Die Marikana-Mine in Südafrika (Foto: SWR)

Aktivisten kritisieren Lebens- und Arbeitsbedingungen BASF kauft Platin aus umstrittenen Minen in Südafrika

Die Bedingungen rund um die Marikana-Mine in Südafrika sind nach Angaben von Menschenrechts- und Umweltorganisationen katastrophal. Die BASF bezieht aus dieser Mine Platin. SWR-Recherchen zeigen, dass die Industrie zwar seit Jahren verspricht, diese Situation zu verbessern, das aber nicht einhält.

Einfachste Blechhütten, kein Strom, kein Wasseranschluss, keine Kanalisation: So leben und arbeiten zehntausende Menschen rund um die Marikana-Mine in Südafrika. Das haben SWR-Recherchen vor Ort gezeigt. Die Platin-Mine in der Nähe von Rustenburg gehört zum britischen Bergbaukonzern "Lonmin". Dieser ist einer der Hauptlieferanten der BASF für Platin. Laut Dachverband der kritischen Aktionäre bezieht die BASF pro Jahr Platin im Wert von mehreren hundert Millionen Euro aus der Marikana-Mine.

Dauer

34 Tote nach Arbeiteraufstand 2012

Zum ersten Mal rückte die Mine in den Fokus der Öffentlichkeit, als es dort im Jahr 2012 einen Arbeiteraufstand gab. Damals demonstrierten Minenarbeiter gegen niedrige Löhne und schlechte Lebensbedingungen. Am Ende erschoss die Polizei 34 Demonstranten. Bis heute ist der Fall nicht aufgeklärt, von den Todesschützen wurde niemand angeklagt. Der heutige Präsident Südafrikas, Cyril Ramaphosa, hatte zum Zeitpunkt des Massakers einen Direktorenposten bei "Lonmin".

Siedlung an der Marikana-Mine (Foto: SWR)
Siedlung an der Marikana-Mine bei Rustenburg in Südafrika

Den Hinterbliebenen wurden in den letzen Jahren vom Minenbetreiber immer wieder Entschädigungen zugesagt, aber bis heute nicht bezahlt, beklagen Menschenrechts-Aktivisten vor Ort. Gegenüber dem SWR hat die BASF jetzt erklärt, dass sie sich keinesfalls an möglichen Entschädigungen beteiligen wird. Dazu sagte Thorsten Pinkepank, Direktor Nachhaltigkeit, im Interview: "Das wäre glaub ich etwas, dass BASF für andere etwas übernimmt und das ist nicht unsere Position und auch nicht unsere Verantwortung hier."

BASF: "Werden auf unseren Lieferanten einwirken"

Schon seit mehr als zehn Jahren verspricht der Minenbetreiber den Bau von 5.500 kleinen Häusern für die Arbeiter. Zwar sollen jetzt mehrere hundert, kleine Apartments neu gebaut werden. Aber um die Mine herum leben mehr als 30.000 Minenarbeiter mit ihren Familien. "Diese 5.000 Hausversprechungen in der Tat hat 'Lonmin' inzwischen zurückgezogen. Das war ein Versprechen, dass sie nicht halten konnten. Wir werden weiterhin, wie in den letzten zehn Jahren, auf unseren Lieferanten einwirken, etwas zu tun, möglichst viel zu tun", so Pinkepank.

Thorsten Pinkepank, Direktor Nachhaltigkeit bei BASF (Foto: SWR)
Thorsten Pinkepank, Direktor Nachhaltigkeit bei BASF

2012 demonstrierten die Arbeiter für einen Mindestlohn von umgerechnet knapp 800 Euro pro Monat. Vor Ort berichteten Minenarbeiter jetzt, dass sie immer noch weniger verdienen - obwohl sie teilweise sechs Tage die Woche unter Tage arbeiten würden. Zudem gebe es in der Mine immer wieder Todesfälle - diese hätten sogar zugenommen. Laut BASF wurden die Arbeitsbedingungen in der Mine für eine interne Untersuchung im Jahr 2017 analysiert. Diese wurde nie veröffentlicht. Schriftlich teilte die BASF dazu mit: "Insbesondere unter Tage hat das Thema Arbeitssicherheit für 'Lonmin' einen hohen Stellenwert."

Frau vor einer Wellblechhütte (Foto: SWR)
An der Marikana-Mine sind die Häuser der Arbeiter einfache Wellblechhütten

Auch die Mogalakwena-Mine beliefert die Deutsche Industrie mit Platin - nicht nur die BASF, sondern auch den Autobauer BMW. Sie ist die größte Platin-Tagebaumine der Welt. Der SWR hat Familien besucht, die mitten in der Mine zwischen riesigen Abbaugruben und Schuttbergen leben. Eine Betroffene sagte gegenüber dem SWR: "Das Wasser und der Strom wurden hier abgestellt, es gibt keine Transportmöglichkeit mehr für uns und wir leiden hier unter all dem Staub und dem Lärm. Praktisch jede Woche wird hier einer von uns krank."

UN-Leitlinie: Unternehmen für Lieferanten mitverantwortlich

Südafrika hat die größten Platinvorkommen der Welt. Abgebaut wird das Edelmetall vor allem im sogenannten "Platin-Belt" im Norden des Landes. Dort liegen auch diese beiden Minen. Laut den Leitlinien der Vereinten Nationen sind Unternehmen, die Platin einkaufen, für ihre Lieferanten mitverantwortlich, wenn es um die Einhaltung von Menschenrechten geht.

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