Container werden auf einem Verladebahnhof am DUSS-Terminal von der Straße auf die schiene oder umgekehrt verladen.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Patrick Pleul)

"So extrem wie momentan war es noch nie"

So treffen die aktuellen Lieferengpässe die Menschen in Rheinland-Pfalz

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David Kirchgeßner
David Kirchgeßner ist Redakteur bei SWR Aktuell in Rheinland-Pfalz. (Foto: SWR)

Immer mehr Privatleute, Firmen und Händler im Land bekommen gerade die Folgen der Lieferengpässe zu spüren. Welche Auswirkungen hat das auf die Menschen im Land?

Nicht nur mit Blick auf das Weihnachtsgeschäft sorgen sich Kunden und Geschäftsleute. Friedrich Demmler, Geschäftsführer von WiRTH Der Kinderladen in Mainz, berichtet: "Es fängt schon an, dass das eine oder andere schon ausverkauft ist und da gab es in den früheren Jahren weniger Nachlieferprobleme."

Er sieht als Ursache ein logistisches Problem, gerade bei technischen Produkten aus Fernost, aber auch weil jetzt vor Weihnachten "die innereuropäische Logistik immer mehr in die Knie geht."

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Chipmangel trifft viele Branchen

Den Herstellerfirmen fehlen zudem Mikrochips beziehungsweise Halbleiter. Dadurch kommt es beispielsweise bei Haushaltsgeräten oder Spielekonsolen zu Lieferengpässen. Der Chipmangel betrifft jedoch auch die Automobilbranche - viele bestellte Neuwagen können derzeit nicht geliefert werden. Gebrauchtwagen werden infolge dessen teurer.

Die Auswahl im Spielzeugladen von Demmler ist derweil noch groß. Trotzdem empfiehlt er: Wer einen ganz bestimmten Kinder-Wunsch erfüllen will, sollte in diesem Jahr früher als sonst auf die Suche gehen.

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Auswirkungen auf Handwerker und Baustellen

Doch nicht nur Konsumgüter werden teilweise knapp. Die Betreiberin eines Baumarktes in Rülzheim berichtet ebenfalls von leeren Regalen. Nadine Milz ist in vierter Generation Geschäftsführerin des Baumarkt Milz und hat so etwas in diesem Umfang noch nie erlebt.

Neu sei vor allem, dass so viele verschiedene Bereiche in ihrem Sortiment betroffen seien - Farben, Öle, Holz, Elektronik. "So extrem wie momentan war es noch nie", so Milz. Immerhin habe sich beim Holz die Lage wieder entspannt - bis auf die Verfügbarkeit von Grobspanplatten - auch als OSB-Platten bei Handwerkern bekannt: "Da gibt es gerade gar keine Verfügbarkeit, da kann auch niemand sagen, wann die kommen."

Verkürzte Verkaufszeit und Preiserhöhungen

Auch Saisonware wie Lichterketten ist bei Milz schon knapp. "Wir haben momentan nur eine Teillieferung erhalten." Der Grund: Beim Hersteller in China fehlen offenbar die LEDs. Nachschub soll erst Mitte November kommen. Sehr spät für Weihnachtsdekoration. "Anstatt drei Monate haben wir nur drei Wochen, um die Ware zu verkaufen."

Zudem hätten Händler und Lieferanten bereits Preiserhöhungen angekündigt. Einige Lieferanten suchen laut Milz jedoch nach Alternativen, um die Preissteigerungen abzufedern und die Lieferketten zu verkürzen. "Ich weiß auch, dass Lieferanten schon ihre Produktion verlagert haben, weniger aus Fernost, mehr im europäischen Raum."

Das rät die Baumarktchefin

Und wie geht Milz mit dieser Situation um? "Ab einem gewissen Level kann ich mich da nicht mehr verrückt machen, weil es nicht mehr in meiner Hand liegt." Stattdessen lebt sie im Moment: "Was jetzt da ist, ist da. Was wir organisieren können, machen wir."

Wer zu Hause etwas bauen oder umbauen will, dem rät die Baumarktchefin, langfristig zu planen. "Jetzt auf gleich - davon müssen wir uns ein bisschen verabschieden."

Dachdeckerbetrieb kurz vor dem Aus

Dachdeckermeister Matthias Lichtmes aus Kell am See ist einer der Handwerker, die solche Lieferengpässe und die dadurch entstandenen Verzögerungen bei den anderen Gewerken auf einer Baustelle besonders treffen. Bauten seien entweder verschoben oder komplett abgesagt worden.

Dachdeckermeister Matthias Lichtmes (Foto: SWR)

Daher hatte er zwischenzeitlich sogar den Gedanken, seinen Betrieb aufzugeben, weil die Aufträge nicht erfüllbar waren. Teilweise war der Stress durch die zusätzlichen logistischen Aufwand und bei der Vorausplanung so enorm, dass er ärztlichen Rat suchte. "Es sind glücklicherweise noch Aufträge reingekommen", so Lichtmes.

Nun muss er beispielsweise bei Ziegeln mit Wartezeiten von sechs bis acht Wochen rechnen. Auch vom Mangel bei den OSB-Platten und bei Aluminium-Blech ist er betroffen. "Meine Kosten steigen, und ich muss ja auch gucken, dass wir nachher nicht null auf null rauskommen, sondern auch mal Geld verdienen."

Hoffen auf 2022

Außerdem müsste er eigentlich die Stundenlöhne erhöhen. Doch das alles sei angesichts der aktuellen Materialpreise schwierig umzusetzen, erklärt der Dachdeckermeister.

Lichtmes hofft nun, dass im nächsten Jahr "alles mal ein bisschen besser wird. Aber wenn dann wirklich Bauten auf lange Sicht wegbrechen, dann funktioniert das nicht mehr."

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