Ein Klappstuhl steht in einem Geröllhaufen (Foto: SWR)

Hochwasser im Ahrtal

Ahrbrück - zwischen Wiederaufbau und Neuanfang

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Zwei Wochen ist die Flutkatastrophe im Ahrtal mittlerweile her. Viele Menschen in Ahrbrück sind durch die Flut obdachlos geworden und stehen nur vor der Frage: Wiederaufbau oder Neuanfang?

Das Haus von Benjamin Kalbfuss steht nicht weit von der Ahr entfernt - als das Hochwasser kam, hatten er und seine Familie es bereits verlassen müssen. 48 Stunden später kamen sie zurück und mussten feststellen, dass der Fluss schwer gewütet hatte.

Benjamin Kalbfuss vor seinem Haus in Ahrbrück (Foto: SWR)
Benjamin Kalbfuss vor seinem Haus in Ahrbrück

Das Grundstück, der Keller - alles voller Schlamm, das gesamte Erdgeschoss überspült. "Wir haben nur noch Schlaf- und Kinderzimmer."

"Jetzt heißt es: Zähne zusammenbeißen und zusammenhalten."

Seit Tagen laufen die Aufräumarbeiten. Helfer gehen ein und aus, Unrat landet auf der Straße. Der Verputz der Wände muss abgeschlagen werden - eine laute und zeitraubende Arbeit. Aber Trocknungsgeräte sind Mangelware, wie Kabfuss berichtet. Trotz allem blickt er positiv nach vorne. "Jetzt heißt es: Zähne zusammenbeißen und zusammenhalten."

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Angst vor einem neuem Hochwasser in Ahrbrück

Arbeitskollegen haben ihm ein Schild geschenkt, auf dem er im Bob-der-Baumeister-Stil zu sehen ist und der Spruch: "Ahrbrück - wir schaffen das!". Das Haus aufzugeben war für Kalbfuss keine Option. Aber es gibt auch Menschen im Ort, denen der Fluss nicht mehr geheuer ist: "Allein der Gedanke, wenn es wieder anfängt zu regnen - es könnte wieder das Wasser kommen. Das hast du immer im Hinterkopf", berichtet eine Betroffene aus dem Ortsteil Brück, die plant, ihr Elternhaus aufzugeben.

Andere wiederum stehen gar nicht vor dieser Entscheidung, weil sie gar kein Haus mehr haben, das sie wieder in Ordnung bringen könnten. An die 20 Häuser mussten in Ahrbück bereits aus Sicherheitsgründen abgerissen werden, wie Ortsbürgermeister Walter Radermacher dem SWR berichtet - oftmals ohne, dass die Bewohner davon wussten.

Betroffene stehen in Ahrbrück ratlos vor Geröllhaufen

"Das ist für die Betroffenen mehr als traurig, wenn die zurückkommen und denken, sie könnten zurück in ihre Wohnung – und sie finden sie gar nicht mehr." Die Szenen, die sich im Ort abspielten, seien teilweise nur schwer zu ertragen: Menschen, die ratlos vor einem Geröllhaufen stehen und nicht wissen, wo sie in den nächsten Monaten leben sollen.

Zerstörte Häuser in Ahrbrück (Landkreis Ahrweiler) nach dem katastrophalen Hochwasser in Rheinland-Pfalz (Foto: SWR)
Zerstörte Häuser in Ahrbrück (Landkreis Ahrweiler) nach dem katastrophalen Hochwasser in Rheinland-Pfalz

Einige Grundstücke an der Ahr könnten nicht wieder bebaut werden, wie Radermacher erklärt. "Wir müssen das ganze Dorf neu denken. Wir müssen überlegen, wo lohnt sich noch die Infrastruktur, wo können wir uns eine Bebauung überhaupt leisten bei dieser Klimaentwicklung?" Es brauche neue, höher gelegene Flächen und Sicherheitsabstände zum Wasser.

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Auch wenn die Liste der Aufgaben gerade lang ist - Radermachers Ziel ist es, Ahrbrück wieder so aufzubauen, dass die Menschen sich wohlfühlen. "Viele sagen: Das Dorf ist kaputt – das kriegen wir nicht mehr hin. Ich sage das Gegenteil. Wir kriegen das besser hin, als es vorher war."

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