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Armin Laschet oder Markus Söder? Am Montagabend hat sich der CDU-Bundesvorstand erneut mit der Frage der Kanzlerkandidatur befasst. Zuvor hatte auch die rheinland-pfälzische CDU-Spitze über die Personalie beraten.

Teilnehmerkreisen zufolge berichtete die rheinland-pfälzische CDU-Vorsitzende und stellvertretende Bundesparteichefin Julia Klöckner bei der Sitzung in Berlin, dass sich beim Treffen der Landespartei am Montagnachmittag ein eindeutiges Meinungsbild zugunsten Söders gezeigt habe. Dabei hätten sich die Mitglieder jedoch klar dafür ausgesprochen, dass Laschet weiter Parteichef bleibe. Es habe sich nur um ein Stimmungsbild und kein Votum gehandelt. An der Sitzung nahmen auch Vertreter der 36 Kreisverbände im Land teil.

Laschet dringt auf rasche Entscheidung

CDU-Chef Laschet wollte noch am Montag eine Entscheidung des Bundesvorstands seiner Partei über die Frage der Kanzlerkandidatur herbeiführen. In der Sitzung des Spitzengremiums wies Laschet am Montagabend Forderungen nach einer Verschiebung der Entscheidung in die Bundestagsfraktion und an die Kreisvorsitzenden zurück, wie Teilnehmerkreise berichteten. Laschet habe entgegnet: "Wir sollten heute entscheiden, wie wir es uns am Anfang vorgenommen haben."

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In der Sondersitzung des Vorstands hatte Laschet zuvor seinen Anspruch auf die Kanzlerkandidatur bekräftigt und seine Kritiker aufgefordert, aus der Deckung zu kommen. "Ich ermutige Euch zu einer offenen Debatte", sagte Laschet laut Teilnehmern vor dem CDU-Spitzengremium in der Frage, ob die Union mit ihm oder CSU-Chef Markus Söder bei der Bundestagswahl antreten soll. In dieser Debatte müsse es um die Frage gehen, wer der bessere Kanzlerkandidat für die Union sei.

Offenbar mehr als 40 Wortmeldungen

Im Vorstand habe es mehr als 40 Wortmeldungen gegeben, hieß es aus Teilnehmerkreisen. Laschet liege dabei bei der Zahl der Wortmeldungen zu seinen Gunsten vor jenen zugunsten Söders. Viele Redner hätten hervorgehoben, dass Söder in der Präferenz der Parteibasis zwar vorne liege - dass sie selbst aber von Laschet überzeugt seien, hieß es von Teilnehmern.

Laschet bezeichnete es als "sehr wichtiges Signal", dass sein CSU-Rivale Söder am Montag klar gemacht habe, dass er ein eindeutiges Votum des CDU-Bundesvorstands akzeptieren werde, wie Teilnehmer berichteten. Viele Mitglieder hätten ihm in den vergangenen Tagen gesagt: "Du musst stehen", und sie hätten ihn ausdrücklich unterstützt, sagte Laschet demnach. Der CDU-Chef habe in der digitalen Schalte noch einmal betont, dass er für die Kanzlerkandidatur der Union zur Verfügung stehe - jetzt müssten die anderen Teilnehmer ihre Meinung sagen.

Kramp-Karrenbauer für Laschet, Altmaier für Söder

Unterstützung bekam Laschet demnach etwa von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther, dem baden-württembergischen CDU-Chef Thomas Strobl und CDU-Vizechefin Julia Klöckner.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans sowie Sachsen-Anhalts Regierungschef Reiner Haseloff sprachen sich demnach dagegen für CSU-Chef Söder aus. Berlins Landeschef Kai Wegner forderte demnach eine Entscheidung in der Bundestagsfraktion und von Kreisvorsitzenden, was aber auf Laschets Widerspruch stieß.

Angesichts der Vorbehalte in Teilen der Partei gegen ihn als Kanzlerkandidaten erklärte sich Laschet laut Teilnehmern bereit, auf die Basis zuzugehen. Im Bundesvorstand kündigte er demnach an, bald das Gespräch mit der Basis suchen zu wollen. Eine Entscheidung über die Kanzlerkandidatur wolle er aber im Vorstand fällen lassen und nicht etwa von einer Kreisvorsitzendenkonferenz, hieß es aus Laschets Umfeld.

CDU-Landesspitze positioniert sich nicht eindeutig

Die CDU-Spitze in Rheinland-Pfalz hatte sich in der Frage des Kanzlerkandidaten zuletzt nicht eindeutig positioniert. Während Landesparteichefin Klöckner Laschet ihre Unterstützung zusagte, legte sich CDU-Fraktionschef Christian Baldauf nicht eindeutig fest. Er forderte eine Konferenz der Kreisvorsitzenden. Letztlich seien es die Parteimitglieder, die den Wahlkampf führten. Die Kreisvorsitzenden seien in der CDU Deutschland die wichtigsten Vertreter der Basis. Es sei kein Problem, eine solche Konferenz auch sehr kurzfristig einzuberufen. "Unter den Stimmberechtigten gab es ein klares Meinungsbild zugunsten von Markus Söder", so Baldauf in einer schriftlichen Stellungnahme.

Der Landesverband der rheinland-pfälzischen Jungen Union hatte sich für Söder ausgesprochen. Der Landesvorsitzende Jens Münster sagte im SWR, dass sei jedoch "keine Ablehnung von Armin Laschet". Es gehe darum, dass die Union bei der Bundestagswahl im September "gut aufgestellt ist." Derzeit habe man "noch keinen Kandidaten, kein Programm und keine Kampagne, und das muss sich jetzt langsam ändern."

Entscheidung sollte eigentlich am vergangenen Wochenende fallen

Am vergangenen Wochenende sollte eigentlich die Entscheidung fallen, wer Kanzlerkandidat der Union für die Bundestagswahl wird. Immer wieder gab es zwischen Söder und Laschet streng geheime Beratungen - bislang aber ergebnislos. Auch am Sonntagabend sollen sich die Kontrahenten getroffen haben.

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