An der maroden Hochbrücke Süd in Ludwigshafen klebt von unten ein rotes Gewebeband wie ein Pflaster (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/Uwe Anspach/dpa)

Abriss und Neubau der Hochstraße Süd Wie es in Ludwigshafen weitergehen könnte

Gesperrte Gleise, Straßen, eine geschlossene Diskothek, über den Haufen geworfene Zeitpläne für Abrisse und Neubauten: Das Hochstraßen-Desaster hat in Ludwigshafen und Mannheim vieles durcheinander gebracht.

Die Stadt sucht nach eigenen Angaben gerade nach einer Firma, die die sogenannte Pilzhochstraße abreißt. Das ist ein rund 500 Meter langer Teilabschnitt der Hochstraße Süd. Straßenbahngleise und Fußgängerwege queren hier unter dem Bauwerk.

Selbst wenn schnell ein Unternehmen gefunden wird, kann die Stadt noch nicht sagen, wann der Abriss losgeht. Verwaltungsexperten und Juristen gehen aber davon aus, dass frühestens Anfang 2020 die Abrissbagger anrücken.

Zehn Jahre, wenn alles gut geht

Für den Neubau muss ein Planfeststellungsverfahren eingeleitet werden. Landesrecht, Bundesgesetze und unter anderem EU-Vergaberecht spielen da eine Rolle. Da es sich allerdings um einen Ersatz- und keinen Neubau handelt, könnte es auch mit einem Plangenehmigungsverfahren ein paar Monate schneller gehen.

Im Idealfall, so Verwaltungsexperten, würde die Planung sechs bis sieben Jahre in Anspruch nehmen. Mit einer Bauzeit von zwei bis drei Jahren könnte man insgesamt auf zehn Jahre kommen, die der Neubau dauern würde.

Land Baden-Württemberg beteiligt sich an Mobilitätspakt

Das Land Baden-Württemberg will sich an einem länderübergreifenden Mobilitätspakt für die Metropolregion Rhein-Neckar beteiligen. Das teilte das Verkehrsministerium dem SWR mit. Ein erstes Treffen auf Spitzenebene sei Anfang 2020 geplant, dann solle das weitere Vorgehen besprochen werden. Der Mobilitätspakt soll noch im ersten Halbjahr 2020 unterzeichnet werden. Hintergrund sind die Probleme durch die gesperrte Hochstraße Süd in Ludwigshafen.

Diskothek könnte neuen Notausgang bekommen

Für die wegen der maroden Hochstraße Süd geschlossene Ludwigshafener Diskothek "Musikpark" gibt es möglicherweise Hoffnung. 100 Mitarbeiter können zurzeit nicht arbeiten, da drei der fünf Notausgänge der Diskothek direkt neben der Hochstraße verlaufen. Die Betriebsgenehmigung wurde entzogen.

Die Disko "Musikpark" ist wegen der Hochstraße Süd geschlossen (Foto: SWR)
Die Disko "Musikpark" ist wegen der Hochstraße Süd geschlossen

Nach Angaben des Diskothekenbetreibers gibt es jetzt aber die Idee, einen weiteren Fluchtweg auf einem Gerüst, über dem Haupteingang zu errichten. Statiker, Architekten und Brandsachverständige erarbeiten zurzeit einen Plan, über den das Ludwigshafener Tiefbauamt recht zügig entscheiden könnte. Dann könnte es nach Einschätzung des Betreibers sein, dass die Diskothek im besten Fall bereits Ende nächster Woche mit einem provisorischen Notausgang eröffnen kann.

Mit dem zusätzlichen Notausgang könnte die Diskothek 1.000 Gäste beherbergen - weniger als üblich. Der Betreiber bleibt nach eigenen Angaben auf den Kosten für die Schließung sitzen, weil die Versicherungen nicht greifen würden.

Zukunft des Rathaus-Centers

Auch ein anderes Bauprojekt in Ludwigshafen wird von der Hochstraße Süd beeinflusst: der geplante Abriss der Hochstraße Nord. Damit hängt auch der Teilabriss des Rathaus-Centers zusammen. Die Stadt hatte im April 2019 das 40 Jahre alte Gebäude für rund 43 Millionen Euro gekauft. Ursprünglich hatte sie geplant, einen großen Teil des Einkaufscenters mit seinen 67 Läden abzureißen. So sollte der Abriss der angrenzenden Hochstraße Nord und der Neubau einer Stadtstraße erleichtert werden.

Das Rathaus-Center in Ludwigshafen (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Uwe Anspach/dpa)
Das Rathaus-Center in Ludwigshafen picture alliance / Uwe Anspach/dpa

Wenn es nach Ludwighafens Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) geht, sollen die Pläne für die nördliche Hochstraße erstmal auf Eis gelegt werden. Dann könnte das Rathaus-Center ebenfalls zehn Jahre weiter betrieben werden. Eins steht aber fest: Der bisherige Betreiber des Einkaufscenters, die ECE Gesellschaft, steigt Ende 2021 aus.

Welche Pläne die Stadt als Besitzerin der Immobilie hat, ist noch unbekannt. Im Stadtrat haben die Fraktionsvorsitzenden von CDU, Grünen und FDP auf SWR-Anfrage gesagt, dass es sinnvoll sei, die Geschäfte im Rathaus offen zu halten. Zudem könnten die 1.000 Parkplätze erhalten bleiben.

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