zerstörter Heizkörper nach der Hochwasserkatastrophe in Dernau im Ahrtal (Foto: SWR)

Regenerative Energien statt Öl und Gas

Wiederaufbau im Ahrtal: Konzept für alternative Energieversorgung

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Wissenschaftler haben ein Konzept entworfen, wie das von der Flutkatastrophe getroffene Ahrtal zur Modellregion für umweltfreundliche Energieversorgung werden könnte. Doch wie realistisch ist das?

Auf den Hügeln drehen sich Windräder, im Tal glänzen Solaranlagen auf den Dächern, in den Kellern arbeiten Wärmepumpen. So könnte es im Ahrtal einmal aussehen, wenn es nach Professor Urban Weber von der Technischen Hochschule Bingen geht. Mit einem Team aus Wissenschaftlern hat er ein Konzept für die künftige Energieversorgung des Ahrtals entwickelt, das hier zum "SolAHRtal" wird.

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Auf diese zwei Bereiche käme es an

"Das ist einmal der Aufbau einer regenerativen Elektrizitätsversorgung. Das macht die Photovoltaik und die Windkraft. Da geht es jetzt um einen schnellen und bedeutenden Ausbau", sagt Weber.

Der zweite wichtige Aspekt sei die Wärmeversorgung auf erneuerbare Energien umzustellen. "Das ist ein etwas dickeres Brett, weil da natürlich die Versorger mit im Spiel sind, aber es geht natürlich darum, auf Erdgas und Erdöl zu verzichten", erklärt der Wissenschaftler.

Ahrtal als Modellregion für umweltfreundliche Energieversorgung?

Natürlich müsse der Wiederaufbau auf Nachhaltigkeit setzen, heißt es auch von der Stadtverwaltung Bad Neuenahr-Ahrweiler. In einer Stellungnahme erklärt die Stadt jedoch: "Solange viele tausend Menschen in der Stadt noch in der Unsicherheit leben, wie sie in den kommenden Wochen ihre Wohnungen beheizen können, kann der Fokus noch nicht auf langfristigen Konzepten für den Aufbau liegen."

Das weiß auch Wissenschaftler Weber, sieht aber schon jetzt Handlungsbedarf. "Ich glaube, den Leuten ist schon klar, dass wir nicht weitermachen können wie bisher. Dass die Klimakrise auch eine Ursache der Flutkatastrophe war. Und dass wir es den Menschen vor Ort auch nicht antun können, noch auf die alten Technologien zu setzen."

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Wie realistisch ist die Umsetzung?

Würden jetzt die richtigen Weichen gestellt, könne das Ziel 100 Prozent regenerative Energien im Ahrtal schon 2027 erreicht werden. Doch wie realistisch ist das?

Technisch sei das sicher machbar, sagt Werner Eckert, Leiter der SWR-Umweltredaktion, mit Blick auf die Berechnungen der Forscher.

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Allerdings brauche man dazu zehnmal so viele Solaranlagen wie zuletzt im Jahr gebaut worden sind sowie sechs bis zehn neue Windräder pro Jahr. Zudem müssten Speichertechnologien geschaffen werden.

Politik sollte Anreize schaffen

"Das ginge, aber das ist politisch ein dickes Brett, was man da bohren muss", so Eckert zu dem ambitionierten Konzept. Zudem könne man angesichts der Not, in der viele Menschen im Ahrtal gerade sind, nicht verlangen, dass diese nun an solche Dinge denken.

"Das muss die Politik denken und muss es ihnen schmackhaft machen - selbst wenn es nicht zu hundert Prozent umzusetzen ist", so der SWR-Umweltexperte.

Grundsanierung mit Zukunftsperspektive

Direkt umsetzbar seien jedoch viele kleine Sachen, die schon wichtig seien. "Zum Beispiel wenn jetzt Häuser grundsaniert werden müssen, dann sollte man keine Heizkörper mehr einbauen sondern Fußbodenheizung", erklärt Eckert.

Denn diese lassen sich später auf erneuerbare Energien umstellen - selbst wenn sie für den Übergang erst einmal noch mit Gas betrieben werden. Geschieht das nicht, müsste man hier in wenigen Jahren wieder anfangen.

Erst einmal über den Winter kommen

Derzeit geht es für viele von der Flutkatastrophe Betroffenen im Ahrtal jedoch erst einmal um eine Übergangslösung für den kommenden Winter. Dafür gibt es beispielsweise mobile Heizzentralen, die mit Diesel laufen. Andere Lösungen können Flüssiggastanks sein, die in die Region gebracht werden.

Doch oft scheitert die Wärmeversorgung noch an einem ganz grundlegenden Problem - dem Mangel an Heizungsbauern.

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