)
Januar 2018: Kandel nimmt Abschied von der getöteten Mia

In der Nähe der Schule, die der in Deutschland inzwischen Angeklagte besucht hat, trifft der Reporter Freunde und ehemalige Klassenkameraden. "Er war ein guter Junge", sagt einer. "Vielleicht wurde er etwas emotional und weil er Paschtune ist, kann er nicht akzeptieren, dass seine Freundin ihn verlassen hat."

Die Spurensuche in Afghanistan zeigt, in welchem Umfeld, der Angeklagte aufgewachsen ist. Ab dem 18. Juni wird ihm in Detuschland der Prozess gemacht.

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