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Schulen und Kitas sind wegen zu hoher Corona-Fallzahlen vielerorts wieder geschlossen. Nach einem Jahr Corona wird es für viele Eltern immer schwerer, Arbeit, Kinderbetreuung und Privatleben zu vereinbaren. Zwei Familien aus den Kreisen Neuwied und Mayen-Koblenz berichten.

"Ich habe schon mehrere Male heulend in der Küche bei der Kaffeemaschine gestanden, weil einfach alles zu viel ist", sagt Josi Paganetti aus Vettelschoß im Kreis Neuwied. "Aber es hilft ja nichts. Wir müssen positiv bleiben, so gut es geht." Sie und ihr Mann Christian haben drei Kinder - zwei davon gehen in die Grundschule, eines wird bald zwei und geht in die Kita.

Doch jetzt, wo Schulen und Kitas im Kreis Neuwied wieder schließen müssen, heißt es für die berufstätigen Eltern mal wieder, die Arbeit im Homeoffice, Kinderbetreuung und Homeschooling irgendwie unter einen Hut zu bringen. "Ich fühle mich wie eine Artistin, wir jonglieren die Momente von einer Minute zur anderen", erzählt Josi Paganetti. "Nach einem Jahr Pandemie, in dem die Kinder immer wieder Fernunterricht hatten, haben wir die Abläufe gut optimiert." Das sei ein langer Prozess gewesen, der viele graue Haare gekostet und den ein oder anderen Streit mit sich gebracht habe.

Josi Paganetti muss ihre Kinder teilweise neben der Arbeit betreuen. (Foto: Josi Paganetti muss ihre Kinder teilweise neben der Arbeit betreuen.)
Josi Paganetti muss ihre Kinder teilweise neben der Arbeit betreuen. Josi Paganetti muss ihre Kinder teilweise neben der Arbeit betreuen.

Mehrbelastung liegt überwiegend bei Frauen

So wie Familie Paganetti geht es zahlreichen Familien in ganz Rheinland-Pfalz. Die Belastung in der Corona-Krise ist hoch. Laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung reduzieren vor allem Frauen ihre Arbeitszeit, um die Kinderbetreuung zu übernehmen, wenn Schulen oder Kitas kurzfristig schließen. Frauen empfänden die Situation als besonders belastend. Die Autoren der Studie bewerten das als einen Rückschlag für die Gleichstellung am Arbeitsmarkt.

Katharina Moser wollte eigentlich eine Weiterbildung machen. Wegen Corona haben jetzt aber erstmal ihre Kinder Vorrang. (Foto: privat)
Katharina Moser wollte eigentlich eine Weiterbildung machen. Wegen Corona haben jetzt aber erstmal ihre Kinder Vorrang. privat

Corona bremst persönliche Pläne aus

Auch bei Familie Moser aus Kalt im Kreis Mayen-Koblenz übernimmt Mutter Katharina den Großteil der zusätzlichen Aufgaben während der Pandemie. Die gelernte Krankenpflegerin hat sich bewusst entschieden, früh Kinder zu bekommen - um dann mit Anfang 30 wieder mehr Energie in die Arbeit stecken zu können. Jetzt ist sie 31, ihr ältestes Kind 10, ihr jüngstes eineinhalb Jahre alt. Für Katharina Moser wäre das der richtige Zeitpunkt, um sich nochmal weiterzubilden und eigene Wünsche zu verwirklichen. Doch die Pandemie bremst alle Pläne aus.  

"Zurzeit bin ich tatsächlich Hausfrau und Mutter", sagt Katharina Moser. "Ich mache das gerne, sonst hätte ich keine drei Kinder bekommen. Aber meine eigenen Pläne mussten in den letzten Monaten warten". Ab Mai macht Katharina Moser in Teilzeit eine Weiterbildung zur Palliativfachkraft. Doch weil sie sich auf die Instanzen Kita und Schule zurzeit nicht verlassen kann, geht das nur mit zusätzlicher Unterstützung durch die Oma der Kinder.

Christian Paganetti macht zu Hause Sport mit seinen Kindern. (Foto: privat)
Christian Paganetti macht zu Hause Sport mit seinen Kindern. privat

Auch positive Auswirkungen für Familien 

Doch tatsächlich bringen Pandemie, Lockdowns und Homeoffice neben Stress und Belastung auch Positives für so manche Familie mit sich. Weil Christian Paganetti während der Pandemie ausschließlich im Homeoffice arbeitet, hat er den Alltag seiner Kinder viel näher miterlebt. "Ich empfinde es aktuell als Bereicherung, meine Kinder über den Tag zu begleiten und mehr von dem Alltag der Familie zu erleben, in dem ich vorher nicht teil war", berichtet er.  

Diese Erfahrung spiegelt sich auch in einer Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung wieder. Demnach zeigt sich, dass sich die Väter seit März 2020 zeitlich deutlich stärker in der Familien- und Erziehungsarbeit engagieren als davor.

Trotz der starken Doppelbelastung aus Arbeit und Homeschooling finden sowohl die Paganettis als auch die Mosers die erneuten Schulschließungen richtig. Weil zurzeit auch verstärkt Menschen in ihrem Alter, also in den Dreißigern und Vierzigern an Covid-19 erkranken, hätte sie sich ein früheres Einschreiten der Politik gewünscht.

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