ILLUSTRATION - Eine Frau versucht, sich vor der Gewalt eines Mannes zu schützen (gestellte Szene). (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Maurizio Gambarini)

Opfer häuslicher Gewalt

"Ich habe ständig gezittert und fühlte mich ohnmächtig"

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AUTOR/IN
Christoph Bröder

Daniela (Name geändert) aus dem Kreis Altenkirchen ist mehr als eineinhalb Jahre von ihrem Ex-Freund geschlagen und bedroht worden. Geholfen habe ihr lange Zeit niemand, sagt sie.

Es ist der eine Tag, der Daniela nicht mehr aus dem Gedächtnis geht: Sie ist gerade bei einer Freundin, als ihr Ex-Freund sie durch die ganze Wohnung prügelt. Wenn der Hund nicht dabei gewesen wäre, hätte er sie vermutlich totgeschlagen, erzählt sie. In dem Moment habe sie einfach resigniert und gesagt: "Hau drauf, schlag mich jetzt tot, ich habe keinen Bock mehr."

"Schlag mich jetzt tot, ich habe keinen Bock mehr."

Ihre Freundin habe ihr schließlich geholfen und ihren Ex-Freund aus der Wohnung geworfen. Daniela fährt daraufhin ins Krankenhaus, weil sie Kopfverletzungen hat. Dort seien dann Fotos gemacht worden und die Polizei sei dazugekommen.

Angst vor neuen Beziehungen ist zu groß

Dieses und andere Erlebnisse haben die Frau aus dem Kreis Altenkirchen im Westerwald nach ihren Aussagen bis heute geprägt und verstört. Sie ist bei einem Psychotherapeuten in Behandlung und sie kann und will seit diesen Erlebnissen keine Beziehung mehr mit einem Mann eingehen. Dafür habe sie keine Kraft mehr, zu groß sei ihre Angst, sagt sie.

Messer zur Verteidigung neben dem Bett

Bis zu dem Tag, als sie ins Krankenhaus kam, hatte Daniela immer Angst, selbst zur Polizei zu gehen, erzählt sie. Aufgrund ihrer Vorstrafe habe sie gedacht, dass ihr sowieso niemand glauben würde. Also habe sie ausgeharrt.

Vor dem Schlafengehen habe sie sich immer ein Küchenbrett vor die Brust gebunden, um ihr Herz zu schützen. Ein Messer habe immer griffbereit neben ihrem Bett gelegen. So groß war ihr Angst, dass ihr Ex-Freund in ihre Wohnung eindringen und ihr etwas antun könnte.

"Ich war wütend auf mich, auf die Polizei und auf die ganze Situation."

Geholfen habe ihr lange Zeit niemand. "Ich habe während dieser Zeit abgenommen, ich habe ständig gezittert und war ohnmächtig. Ich war wütend auf mich, auf die Polizei und auf die ganze Situation." Sie sei auch wütend auf die Nachbarschaft gewesen, die zwar Hilfe zugesagt, am Ende aber trotzdem nichts unternommen habe, sagt sie

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Durch Anwalt kam einstweilige Verfügung

Irgendwann ist Daniela dann zu einem Anwalt gegangen, der ihr empfohlen wurde. Innerhalb weniger Tage sei eine einstweilige Verfügung gegen ihren damaligen Freund erlassen worden. Trotzdem habe er weiter an ihre Fenster und die Tür geklopft.

"Am besten nach dem ersten Schlag schon gehen."

Sie habe sich deshalb gewünscht, irgendwo sicher unterzukommen und Hilfe zu haben, sagt Daniela. Aber ein Frauenhaus etwa gibt es im Kreis Altenkirchen gar nicht. Ihr Rat an andere Frauen, die Gewalt in ihrer Beziehung erlebt haben, ist daher: "Auf jeden Fall darüber reden und beim ersten Schlag schon etwas unternehmen. Am besten nach dem ersten Schlag schon gehen.“

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