Zerstörtes Haus im Ahrtal nach der Flutkatastrophe (Foto: Sabine Bruckner)

ISB genehmigt Anträge

Erste Betroffene erhalten Geld aus Wiederaufbau-Fonds nach Flut

STAND

Die ersten 23 Anträge aus dem Wiederaufbau-Fonds wurden bewilligt, teilte die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) dem SWR mit. Darauf warten von der Flut Betroffene zum Teil seit Monaten.

Sabine Bruckner ist erleichtert, dass endlich etwas passiert. Ihr Haus im Stadtteil Ahrweiler wurde bei der Katastrophe schwer beschädigt. Ein Gutachter schätzt den Schaden auf 360.000 Euro. Deshalb beantragte sie Geld aus dem Wiederaufbau-Fonds.

Am 6. November teilte ihr die ISB mit, dass alle Unterlagen vollständig eingereicht seien. Seitdem sei nichts passiert, so Bruckner. "Wo bleibt die von den Politikern versprochene schnelle und unbürokratische Hilfe?", fragt Bruckner.

Frau steht mit einem Hochdruckreiniger vor ihrem zerstörten Haus (Foto: Sabine Bruckner)
Sabine Bruckner befreit ihr Haus in Ahrweiler mit einem Hochdruckreiniger vom Schlamm. Sabine Bruckner

Kommunikation mit ISB sei schwierig gewesen

Solange der Antrag nicht bewilligt und kein Geld geflossen ist, kann Sabine Bruckner keine Handwerker bestellen. Nachfragen bei der ISB blieben erfolglos. Die Kommunikation mit der Bank sei nur über ein Internet-Service-Portal möglich. "Es kamen nichtssagende oder verwirrende, widersprüchliche Aussagen", sagt Bruckner. Die Geschädigte fühlte sich hingehalten.

Und so gehe es vielen, die von der Flut betroffen sind, sagte die Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes, Eva Maria Welskop-Deffaa, bei einem Besuch im Ahrtal. "Der Wiederaufbau muss schneller gehen", forderte sie. Der Unmut der Geschädigten wachse.

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Christian Baldauf (CDU) kritisierte das langsame Vorgehen

Davon berichtete auch der Oppositionsführer im rheinland-pfälzischen Landtag, Christian Baldauf. "Ich habe Hinweise, dass noch kein einziger Antrag zur Regulierung von Schäden an Privatgebäuden bewilligt worden ist", sagte Baldauf am Donnerstag am Rand der CDU-Fraktions-Klausursitzung, die im Ahrtal stattfand. Die Regierung müsse dafür sorgen, dass die ISB schneller arbeite. "Dass es gar nicht vorwärts geht, belastet die Flutopfer sehr", sagte Baldauf.

ISB bewilligt die ersten 23 Anträge aus dem Wiederaufbau-Fonds

Am Donnerstag teilt die ISB mit, "die ersten 23 Anträge sind bewilligt". Zunächst würden 20 Prozent der bewilligten Summe ausgezahlt, so Vorstandssprecher Ulrich Dexheimer. Den Rest erhalten die Antragssteller den Angaben zufolge, wenn sie Abrechnungen von Handwerkern und Baufirmen vorlegen.

Und auch bei den übrigen Anträgen soll es jetzt ganz schnell gehen, versprach der Vorstandssprecher. "In den nächsten Tagen wird die ISB die Zahl der Bewilligungen stark erhöhen", so Dexheimer. Aber warum hat es so lange gedauert? "Das Bearbeiten der Anträge ist sehr komplex", so Dexheimer, "aber jetzt haben wir endlich die passende Software. Jetzt geht es schneller."

Bearbeiten von Anträgen bei Hausrat-Schäden gehen schneller

Laut ISB-Chef Ulrich Dexheimer sollen bisher 1.570 Anträge für die Erstattung von Schäden an privaten Wohngebäuden eingegangen sein und 175 für Firmengebäude. Davon sollen bei den Wohngebäuden derzeit 1.240 Anträge bearbeitet werden. Wesentlich schneller gehe das Bearbeiten der rund 8.000 Anträge zu den Schäden beim Hausrat. Hier wurden den Angaben zufolge bereits 5.400 bewilligt.

Der Antrag von Sabine Bruckner aus Ahrweiler soll Ende kommender Woche bewilligt werden. "Das ist eine große Erleichterung", sagte die Flutgeschädigte. "Endlich geht es vorwärts, endlich haben wir wieder eine Perspektive. Es ist sehr bedrückend und traurig, wenn man in einem kaputten Haus sitzt."

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SWR