BASF-MItarbeiter (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Konzern streicht viele Stellen in Ludwigshafen BASF-Betriebsrat kritisiert massiven Jobabbau

Der Chemiekonzern BASF baut in den kommenden zwei Jahren 3.000 Stellen in Deutschland ab, hauptsächlich in Ludwigshafen. Der Betriebsrat kann nicht nachvollziehen, welche Arbeit wegfallen soll.

"Solange das nicht nachgewiesen wird, bestehen wir auf Wiederbesetzung frei werdender Stellen," sagte der Betriebsratschef und stellvertretende BASF-Aufsichtsratschef Sinischa Horvat am Donnerstag.

Auch von der Höhe des geplanten Stellenabbaus sei der Betriebsrat überrascht. Das Gremium wolle nun mit dem Unternehmen in Verhandlungen für eine Fortführung der bestehenden Standortvereinbarung einsteigen. Ziel sei es, im ersten Halbjahr 2020 eine neue Vereinbarung zu unterzeichnen, hieß es.

Weltweit sollen sogar 6.000 Stellen gestrichen werden. Hintergrund ist nach Unternehmensangaben, dass die Organisation des Konzerns mit insgesamt rund 122.000 Mitarbeitern weltweit komplett neu ausgerichtet werden soll.

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Gewerkschaft will "genau hinsehen"

Das begrüßte auch die IG BCE im Bezirk Ludwigshafen. Die Gewerkschaft nannte den angekündigten Stellenabbau "eine Herausforderung" für die Beschäftigten. Viele seien verunsichert, ob ihre Beschäftigung langfristig sicher sei. Das Ganze sei eine unternehmerische Entscheidung, aber: "Wir werden jedoch genau hinsehen, welche Tätigkeiten entfallen und wir werden uns für betroffene Kolleginnen und Kollegen einsetzen, dass ihr Arbeitsverhältnis bestehen bleibt", sagte Gunther Kollmuß. Der Bezirksleiter der IG BCE für Ludwigshafen wiederholte auch im Interview mit dem SWR, dass der Stellenabbau sicherlich über die Fluktuation und mit Sonderregelungen möglich sei. Es werde genügend Arbeit an anderen Stellen der BASF geben, so Kollmuß am Freitag.

BASF will 300 Millionen Euro einsparen

Einem Unternehmenssprecher zufolge sind nach der aktuellen und bis Ende 2020 gültigen Standortvereinbarung betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. Der BASF-Konzern beschäftigt in Ludwigshafen rund 40.000 Menschen.

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Durch den Stellenabbau sollen 300 Millionen Euro eingespart werden. Während Bereiche wie Wartung, Digitale Infrastruktur und Einkauf in eigene Service-Einheiten zusammengefasst werden, soll die Rolle der Ländergesellschaften weiter geschärft werden.

Beim "Aufbau der neuen Organisation" werde BASF sich darauf konzentrieren, "Synergien zu heben, Schnittstellen zu reduzieren und mehr Flexibilität und Kreativität zu ermöglichen", erklärte BASF-Chef Martin Brudermüller. Die Kunden sollten den Konzern "neu erleben".

Deutlicher Gewinnrückgang 2018

Zu schaffen machen dem Unternehmen mehrere Faktoren, etwa die schwächelnde Konjunktur, die Autoflaute, der Handelsstreit zwischen den USA und China und im vergangenen Jahr kam noch das Niedrigwasser im Rhein hinzu. Das alles schlug sich in einem deutlichen Gewinnrückgang 2018 nieder. Der Nachsteuergewinn schrumpfte um mehr als ein Fünftel auf 4,7 Milliarden Euro.

Der Personalabbau ist Teil eines im vergangenen November angekündigten umfassenden Konzernumbaus, mit dem BASF sein Ergebnis ab 2021 um insgesamt zwei Milliarden Euro jährlich steigern will. Zu den Maßnahmen gehören laut BASF ein Effizienzprogramm für die Fabriken, bessere Logistik und Vernetzung der Standorte. Der Konzern prüft auch den Verkauf einzelner Unternehmensteile.

BASF erzielte zuletzt Jahresumsatz von 63 Milliarden Euro

Die Aussichten für den Chemiekonzern sind angesichts der sich eintrübenden Weltkonjunktur durchwachsen. Der Handelskonflikt der USA mit dem Rest der Welt belastet auch BASF, das stark auf China setzt. BASF erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von knapp 63 Milliarden Euro. Der Nettogewinn betrug 4,7 Milliarden Euro

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