Eine Betreuerin hilft im Altenheim einer Bewohnerin in einer Wohngruppe beim Stricken. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa | Bernd Weißbrod)

Urlaubszeit

Wie schnell Kurzzeitpflege für Senioren in RLP möglich ist

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Die Schulferien in Rheinland-Pfalz haben begonnen und für viele Familien stellt sich die Frage, wo sie ihre pflegebedürftigen Angehörigen für die Zeit des Urlaubs unterbringen können.

Möglich ist die Kurzzeitpflege. Doch die Plätze sind heiß begehrt. Wie schnell Sie einen Platz bekommen können und was Sie wissen sollten zur Kurzzeitpflege in Rheinland-Pfalz, gibt es hier.

1. Situation der Kurzzeitpflege im Land
2. Verfügbarkeit klassischer Kurzzeitpflege-Plätze
3. Verfügbarkeit "eingestreuter Kurzzeitpflege" und Personalmangel
4. Krankenhäuser bieten Übergangspflege als Notlösung
5. Vermittlung und Hilfe auf der Suche nach Kurzzeitpflege
6. Einschränkungen wegen Corona mit Ausblick auf Herbst

1. Situation der Kurzzeitpflege im Land

Im Land gibt es etwa zehn reine Kurzzeitpflege-Einrichtungen, die übrigen Kurzzeitpflege-Plätze sind laut PflegeGesellschaft Rheinland-Pfalz in vollstationären Heimen integriert. Sebastian Rutten, Geschäftsführer der Gesellschaft, sagt, im Land gebe es rund 3.000 Kurzzeitpflege-Plätze.

Rutten erklärt, man sehe das Platzangebot in der Kurzzeitpflege als zu gering an, aber auch als nicht auskömmlich finanziert. Die Gesellschaft wartet auf eine Bundesempfehlung, die eine wirtschaftlich tragfähige Vergütung in der Kurzzeitpflege sicherstellen soll. Eigentlich hätte diese schon erarbeitet werden sollen, sagt der Geschäftsführer weiter. Das sei wichtig für Verhandlungen, um bessere Angebote in der Kurzzeitpflege machen zu können.

Verfügbarkeit hängt von vielen Faktoren ab

Die Verfügbarkeit von Kurzzeitpflege-Plätzen hänge zum Beispiel ab von der Region, dem Angebot und der Nachfrage, so der Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz, Markus Mai. "Beispielsweise ist der Bedarf in den Ferienzeiten größer, ebenso klassischerweise an Brückentagen", so Mai. Oftmals handele es sich bei den Kurzzeitpflege-Fällen um geplante Kurzzeitpflege, zum Beispiel aufgrund von Urlaub der Hauptpflege-Person. Die Kammer empfiehlt, einen Kurzzeitpflege-Platz frühzeitig anzufragen, sobald der Bedarf absehbar sei.

Auch spontan ist es möglich, einen Kurzzeitpflege-Platz zu bekommen - insbesondere bei Ausnahmesituationen in der pflegenden Familie oder in der Übergangszeit zwischen einem Krankenhausaufenthalt und einem festen Platz in einer Langzeitpflege-Einrichtung.

Eine Pflegerin und eine Bewohnerin eines Altenheims stehen zusammen am Fenster. Im Vordergrund steht der Rollator der Frau. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Tom Weller)
picture alliance/dpa | Tom Weller

2. Verfügbarkeit klassischer Kurzzeitpflege-Plätze

Tanja Klein, Beraterin für Kurzzeitpflege in der Geschwister de Haye'sche Stiftung in Koblenz sagt, spontane Plätze sind möglich, aber oft sei auch alles belegt - so wie im Moment (Stand 18. Juli). Von den acht Zimmern für Kurzzeitpflege seien zum Beispiel erst ab 22. August wieder zwei Zimmer frei.

Kurzzeitpflege-Platz ist oft Glückssache

Oft ist es Glückssache, einen Kurzzeitpflege-Platz zu bekommen. Axel Wenderoth, Pressesprecher der Mission Leben, dem Träger des Altenpflegeheims Martinsstift in Mainz, sagt, dort gebe es 100 Betten, drei für die Kurzzeitpflege - und die seien immer sehr schnell ausgebucht. Es sei beispielsweise nicht möglich, einen langen, planbaren Aufenthalt ein Jahr im voraus zu buchen.

Auch Jörg Schneider, Leiter des Alten- und Pflegeheims Haus Friesenheim in Ludwigshafen, erklärt, bei kurzfristiger Anfrage sei es Zufall, einen Kurzzeitpflege-Platz zu bekommen. Eine Lücke gebe es frühestens Mitte August bis September, danach sei wieder alles belegt bis zum 30. September (Stand 18. Juli). Bedürftige buchten oft schon vorausschauend. Die Einrichtung bietet vier Plätze für Kurzzeit.

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3. Verfügbarkeit "eingestreuter Kurzzeitpflege" und Personalmangel

Wenn Personal fehlt in den Pflegeeinrichtungen, werden oft Zimmer der Kurzzeitpflege in feste Mietverträge (Bewohnerplätze) umgewandelt. Laut Landespflegekammer Rheinland-Pfalz ist das insbesondere dort möglich, wo die sogenannte eingestreute Kurzzeitpflege angeboten wird.

"Personalmangel kann im Einzelfall in der Tat dazu führen, dass Betten zeitweise freigehalten werden müssen oder nicht belegt werden können."

Eingestreute Kurzzeitpflege bedeutet, dass es keinen eigenen Wohnbereich oder ähnliches ausschließlich mit Kurzzeitplätzen gibt, sondern dass der Träger für eine Einrichtung der Langzeitpflege die Erlaubnis hat, auch Kurzzeitpflege anzubieten.

Eine eingestreute Kurzzeitpflege findet man zum Beispiel auch im Altenpflegeheim Wohnpark St. Elisabeth in Trier. Pflegedienstleiterin Nicole Reichertz sagt, wenn zufällig ein Platz nicht besetzt sei, dann könne der auch mal für eine Kurzzeitpflege gebucht werden - bevor er wieder langfristig vergeben werde. Bisher sei das in diesem Jahr allerdings erst einmal möglich gewesen.

Auch die Senium Seniorenhilfe GmbH in Kaiserslautern hat eine eingestreute Kurzzeitpflege. Mitarbeiterin Eva Graf sagt, kurzfristige Anfragen seien schwierig. Wie in fast allen Pflegeeinrichtungen müsse vorher ein ärztlicher Fragebogen ausgefüllt werden. Anhand diesem werde dann geprüft, ob die angefragte Kurzzeitpflege auch zu leisten ist. Wenn zum Beispiel jemand eine Weglaufgefährdung habe oder künstlich ernährt werden müsse, müsse man prüfen, ob das überhaupt machbar sei.

4. Krankenhäuser bieten Übergangspflege als Notlösung

Krankenhäuser können eine Übergangspflege anbieten. Das sei allerdings nur als Notlösung gedacht, sagt der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Rheinland-Pfalz, Andreas Wermter. Das geht dann, wenn zum Beispiel ein Patient aus dem Krankenhaus verlegt werden müsste in eine Rehabilitation und die Reha-Klinik kurzfristig absagt. So kann das Krankenhaus den Patienten oder die Patientin bis zu 14 Tage in einer Übergangspflege behalten. Dies hat allerdings nichts mit einer sonst üblichen Kurzzeitpflege zu tun.

5. Vermittlung und Hilfe auf der Suche nach Kurzzeitpflege

Wer nicht selbst suchen möchte oder selbst keine Kurzzeitpflege-Plätze findet, kann sich helfen lassen und sich zum Beispiel an den Verbund Pflegehilfe in Rheinland-Pfalz wenden. Dieser vermittelt Plätze und ist deutschlandweit aufgestellt. "In Rheinland-Pfalz verfügen wir über rund 600 Partner im Bereich Verhinderungs- und Kurzzeitpflege", so Franziska Schmitt, Marketing und PR.

"Das Thema Kurzzeit- und Verhinderungspflege ist in unserer kostenlosen telefonischen Beratung zurzeit sehr präsent", sagt Schmitt. Betroffene informieren sich beim Verband zum Beispiel über die Finanzierungsmöglichkeiten.

Beim Verbund ist die Nachfrage nach Kurzzeitpflege-Plätzen sehr hoch, schätzungsweise über 90 Prozent der Anrufer finden eigenständig keinen Betreuungsplatz. Gründe sind die hohe Auslastung der Pflegeheime und die meist langen Wartelisten. "Für unsere Anrufer sind wir oft der einzige Ansprechpartner, um in einer schwierigen Situation eine angemessene Lösung zu finden", so Schmitt.

"Insgesamt haben derzeit lediglich 22 unserer Partner freie Kapazitäten für Kurzzeit- und Verhinderungspflege bundesweit gemeldet. Ein Engpass ist deutlich spürbar und trifft die oftmals stark belasteten pflegenden Angehörigen", teilt Schmitt mit (Stand 18. Juli).

6. Einschränkungen wegen Corona mit Ausblick auf Herbst

Laut Landespflegekammer Rheinland-Pfalz gilt die aktuelle Coronaverordnung des Landes - unabhängig von Kurzzeitpflege oder permanent in einer Einrichtung lebenden Bewohnern. Pflegepersonal, das sich infiziert, wird in Quarantäne geschickt, infizierte Patientinnen und Patienten sowie Pflegebedürftige in Einzelzimmern bis zur Genesung isoliert. Weiterhin gilt die einrichtungsbezogene Impfpflicht in Pflegestätten.

Mit weiteren Einschränkungen wegen Corona ist zu rechnen

Die Landespflegekammer rechnet mit weiteren Einschränkungen beim Pflegepersonal. "Wir sehen eine Zunahme der Belastungen des Pflegepersonals durch Corona über alle pflegerischen Bereiche hinweg. Auch die krankheitsbedingten Ausfälle der noch verbleibenden Pflegefachpersonen auch aufgrund von Covid-Erkrankungen sind teilweise erheblich", sagt Präsident Mai. Die wahrgenommene Arbeitsbelastung habe zugenommen. "Mitglieder teilen uns auch mit, dass sie nicht mehr bereit sind, auch noch eine 5. Welle mit ihrer Gesundheit zu kompensieren", so Mai.

Die Kammer beobachte eine besorgniserregende und wachsende Anzahl an Pflegenden, die überlegten, Ihre Stellenanteile zu reduzieren oder gar ganz aus dem Beruf auszusteigen. Die Situation sei wirklich ernst.

Sebastian Rutten von der PflegeGesellschaft teilt mit, dass die Infektionszahlen und damit auch die Ausfallzahlen beim Personal wieder stiegen, trotz Impfung. Die Positivzeiten seien auch fast immer deutlich länger als die Fünf-Tage-Quarantäne. "Ob daraus künftig wieder ordnungsrechtliche Einschränkungen zu erwarten sind, lässt sich schwer abschätzen. Die PflegeGesellschaft unterhält mit dem zuständigen Ministerium jedoch eine Taskforce, in der die aktuelle Lage und eventuelle Anpassungsbedarfe regelmäßig  diskutiert werden", so Rutten.

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