Felix Rossbach vor seinem 60 Quadratmeter-Haus in Daaden im Westerwald. (Foto: SWR)

Seit einem Jahr auf nur 65 Quadratmetern

So lebt es sich im Mini-Haus im Westerwald

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AUTOR/IN
Christoph Bröder

Bis ans Lebensende verschulden, um ein Einfamilienhaus zu bauen, das kam für Felix Rossbach aus Daaden nicht in Frage. Er lebt deshalb seit einem Jahr im eigenen Mini-Haus.

Wer heute ein Einfamilienhaus baut, ist schnell einige hunderttausend Euro los und muss meist einen Kredit dafür aufnehmen. Über Jahrzehnte müssen dann Schulden abbezahlt werden. "Das ist nicht mein Ding", hat sich Felix Rossbach aus Daaden im Westerwald gesagt und sich deshalb selbst ein kleines Haus mit rund 65 Quadratmetern am Waldrand gebaut - für 70.000 Euro. Dort lebt er jetzt bereits seit einem Jahr mit seiner Freundin und ihrem Hund.

Wenig Platz im Mini-Haus ist eine kleine Herausforderung

Wer durch Felix Rossbachs große Glasschiebetür ins Haus kommt, steht gleich mittendrin. Badezimmer, Couch, Küche, Esstisch - alles ist schon auf einen Blick zu sehen. Der 33-Jährige ist glücklich mit seinem kleinen Haus.

Eines ist ihm aber nach einem Jahr im Haus aufgefallen. "Vom Platz her ist es eine Herausforderung. Man kommt zurecht, es ist aber viel hin und her räumen. Sobald zehn Sachen im Raum liegen, sieht es unaufgeräumt aus“, sagt Felix Rossbach. Wenn Gäste kommen, muss er schon mal einiges in seinen Staufächern verschwinden lassen.

Ein Leben im „Aquarium“

Felix' kleines Haus hat an allen Seiten meter-hohe Fensterfronten. Seine Freunde nennen es daher scherzhaft "Aquarium“. Dass die Leute ihm von draußen beim Kaffeetrinken zuschauen können, macht dem Westerwälder nichts aus. "Aber man sieht natürlich den ein oder anderen Wanderer vorbeigehen und winken. Die haben dann auch schon mal Fragen zu der großen Fensterfläche", sagt der Westerwälder.

Bis auf die großen Fenster und die Küche hat Felix das Haus komplett selbst gebaut. Freunde haben ihn dabei unterstützt. Unter dem Haus sind zwei große Zisternen verbaut. Eine fürs Abwasser, die wird einmal im Jahr ausgepumpt. In der anderen sammelt und filtert Felix Regenwasser, was er für die Küche und das Bad nutzt. Er heizt mit einem Holzofen. Außerdem möchte er mithilfe von Fotovoltaik gerne noch seinen eigenen Strom erzeugen, um autark im Haus leben zu können.

Durch die großen Fensterfronten des Hauses kommt viel Licht herein und der Wohnraum wirkt viel größer. (Foto: SWR)
Durch die großen Fensterfronten des Hauses kommt viel Licht herein und der Wohnraum wirkt viel größer. Bild in Detailansicht öffnen
Das Schlafzimmer des kleinen Hauses liegt etwas versteckt um die Ecke, so dass man es nicht gleich sehen kann, wenn man ins Haus kommt. Bild in Detailansicht öffnen
Das Haus steht leicht im Hang und erstreckt sich daher auf drei Ebenen. Hier ist von außen der Blick ins kleine Badezimmer zu sehen. Auch eine kleine Sauna gehört dazu. Bild in Detailansicht öffnen
Hinterm Haus gibt es auch eine kleine Terrasse, die Felix Rossbach noch überdachen möchte. Bild in Detailansicht öffnen
Felix Rossbach beim Bau seines kleinen Hauses in Daaden im Westerwald. Er hat fast alles selbst gebaut. Bild in Detailansicht öffnen

Das kleine Haus im Westerwald ist bereits bezahlt

Wenn man selbst ein Haus baue, finde man erst ein oder zwei Jahre später raus, wie gut man gebaut habe, sagt Felix Rossbach. "Bisher ist kein Wasserfleck an der Decke oder auf dem Boden zu sehen. Es scheint also, dicht zu sein - und warm ist es auch", so der Westerwälder.

70.000 Euro hat Felix Rossbachs kleines Haus gekostet. Es ist bereits abbezahlt. Das Geld dafür hat er während seiner Zeit in Australien, wo er sechs Jahre lang gelebt hat, verdient und gespart. Ihm war wichtig, nicht jeden Monat Miete oder einen Kredit abbezahlen zu müssen. "Es gibt mir ein gutes Gefühl, nicht in diesem Laufrad zu sein, in dem sich unsere Gesellschaft befindet: Höher, schneller, besser, mehr", sagt der 33-Jährige.

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