Eine Drohenaufnahme vom beschädigten Bahnhof in Heimersheim (Foto: Pressestelle, Deutsche Bahn AG / Patrick Kuschfeld)

Viele Orte im Ahrtal schwer erreichbar

Ausmaß der Hochwasser-Schäden an Straßen, Brücken und Schienen noch unklar

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Auch sieben Tage nach der Unwetterkatastrophe hat das Land Rheinland-Pfalz keinen genauen Überblick darüber, wie viele Straßen und Brücken rund um das Ahrtal zerstört wurden.

Die Schadensaufnahme in den Hochwassergebieten in Rheinland-Pfalz ist inzwischen angelaufen. So geht es nicht nur um zerstörte Brücken, auch die noch stehenden Brücken müssen zum Beispiel auf ihre Standsicherheit überprüft werden. Laut Landesbetrieb Mobilität ist eine Übersicht derzeit immer noch nicht möglich. Ein erster Überblick ist eventuell Mitte der Woche zu erwarten. In Insul an der Ahr hat die Bundeswehr inzwischen mit schwerem Gerät eine Behelfsbrücke errichten können. Hier hatten die Flutmassen die Steinbrücke aus dem Mittelalter weggerissen.

Hohe Wasserstände machen Überprüfung unmöglich

Die rheinland-pfälzische Verkehrsministerin Daniela Schmitt (FDP) sagte, an manchen Stellen ließen die Wasserstände eine Überprüfung noch nicht zu. Alle fünf Brückenprüftrupps des Landesbetriebs Mobilität seien im Hochwassergebiet im Einsatz. Ein sechster Trupp werde kurzfristig zusammengestellt.

Beschäftigte des Landesbetriebs würden ihren Urlaub für die Einsätze unterbrechen oder verschieben. Außerdem seien alle Straßenmeistereien im Land in Sonderbereitschaft, um Straßen mit kleinen Schäden möglichst schnell wieder freigeben zu können. Das Land richtet sich darauf ein, Behelfsbrücken aufzubauen.

B9 gesperrt: Brücke bei Sinzig muss abgerissen werden

Die Brücke auf der Bundesstraße 9 bei Sinzig ist in Fahrtrichtung Koblenz eingestürzt. Eine Überprüfung hat ergeben, dass die gerade frisch sanierte Brücke abgerissen werden muss. Wie der Landesbetrieb Mobilität (LBM) mitteilt, wird der Brückenteil in Fahrtrichtung Bonn derzeit von Experten dauerhaft überwacht, um zu prüfen, ob sich das Bauwerk bewegt.

Auch die Fundamente unterhalb der Brückenpfeiler sollen geprüft werden. Das sei derzeit aufgrund des Wasserstands von Rhein und Ahr nicht möglich. Der Abriss und der Neubau der Brücke solle so schnell wie möglich erfolgen, da der Wiederaufbau von Straßen und Brücken oberste Priorität habe. Wann genau die Brücke wieder befahrbar ist, steht nach Auskunft des LBM aber derzeit noch nicht fest. Die Brücke ist aktuell in beide Fahrtrichtungen gesperrt.

Rheinland-Pfalz

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Die Orte Dernau, Marienthal und Rech im Kreis Ahrweiler sind nach Auskunft des Katastrophenschutzes des Landes noch immer nur eingeschränkt erreichbar. Auch am Dienstag würden noch Hubschrauber das Gebiet an der Ahr absuchen.

Viele zerstörte Bahngleise entlang der Ahr

Auch bei der Bahn gibt es noch kein umfassendes Lagebild. Das Unternehmen spricht derzeit von massiven Beschädigungen an mehr als 80 Stationen und Haltepunkten in den Hochwassergebieten in NRW und RLP. Gleise auf mehr als 600 Kilometern Länge seien in Mitleidenschaft gezogen worden. Hinzu kommen nach Angaben des Unternehmens Schäden an Weichen, Signaltechnik, Stellwerken, Brücken sowie Fahrzeugen.

Bäume und Geröll liegen auf den Gleisen der Ahrtalbahn in Dernau (Foto: SWR)
Die Ahrtalbahn wird lange nicht mehr fahren können.

An vielen Stellen müsse noch Wasser abfließen und im Anschluss Schlamm und Geröll abgetragen werden. Wo es möglich ist, laufen bereits die ersten Reparaturen. Seit vergangenen Mittwoch sind nach Angaben der Bahn rund 2.000 Mitarbeitende in den vom Unwetter betroffenen Regionen im Einsatz. Am Sonntag konnte beispielsweise die Verbindung von Bonn nach Koblenz auf der linken Rheinseite wieder aufgenommen werden. Seit Montag gibt es auch zwischen Bonn und Remagen wieder eine Verbindung(aktuelle Infos zum Fahrplan im Rheinland).

Bauwirtschaft: Wiederaufbau wird mehrere Jahre dauern

Nach Schätzung der deutschen Bauwirtschaft wird der Wiederaufbau nach den Hochwasserschäden mehrere Jahre dauern. "Nach der Elbflut 2002 hat es etwa drei Jahre gedauert, bis die größten Schäden behoben waren, und fünf Jahre, bis die betroffenen Gebiete wieder ordentlich aussahen", sagte Reinhardt Quast, Präsident des Zentralverbands des Deutsches Baugewerbes. Das Ausmaß der Schäden in Westdeutschland sei immens, aber noch nicht zu beziffern. Um den Wiederaufbau zerstörter Straßen und Brücken trotz hoch ausgelasteter Bauunternehmen und Materialengpässen zu stemmen, sei ein Kraftakt von Politik und Wirtschaft notwendig.

Task-Force des Bundes beschäftigt sich mit Wiederaufbau

Am Montag tagte im Bundesverkehrsministerium eine Task-Force, die sich mit der Verkehrslage in den Hochwasser-Katastrophengebieten beschäftigt. Wie ein Sprecher von Ressortchef Andreas Scheuer (CSU) mitteilte, soll in einem ersten Schritt das bereits bestehende Lagebild vervollständigt und konsolidiert werden.

Gleichzeitig solle, soweit bereits möglich, eine Schadensermittlung erfolgen, um die voraussichtlichen Kosten zu ermitteln und den Wiederaufbau der zerstörten und beschädigten Infrastrukturen umgehend in Gang zu setzen. Dazu werde in einzelnen Arbeitsgruppen für Straße, Schiene, Wasserstraße und digitale Infrastrukturen der weitere Handlungsbedarf ermittelt und priorisiert.

Bad Neuenahr-Ahrweiler

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SWR