Auf einer Landstraße laufen zwei Menschen in sengender Hitze, es etnstehen Luftspiegelungen durch die Gluthitze (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

DWD-Meteorologe im Interview

Hitze in RLP ab Mitte Juli - "Das ist Kaffeesatzleserei"

STAND
INTERVIEW
Andrea Lohmann

In diversen Medien machen gerade Horror-Prognosen die Runde - von Temperaturen bis über 40 Grad ist die Rede, auch für Rheinland-Pfalz. Wir haben mit dem Meteorologen Andreas Friedrich gesprochen.

Friedrich ist Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD). Er bestätigt, dass es ab kommenden Dienstag heiß wird. Er warnt aber vor zu "wilden Spekulationen".

SWR Aktuell: Herr Friedrich, sollten die Rheinland-Pfälzer schon mal die Eistruhe vollladen und sich seelisch auf schlaflose Nächte einstellen? Es wird von mehr als 40 Grad ab Mitte Juli gesprochen.

Andreas Friedrich: Also unsere Modelle beim Deutschen Wetterdienst (DWD) zeigen, man hat jetzt noch ein bisschen Zeit, erst ab Dienstag wird es über die 30 Grad gehen. Bis dahin ist es angenehm warm und in den Nächten kühlt es gut ab. Dann kommt aber ab Dienstag eine heiße Phase ....

Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst zu den Hitze-Prognosen für Mitte Juli in Rheinland-Pfalz (Foto: Pressestelle, DWD)
Andreas Friedrich hat die Wetterdaten auch für RLP im Blick. Pressestelle DWD

SWR Aktuell: .... ah, da kommen dann also die 40 Grad nach Rheinland-Pfalz, wie es ein US-Modell vorhersagt?

Friedrich: Nein, 40 Grad oder gar 40 plus X sind in unseren Modellen nicht in Sicht. Die Temperaturen gehen ab Dienstag über 30 Grad, mit Spitzen am kommenden Mittwoch und dann wohl am Wochenende. Das kann dann über 35 Grad gehen.

SWR Aktuell: Das US-Modell liefert also nicht wirklich zuverlässige Daten?

Friedrich: Vorhersagen über mehr als zehn Tage im Voraus - das ist Kaffeesatzleserei. Wir machen nur Vorhersagen für zehn Tage. Amerikanische Wetterdienste rechnen darüber hinaus in ihren Modellen weiter. Da kann man aber keine wissenschaftliche Vorhersage machen.

"Vorhersagen über zehn Tage hinaus - das ist wilde Spekulation, mit der man schöne Schlagzeilen erzielt"

SWR Aktuell: Weil?

Friedrich: Weil sich das dann von Tag zu Tag ändert. Die Vorhersagen sind so chaotisch und schwankend, dass man nix draus gewinnen kann. Alles was an Vorhersagen über die zehn Tage geht ist wilde Spekulation, mit der man schöne Schlagzeilen erzielt. Das zeigt sich, wenn man diese Vorhersagen im Nachhinein überprüft auf ihre Zuverlässigkeit. Da könnte man andere Klimawerte zur Prognose nutzen und hätte am Ende treffendere Prognosen.

SWR Aktuell: Keine 40 Grad, aber auch 35 Grad bringen die Menschen schon ins Schwitzen. Versprechen die Nächte denn Abkühlung?

Friedrich: Das kann Ende nächster Woche vor allem in den Ballungsgebieten - also im Rhein-Main-Gebiet und in den Städten entlang des Rheins - eher unentspannt werden. Da müssen wir mit tropischen Nächten rechnen, also mit Nachttemperaturen, die nicht mehr unter 20 Grad fallen.

SWR Aktuell: Von wo kommt die Hitze nach Rheinland-Pfalz?

Friedrich: Im Moment liegt das Hochdruckgebiet westlich von uns über dem Atlantik. Rheinland-Pfalz ist also genau die Einflugschneise. Am Montag wandert das über uns hinweg und sitzt dann in der zweiten Wochenhälfte von uns aus im Osten. Die Luft dreht sich in so einem Hochdruckgebiet im Uhrzeigersinn und wird dann warme, heiße Luft aus dem Mittelmeerraum zu uns schaufeln. Plus 12 bis 14 Sonnenstunden jeden Tag....

SWR Aktuell: ... da muss man sich einfach in die kühlere Jahreszeit träumen. Wie wird das Wetter an Weihnachten 2022?

Friedrich: Wir werden am 24. Dezember auf jeden Fall Schnee haben - auf der Zugspitze. Und für das Weihnachtswetter für Rheinland-Pfalz rufen Sie mich doch eine Woche vorher nochmal an.

SWR Aktuell: Diese Ansage gilt dann auch für das Wetter Mitte Juli?

Genau, Anfang kommender Woche werden die Modellergebnisse verlässlicher. Die Trefferquote bei den mittelfristigen Prognosen liegt bei 60 Prozent - da ist noch alles drin. Da kann auch noch ein Tief dazwischenfunken, dann haben wir am Montag eine ganz andere Prognose für Mitte Juli stehen. Meteorologie ist eben immer eine Wahrscheinlichkeitsaussage.

SWR Aktuell: Müssen wir im Schlepptau der 35 Grad hier in Rheinland-Pfalz mit Gewittern oder Starkregen rechnen? Die Flutkatastrophe im Ahrtal ist Mitte Juli genau ein Jahr her.

Friedrich: Momentan sieht es nicht nach einer Unwetterlage aus. Es ist eher trockene Luft, die reinkommt. Vereinzelte Schauer und Gewitter kann man in der zweiten Wochenhälfte nicht ausschließen. Aber nach unwetterartigen Ereignissen sieht es bislang nicht aus.

SWR Aktuell: Herr Friedrich, danke für das Gespräch - und bis zum 17. Dezember. Sie wissen schon, weiße Weihnachten...

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Andrea Lohmann