Arzt berät Patienten, der an Long Covid leidet (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Christophe Gateau)

IKK-Studie zu Corona-Langzeitfolgen

Long Covid: Nur ein Drittel der Betroffenen geht zum Arzt

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Müdigkeit, Gedächtnisprobleme, Kurzatmigkeit: Die Symptome von Long Covid sind vielfältig. Doch zu wenige Menschen gehen mit diesen Problemen zum Arzt, wie eine Studie der IKK Südwest jetzt zeigt.

Nur ein Drittel der befragten Long Covid Betroffenen hat laut der Studie der Innungskrankenkasse (IKK) Südwest überhaupt den Weg in eine Praxis auf sich genommen. Obwohl viel mehr der Langzeitpatienten auch nach mehreren Monaten teils starke Krankheitssymptome zeige. Das spiegele sich auch in den Zahlen der Krankschreibungen wider: Nur 30 Prozent der Betroffenen ließen sich krankschreiben, 70 Prozent nicht.

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Unzufriedenheit mit Behandlung

Der Großteil der Menschen, welche einen Facharzt aufsuchten, gaben laut der Studie an, mit der Behandlung nicht zufrieden gewesen zu sein. Bei rund 30 Prozent der Patienten habe sich die gesundheitliche Situation nach dem Arztbesuch nicht gebessert. Weitere 20 Prozent hätten angegeben, dass die behandelnden Ärzte nicht richtig auf ihre gesundheitlichen Beschwerden eingegangen seien.

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Doch für eine effektive und gute Behandlung durch einen Arzt ist die Datenlage zu Langzeitsymptomen einer Corona-Erkrankung immer noch gering. Aus diesem Grund sei es, laut Jörg Loth, dem Vorstand der IKK Südwest, wichtig, sich behandeln zu lassen und genaue Symptome anzugeben.

"Im Ergebnis lässt sich darauf schließen, dass neben den Patienten auch Ärzte Leidtragende einer schlechten Datenlage sind"

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Betroffene sollten sich auf ein Gespräch mit ihrem Arzt vorbereiten. Der Arzt müsse genau über die Symptome informiert werden. Das Krankheitsbild sollte von der Patientin oder dem Patienten möglichst exakt beschrieben werden.

Welche Medikamente nimmt eine Person gerade zu sich? Welche Vorerkrankungen hat der oder die Betroffene? Diese Fragen sind laut Loth wichtig, um ein Gesamtbild über die momentane gesundheitliche Situation der Patientin oder des Patienten zu bekommen.

Hohe Long-Covid-Quote

In der Studie wurden nach Angaben der IKK 656 Personen aus Rheinland-Pfalz befragt. 77 Prozent der Befragten seien in der Vergangenheit an Corona erkrankt gewesen. Bei 478 von diesen sei die Covid-19-Diagnose länger als sechs Monate her gewesen. 65 Prozent der befragten Erkrankten aus Rheinland-Pfalz hätten über Spätfolgen geklagt. Sogar Patienten aus der ersten Corona-Welle 2020 seien noch nicht von Long Covid genesen.

"Vieles in der Umfrage deutet darauf hin, dass zahlreiche Covid-19-Patienten aus der Region zwar als genesen gelten, aber auch nach langer Zeit trotzdem nicht gesund sind. Ganz unabhängig davon, ob sie einen leichten oder schweren Krankheitsverlauf hatten."

Die Studie umfasst laut IKK außerdem Daten von 813 Personen aus Hessen und dem Saarland. Auch seien die prozentualen Verhältnisse vergleichbar.

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Müdigkeit und Erschöpfung wird in der Studie von insgesamt 80 Prozent der Long-Covid-Erkrankten als Hauptsymptom angegeben, 57 Prozent leiden unter Konzentrations- und Gedächtnisproblemen. 41 Prozent geben Kurzatmigkeit als Symptom an. Psychische Probleme durch eines oder mehrere dieser Long-Covid-Symptome empfinden ein Drittel der Befragten.

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97 Prozent der Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmer gaben an, in der Vergangenheit, bei einer Influenza und ähnlichen Erkrankungen, keine derartigen Langzeit-Symptome gehabt zu haben.

Unspezifische und vielfältige Langzeitfolgen: Hier gibt es Hilfe

Ehrenamtlich betriebene Seiten wie longcoviddeutschland.org geben Hilfestellungen zu verschiedenen Themen und nutzen das Internet zum Vernetzen von Betroffenen. In Rheinland-Pfalz gibt es außerdem Hilfe bei sogenannten Long-Covid-Ambulanzen, an die sich Patienten mit Folgebeschwerden wenden können.

Der Gang zum Hausarzt solle trotzdem die erste Wahl sein, empfiehlt die IKK. Dadurch verbessere sich die Datenlage zu den Langzeitfolgen und damit die Basis für alle an Long Covid erkrankten Personen.

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