Ein Windrad mit abgerissenem Rotorblatt. Sturmtief Ignatz hatte das Rotorblatt der Windkraftanlage in Zilshausen im Hunsrück in Rheinland-Pfalz abgerissen. (Foto: Pressestelle, Polizeidirektion Mayen)

Ursache für Absturz von Rotorblatt noch unklar

Sturm zerstört Windrad im Hunsrück: Wie sicher sind Windkraftanlagen?

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Sturmtief "Ignatz" hat im Oktober eine Windkraftanlage in Zilshausen im Hunsrück zerstört. Die Ursache ist noch unklar. Doch wie sicher sind solche Anlagen überhaupt?

Durch den Sturm ist ein Rotorblatt der Windkraftanlage in Zilshausen abgerissen und in unzählige Teile zerbrochen. Es entstand ein Trümmerfeld im Umkreis von rund 150 Metern. Verletzt wurde dabei niemand. Wie der Bürgermeister der Gemeinde, Markus von Ostrowski, mitteilt, würden Mitarbeiter des Betreibers der Anlage derzeit vor Ort die Ursache untersuchen.

Das "Bündnis Energiewende für Mensch und Natur" mit Sitz im Hunsrück sieht den Vorfall in Zilshausen sehr kritisch. Er zeige, dass Windkraftanlagen nicht so sicher seien, wie immer behauptet werde. Zudem sei die Anlage in Zilshausen noch gar nicht lange in Betrieb gewesen.

Trümmerfeld rund um Windkraftanlage (Foto: Pressestelle, Polizeidirektion Mayen)
Das Rotorblatt wurde durch den Sturm von der Windkraftanalage abgerissen und zerbrach in unzählige Teile. Es entstand ein Trümmerfeld im Umkreis von rund 150 Metern um die Anlage herum. Pressestelle Polizeidirektion Mayen

Das Bündnis verweist im Zusammenhang mit dem Unfall auch auf die problematische Entsorgung hin: "Die Rotorblätter vieler Windkraftanlagen enthalten Carbonfasern, die als Sondermüll gelten und im Verdacht stehen, krebserregend zu sein", sagt Wolfgang Piroth, Sprecher des Bündnisses. Das "Bündnis Energiewende für Mensch und Natur" setzt sich seit Jahren kritisch mit der Windkraft auseinander und berät etwa Bürgerinitiativen.

Windkraftanlagen sollen grundsätzlich sicher sein

Windkraftanlagen sind nach Ansicht von Joachim Bühler, dem Geschäftsführer des TÜV-Verbands, "grundsätzlich sehr sichere Anlagen". Allerdings komme es immer wieder zu gravierenden Schäden.

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Er nennt als Beispiele abfallende Rotorblätter, oder auch Brände, wie etwa nach einem Blitzeinschlag. Sogar abknickende Türme seien schon vorgekommen. In Haltern (Nordrhein-Westfalen) ist vor Kurzem erst ein Windrad eingestürzt. Grundsätzlich sollten die Anlagen aber auch schwere Stürme überstehen können - dafür seien sie eigentlich ausgelegt, so Bühler.

Deutschlandweit 99 gravierende Schäden an Windrädern

Nach Auskunft der Energieagentur Rheinland-Pfalz unterliegen Windkraftanlagen hohen Sicherheitsanforderungen. Denn es müsse verhindert werden, dass Menschen durch solche Anlagen zu Schaden kommen. Aus der Schadensstatistik des Bundesverbands Windenergie geht hervor, dass es seit 2005 deutschlandweit mindestens 99 Vorfälle gab, bei denen schwerwiegende Schäden an Windkraftanlagen entstanden sind.

Dazu würden etwa Abstürze von Rotorblättern, Rotorteilen oder der gesamten Gondel zählen. Bei den genannten Vorfällen ist nach Angaben des Bundesverbands jedoch niemand verletzt worden. In Rheinland-Pfalz sind bisher acht Fälle bekannt. Im Land gibt es nach Auskunft der Energieagentur insgesamt 1.791 Anlagen (Stand: 2020).

Windkraftanlagen werden unterschiedlich geprüft

"Nach dem Jahr 2004 errichtete Anlagen müssen eigentlich alle zwei Jahre überprüft werden. Allerdings können die Betreiber diesen Zeitraum auf vier Jahre verlängern, wenn sie die Anlage regelmäßig warten", erklärt Bühler.

In der Praxis führe das dazu, dass die Sicherheit der Windräder nur alle vier Jahre von unabhängiger Seite überprüft werde. Für die vor 2003 errichteten Altanlagen gebe es bisher keine einheitliche Prüfpflicht. "Wir setzen uns dafür ein, dass die Sicherheit aller Anlagen alle zwei Jahren verpflichtend überprüft wird", so Bühler.

Windkraftanlagen können bei Feuer nicht gelöscht werden

Große und modernere Windkraftanlagen sind zum Teil bis zu 240 Meter hoch. Falls so eine Anlage brennt, kann die Feuerwehr sie nicht löschen. "Es ist richtig, dass man Windräder nur kontrolliert abbrennen lassen kann, da es keine Leitern bei der Feuerwehr für so hohe Anlagen gibt." Auch deshalb setzt sich der TÜV laut Bühler für bundeseinheitliche Regeln beim Brandschutz für alle Anlagen ein.

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