Ein Schild mit der Aufschrift 2G-Regelung steht vor einem Lokal (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Axel Heimken)

Von "Wieder müssen Kinder leiden" bis "Trendwende"

Geteilte Reaktionen auf Corona-Verordnung in Rheinland-Pfalz

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Seit Sonntag gilt bei den Corona-Maßnahmen in Rheinland-Pfalz "2G+". Die Reaktionen sind unterschiedlich.

Einige Gesundheitsämter im Land rechnen durch die neue Corona-Verordnung mit mehr Arbeit, etwa im Kreis Bad Kreuznach. Ein Sprecher des Kreises sagte, man werde durch die neue Corona-Verordnung zum Beispiel mit Schulen und Kitas noch enger zusammenarbeiten müssen. Der Kreissprecher rechnet außerdem damit, dass sich auch die Anfragen für Veranstaltungen durch die neue Verordnung erhöhen werden.

Soldaten sollen helfen

Um die Mehrarbeit auffangen zu können, hofft der Kreissprecher auf Unterstützung durch die Bundeswehr. Im Kreis Mainz-Bingen ist diese Hilfe schon klar: Hier helfen in den nächsten Tagen vier Soldaten aus. Nach Angaben des Kreises sind die Mitarbeitenden des Gesundheitsamtes in Mainz-Bingen wieder am Limit. Im Kreis Alzey-Worms ist die Bundeswehr nach Angaben einer Sprecherin bereits seit Anfang September wieder im Einsatz. Auch hier geht der Kreis davon aus, dass Bürger und Betriebe in den kommenden Wochen viele Nachfragen wegen der neuen Regeln haben werden.

Landrat Eibes: Verordnung ist "halbherzig"

Der Landrat des Kreises Bernkastel-Wittlich Gregor Eibes (CDU) kritisiert die neue Corona-Verordnung des Landes Rheinland-Pfalz als "halbherzig". Einerseits gebe es viele Lockerungen, andererseits solle sich das Gesundheitsamt bei jedem Corona-Fall um Kontaktnachverfolgung kümmern. Eibes würde stattdessen eine Impf-Pflicht befürworten.

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Sportvereine fürchten Einschränkungen

Viele Sportvereine befürchten, dass der Vereinssport im Winter erneut ausgebremst wird: Die neuen Regelungen sehen vor, dass nur noch maximal 25 ungeimpfte Personen an Training und Wettkämpfen teilnehmen dürfen. Sollte die nächste Warnstufe in Kreisen und Städten in Kraft treten, nur noch zehn. Das bedeute für viele ungeimpfte Kinder und Jugendliche, dass sie auch in diesem Winter wieder auf Geräteturnen, Handball oder Tischtennis verzichten müssen. So der Geschäftsführer des Turnerverbands Mittelrhein, Stefan Lenz. Denn viele von ihnen seien nicht geimpft. Beim Turngau Rhein-Westerwald diskutiert der Vorstand noch darüber, ob sie ab Oktober die Kosten für notwendige Coronatests übernehmen sollen oder nicht.

Sportbund: "Schon wieder leiden Kinder und Jugendliche"

Auch von Sportverbänden kommt Kritik an der neuen Corona-Verordnung des Landes. Die Corona-Maßnahmen würden die Vereine und auch die Jugendlichen hart treffen. "Schon wieder müssen Kinder und Jugendliche unter den Corona- Schutzmaßnahmen leiden", sagt Thorsten Richter, Geschäftsführer des Sportbundes Rheinhessen.

Nach der neuen Verordnung sind bei Warnstufe 1 maximal 25 nicht immunisierte Personen auf dem Sportplatz oder in der Sporthalle zulässig, bei Warnstufe 2 reduziert sich diese Personenanzahl auf 10, bei Warnstufe 3 auf 5 Personen.

Damit werde es deutliche Auswirkungen auf den Kinder- und Jugendsport ab zwölf Jahren geben, da hier ein Großteil der Kinder eben noch nicht geimpft und genesen sei. "Spätestens ab Warnstufe 2 wird es erhebliche Probleme geben, in diesem Altersbereich einen geregelten Trainings- und Wettkampfbetrieb durchzuführen",  so der Landessportbund RLP in einer Mitteilung.

Der Geschäftsführer des Turnerverbands Mittelrhein, Stefan Lenz, befürchtet, dass der Vereinssport im Winter erneut ausgebremst wird. Sollte die nächste Warnstufe in Kreisen und Städten in Kraft treten, bedeute das für viele ungeimpfte Kinder und Jugendliche, dass sie auch in diesem Winter wieder auf Geräteturnen, Handball oder Tischtennis verzichten müssten. Denn viele von ihnen seien nicht geimpft. Beim Turngau Rhein-Westerwald diskutiert der Vorstand noch darüber, ob sie ab Oktober die Kosten für notwendige Coronatests übernehmen sollen oder nicht.

Mehrere Lokalpolitiker zeigen sich zufrieden

Mehrere Lokalpolitiker aus der Südwestpfalz begrüßen die neue Corona-Strategie 2G+ in Rheinland-Pfalz. Oberbürgermeister Markus Zwick (CDU) spricht von einer "Trendwende" im Kampf gegen das Coronavirus. Er hatte bereits vor Monaten kritisiert, dass für geltende Corona-Maßnahmen ausschließlich die 7-Tage-Inzidenz ausschlaggebend war. Mit der Strategie hätten nun Wirtschaft, Kultur, aber auch Privatpersonen mehr Planungssicherheit, weil keine Lockdowns mehr geplant seien. Mit der 2G+-Strategie, bekommen Geimpfte mehr Freiheiten im Alltag, so der OB. Landrätin Susanne Ganster (CDU) sagt darüber hinaus, dass die neue Corona-Verordnung auch das Pirmasenser Gesundheitsamt entlaste. Bei der Kontaktnachverfolgung werde nun nämlich der Fokus auf vulnerable Gruppen gelegt, um genau diese Menschen besonders zu schützen.

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