Eine Waldkindergarten-Gruppe wirft Laub in die Luft. Das macht man beim Waldbaden auch. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/APA/picturedesk.com)

Akademie verlegt Sitz nach Landau Waldbaden - das bessere Spazierengehen?

"Waldbaden" klingt nach einem Werbegag. Dabei kommt die Entspannungsmethode aus Japan. Im pfälzischen Landau hat die Waldbaden-Akademie nun ihren Sitz.

Der Pfälzerwald ist das größte zusammenhängende Waldgebiet Deutschlands - er besteht zu 70 Prozent aus Nadelbäumen. Insgesamt ist er 179.000 Hektar groß. Seit Oktober hat die Deutsche Akademie für Waldbaden ihren Hauptsitz in unmittelbarer Nähe des Waldes, zuvor war sie in Hessen.

Beim Waldbaden bilden Übungen den Unterschied zum klassischen Waldspaziergang. Ein Begriff wie "Achtsamkeit", der nach Yoga und vielleicht auch nach Esoterik klingt, taucht im Zusammenhang mit der Methode auf. Die Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH in Koblenz spricht von einer umfangreichen Bandbreite im Land: Es gebe neben Grund- und Aufbaukursen zum Waldbaden auch Angebote wie "Waldbaden bei Sonnenuntergang", "Waldbaden für Männer am Abend" und "Waldbaden für Paare".

Dauer

Höfken: Waldbadende für Klimawandel sensibilisiert

Waldbademeisterin Michaela Konrad schlendert mit kleinen Gruppen in Kümbdchen im Hunsrück durch den Wald. "Manche kommen recht angespannt an. Nach dem Waldbaden geht es dann allen gut", sagt die Kursleiterin in Kümbdchen im Hunsrück. Sie machen Pausen, beobachten und werfen Blätter in die Luft. "Ich will, dass die Leute wieder Kind werden und fühlen, wie sie früher den Wald erlebt haben."

Die Mainzer Forstministerin Ulrike Höfken (Grüne) meint: "Waldbaden kann dazu beitragen, zur Ruhe zu kommen." Bereits der Anblick eines Waldes senke Stresshormone, hebe die Laune und sorge für ein inneres Gleichgewicht. Die Politikerin geht davon aus, dass die Waldbadenden automatisch für die Themen Klimawandelfolgen, Klimaschutz und auch den Erhalt der Schönheit der Wälder sensibilisiert werden.

"Waldbaden kann dazu beitragen, zur Ruhe zu kommen."

Forstministerin Ulrike Höfken (Grüne)

Entspannungsmethode aus Japan Waldbaden in Kümbdchen im Rhein-Hunsrück-Kreis

Waldbaden - die Gruppe liest einen Text im Wald (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/Thomas Frey/dpa)
Die Teilnehmerinnen eines Kurses im Waldbaden lesen einen Text. picture alliance/Thomas Frey/dpa Bild in Detailansicht öffnen
Blätter in die Luft werfen - die Waldbadenden sollen sich wie Kinder fühlen Picture Alliance Bild in Detailansicht öffnen
Mit allen Sinnen den Wald wahrnehmen - Waldbademeisterin Michaela Konrad riecht an einem Blatt. Picture Alliance Bild in Detailansicht öffnen
Gehmeditation beim Waldbaden. Die Kursteilnehmer versuchen, möglichst geräuschlos über den Waldboden zu laufen. picture alliance/Thomas Frey/dpa Bild in Detailansicht öffnen

Lahnstein will Heilwald ausweisen

Die Kommune Lahnstein nahe Koblenz erwägt, einen Heil- und Kurwald auszuweisen. Die Verantwortlichen in der Stadt haben sich dazu schon auf der Ostseeinsel Usedom informiert, hier gibt es den ersten derartigen Wald in Europa. Im Gegensatz zum Waldbaden beruht die Idee von Kur- und Heilwäldern auf einem therapeutischen Ansatz mit fachlichen Anforderungen. In Lahnstein heißt es, dass sich "nahezu alle Volkskrankheiten im Heil- und Kurwald therapieren" lassen - von Herz- und Kreislaufproblemen bis hin zur Fettleibigkeit. Die genaue Größe und der Eröffnungstermin für den Lahnsteiner Kurwald seien aber noch unklar.

Rheinland-Pfalz sei zu nötigen Gesetzesänderungen bereit, heißt es aus dem Forstministerium. Wichtig sei beim Heil- und Kurwald eine medizinisch-wissenschaftliche Basis.

Ulrich Bestle vom Vorstand der Landespsychotherapeutenkammer in Mainz warnt vor Heilsversprechen: "Waldbaden ist keine professionelle psychotherapeutische Behandlung." Damit lasse sich keine Depression an einem Wochenende heilen. Im Einzelfall könne der Kontakt zur Natur aber Therapien positiv unterstützen - wie auch beispielsweise Meditation oder Sport.

Als "Shinrin Yoku" wird das Eintauchen in die Natur bereits seit Jahrzehnten in seinem Ursprungsland Japan praktiziert und erforscht. In Deutschland stößt der Begriff Waldbaden teils auf Unverständnis. Die 55-jährige Waldbademeisterin Ina Schmitt aus Kaiserslautern sagt: "Ich bin schon gefragt worden, ob man eine Badehose oder Badewanne dafür braucht." Dabei gehe es einfach um ein entschleunigtes Naturerlebnis ohne Handy: "Viele haben den Kontakt zum Wald verloren. Manche haben sogar Angst vor ihm."

"Ich bin schon gefragt worden, ob man eine Badehose oder Badewanne dafür braucht."

Waldbademeisterin Ina Schmitt

Jäger bewerten Waldbaden als positiv

Waldbademeister benötigen für kommerzielle Kurse die Erlaubnis des jeweiligen Waldbesitzers. Der Jagdverband Rheinland-Pfalz im rheinhessischen Gensingen bewertet den Trend positiv - solange Waldbadende rücksichtsvoll bleiben. "Ausgewiesene Wildruhezonen sollten ebenso wenig betreten werden wie unübersichtliche Dickungen", mahnt Verbandssprecher Günther Klein. "Schließlich nutzen Rehe, Wildschweine oder Hirsche Brombeergebüsche, Adlerfarn oder Schilfgürtel häufig als Rückzugsort und Kinderstube."

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