Archivfotos zeigen einen Polizeibeamten zwischen Einsatzfahrzeugen der Polizei (oben l), die Leitzentrale eines Kraftwerks (oben r), Müllabfuhr (unten l) und Feuerwehrleute bei einer Übung.  (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Krankenhäuser, Feuerwehren, Energieversorger

Verkürzte Quarantäne - wer in Rheinland-Pfalz ist dafür?

STAND

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern empfehlen, die Quarantäne für Beschäftigte der kritischen Infrastruktur früher zu beenden - auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer ist dafür.

Die SPD-Politikerin sagte, es komme darauf an, die kritische Infrastruktur arbeitsfähig zu halten. Dreyer forderte, dass die Bund-Länder-Konferenz am Freitag eine Verkürzung der Quarantäne prüft.

Die Bund-Länder-Runde will angesichts der Omikron-Variante über weitere, verschärfte Corona-Maßnahmen beraten. Neben den Quarantäneregeln wird es auch um Kontaktbeschränkungen und die Kontrolle bestehender Regelungen gehen.

Die Empfehlung der Gesundheitsminister, die Quarantäne zu verkürzen, gilt laut Petra Grimm-Benne (SPD), der Vorsitzenden der Gesundheitsministerkonferenz (GMK), vor allem für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Polizei, Feuerwehr, Energie- und Wasserversorgern. Voraussetzung sei, dass sie einen negativen PCR-Test vorlegen können.

Warum eine verkürzte Quarantäne?

Hintergrund ist, dass die Ausbreitung der hoch ansteckenden Omikron-Variante des Coronavirus die kritische Infrastruktur bedrohen könnte: Inzwischen fallen auch in Rheinland-Pfalz täglich mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus und müssen in Quarantäne. 14 Tage beträgt die Dauer aktuell für Infizierte - egal, ob mit Symptomen oder symptomfrei.

Rheinland-Pfalz

Infektionsschutz gegen Produktivität Verkürzte Quarantäne - ja oder nein?

Viele andere Länder machen es vor: Für Menschen ohne Corona-Symptome wird die Quarantäne deutlich verkürzt. Auch in Rheinland-Pfalz wird die Diskussion lauter.

Kliniken begrüßen mögliche Verkürzung der Quarantäne

Vor allem Vertreter von Krankenhäusern im Land sind sich einig: Eine kürzere Quarantäne könnte die Personallage in den Kliniken entspannen. Allerdings sagt beispielsweise ein Sprecher des Nardini-Klinikums mit den Standorten Zweibrücken und Landstuhl: Die Maßnahme müsse "sehr vorsichtig" angewandt werden.

Eine Verkürzung der Quarantänezeit sei nur sinnvoll, "wenn Nutzen und Risiken für Patienten und Beschäftigte eindeutig einzuschätzen sind". Nach Angaben des Sprechers hat das Krankenhaus die coronabedingten Personalausfälle bisher auffangen können, indem beispielsweise nicht zwingend notwendige Eingriffe verschoben wurden.

Eine Sprecherin des Klinikums Ludwigshafen schränkte ein: Sie begrüße eine kürzere Quarantäne speziell für Kontaktpersonen - nicht aber für infizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das sieht das Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus in Speyer ähnlich. Gerade Kontaktpersonen von Infizierten würden im Krankenhausbetrieb fehlen, wenn sie für eine längere Zeit in Quarantäne müssen.

Rettungsdienste und Feuerwehren für kürzere Quarantäne

Für eine generell kürzere Quarantänedauer hat sich der DRK-Rettungsdienst Westpfalz ausgesprochen: Jeder Mitarbeiter, der ausfalle, sei schwer zu ersetzen, denn es müsse immer eine Zwei-Mann-Besetzung gewährleistet sein. Derzeit sei der Rettungsdienst noch in der Lage, die Notfallrettung in der Region zu 100 Prozent zu besetzen.

Auch viele Feuerwehren halten es für sinnvoll, die Quarantäne zu verkürzen. So findet der Wehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr in Ramstein-Miesenbach: "Damit können wir natürlich vieles besser und schneller wieder ins Laufen bekommen."

Energierversorger und Polizei auf Omikron vorbereitet

Der Energieversorger Pfalzwerke betont auf SWR-Anfrage, dass die Dauer der Quarantäne keine Auswirkungen darauf habe, wie leistungsfähig das Unternehmen sei - es gebe Notfallmaßnahmen, auf die die Pfalzwerke zurückgreifen könnten. Unter organisatorischen Gesichtspunkten sollte die Quarantänezeit allerdings verkürzt werden; dabei müsse gewährleistet sein, dass von rückkehrenden Mitarbeitenden kein Infektions- bzw. Übertragungsrisiko ausgehe.

Energieversorger erhöhen Strompreise - auch in Südbaden (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Federico Gambarini)
Auch Energieversorger wie die Pfalzwerke und die Technischen Werke Ludwigshafen sind dafür, die Quarantänedauer zu verkürzen. picture alliance/dpa | Federico Gambarini

Eine Sprecherin des Strom- und Wasserversorgers Technische Werke Ludwigshafen (TWL) ergänzt: Im Notfall sollten positiv Getestete an Stellen eingesetzt werden dürfen, wo sie zu niemandem Kontakt haben, beispielsweise in Leitwarten.

Das Polizeipräsidium Westpfalz hat eine Stellungnahme zur aktuellen Diskussion um eine verkürzte Quarantäne abgelehnt - verweist aber darauf, dass die Sicherheit in der Region gewährleistet sei. Polizistinnen und Polizisten des Westpfalzpräsidiums könnten beispielsweise durch Kräfte anderer Präsidien ersetzt werden.

Kaiserslautern

Polizei, Rettungsdienst & Co. Wie Vertreter der kritischen Infrastruktur über kürzere Quarantäne denken

Aktuell wird über eine Verkürzung der Quarantäne diskutiert. Experten befürchten, dass die Omikron-Variante die kritische Infrastruktur lahmlegen könnte. Meinungen aus der Westpfalz.

Pfalz

Vor den Bund-Länder-Beratungen Firmen und Kliniken in Pfalz für kürzere Corona-Quarantäne

Sollte sich die Omikron-Variante auch in Deutschland rasant ausbreiten, könnten überall Mitarbeiter ausfallen. Am Freitag beraten Bund und Länder über eine Verkürzung der Quarantäne. Wie sind die Meinungen in der Pfalz dazu? 

Corona-Mutation Neue Corona-Variante: Noch kein Grund zur Sorge

Zurzeit bestimmen Delta und Omikron das Infektionsgeschehen in Deutschland. Und schon wieder macht eine neue Virusvariante, die in Südfrankreich entdeckt wurde, von sich reden. Doch das sollte uns zunächst nicht beunruhigen.

STAND
AUTOR/IN
SWR