Intensivstation auf der Corona-Patienten betreut werden (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Hendrik Schmidt)

Hohe Corona-Zahlen belasten Kliniken im Land

Corona: 75 Prozent aller Kliniken in RLP nicht im Regelbetrieb

STAND

Die Lage auf den Intensivstationen spitzt sich zu, bei 75 Prozent der Krankenhäuser ist der Regelbetrieb eingeschränkt. Für Betroffene ist die Ungewissheit eine große Belastung.

Am 8. Dezember soll Diana Pietscher in der Mainzer Uniklinik operiert werden. Nach sechs Chemo-Therapien wird ein Tumor entfernt und genauer bestimmt. Zweimal musste die Operation bereits verschoben werden. Zuerst kämpfte die Mainzerin mit einer Erkältung, danach konnte die Operation nicht stattfinden, weil die Ärztin andere Termine hatte.

Video herunterladen (21,4 MB | MP4)

Intensivstationen sind überlastet

Über eine Verschiebung der OP wegen der überlasteten Kliniken möchte Diana Pietscher gar nicht nachdenken. "Das wäre der Horror. Das wäre das Allerschlimmste, was in meiner Situation passieren kann", sagt die 41-Jährige, die zwei kleine Kinder hat, dem Politik-Magazin Zur Sache Rheinland-Pfalz. Der Körper sei ja schon nicht gesund und die mentale Gesundheit auch schon angeschlagen, sagt Pietscher. Sie habe große Angst und außerdem hänge auch organisatorisch sehr vieles an dem OP-Termin, beispielsweise die Betreuung der Kinder. Ihr Mann, der selbstständig ist, fügt hinzu: "Man redet immer von nicht lebensnotwendigen Operationen, die verschoben werden können. Aber was macht das in den Menschen, psychisch, wenn die OP verschoben wird?" Bei Krebs-Operationen komme ein entscheidender Faktor hinzu: "Die Menschen haben etwas im Körper, vor dem sie Angst haben und das muss raus."

Frau berichtet über ihre Sorgen (Foto: SWR)
Diana Pietscher aus Mainz hofft, dass ihre Operation nicht verschoben wird

75 Prozent der Krankenhäuser im Land schränken Betrieb ein

In Rheinland-Pfalz hat das Landes-Gesundheitsministerium die Krankenhausträger Ende November aufgefordert, so weit wie möglich medizinische Eingriffe zu verschieben, um für Notfall-Patienten Platz zu haben. Gerald Gaß, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft und ehemaliger Geschäftsführer des Landeskrankenhauses Rheinland-Pfalz in Andernach, zeigt sich besorgt über die aktuelle Situation. In Rheinland-Pfalz meldeten 75 Prozent aller Krankenhäuser mit Intensivstationen einen eingeschränkten Regelbetrieb, so Gaß. Das bedeutet auch: Immer mehr Krankenhäuser müssen planbare OPs verschieben.

Orthopädische Eingriffe oder auch Herz-OPs und Krebs-Operationen - welcher Eingriff verschoben wird und welche Patienten auf eine Warteliste kommen, entscheiden die Ärzte vor Ort. Gaß sagt: "Einen Kriterien-Katalog gibt es nicht." In den vergangenen Pandemie-Wellen mussten auch Krebs-OPs verschoben werden. Es habe 6 Prozent weniger Brustkrebs-Eingriffe und 18 Prozent weniger Darmkrebs-Eingriffe gegeben, so Gaß. "Gerade bei Krebs-Patienten ist jede Verschiebung immer eine psychische Belastung!"

Bundesländer sind unterschiedlich hart von Überlastung betroffen

In dieser Corona-Welle gebe es deutliche regionale Unterschiede, anders als in der letzten Welle, so Gaß. In Rheinland-Pfalz liege man bei der Intensiv-Belegung deutlich unter dem bisherigen Spitzenwert. In Sachsen, Baden-Württemberg oder Bayern und in anderen süd-östlichen Bundesländern dagegen sei die Lage wirklich dramatisch.

Der Vorsitzende der Deutschen Krebshilfe Gerd Nettekoven sagt, genaue Daten, wie viele Krebsoperationen bundesweit verschoben werden müssten, gebe es nicht. "In allen Pandemie-Wellen hat es deutliche Einschränkungen gegeben, und das ist auch jetzt wieder so, in allen Bereichen der Diagnostik und der Behandlungen. Wir gehen derzeit von Einschränkungen von fünf bis zehn Prozent aus. Aber wir sind sicher, dass diese Situation sich in den kommenden Wochen verschärfen wird."

In der aktuellen Situation entschieden in großen Krebszentren interdisziplinäre Teams über eine Verschiebung von OPs oder anderen therapeutischen Maßnahmen. Grundsätzlich gebe es aber auch die Befürchtung, dass dies so nicht mehr möglich sei, wenn das gesamte System weiterhin so gestresst sei und es sogar möglicherweise kolabiere, so Nettekoven. Diana Pietscher hofft, dass ihre Operation am 8. Dezember stattfindet: "Ich wünsche mir, dass der Spuk einfach vorbei ist, dass dieses Corona-Krebs-Jahr vorbei geht."

Video herunterladen (21,4 MB | MP4)

Rheinland-Pfalz

Aktuelle Informationen 24-Stunden-Rennen auf Nürburgring ohne Corona-Beschränkungen

Corona-Regeln, aktuelle Zahlen und alles rund ums Impfen: Die wichtigsten Entwicklungen zum Coronavirus in Rheinland-Pfalz finden Sie hier bei uns im Liveblog.  mehr...

Ludwigshafen

Wohin mit den Notfällen? Intensivstationen in der Pfalz: Es droht Platzmangel

Die Lage in den Krankenhäusern der Pfalz spitzt sich immer weiter zu. Nach Angaben des für die Organisation zuständigen Klinikums Ludwigshafen melden viele Krankenhäuser volle Intensivstationen.  mehr...

Ludwigshafen

Angespannte Situation am Klinikum Ludwigshafen Klinikdirektor aus Ludwigshafen: Auch Geimpfte auf der Intensivstation

Das Klinikum Ludwigshafen behandelt derzeit Corona-Patienten zwischen 30 und 90 Jahren. Wegen Impfdurchbrüchen landen jetzt auch doppelt Geimpfte auf der Intensivstation, sagt Klinikdirektor Prof. Günter Layer im Interview.  mehr...

STAND
AUTOR/IN