Johannes Storch vom Biohof live2give in Dickendorf. (Foto: SWR)

Mehr Ernte mit innovativem Mulch-Anbau

Dieser Westerwälder Biohof ist der beste in Deutschland

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AUTOR/IN
Christoph Bröder

Der Biohof "live2give" in Dickendorf hat am Dienstag den Bundespreis für ökologischen Landbau erhalten. Die Jury lobte die vielen neuen Ideen des Westerwälder Betriebs.

Johannes Storch kniet auf einem Feld, mitten in jungen Zucchini-Pflanzen. Die Zucchinis wachsen jedoch nicht auf blanker Erde, sondern auf Mulch. Alle Gemüsefelder des Betriebs "live2give" sind mit einer acht Zentimeter dicken Mulchschicht bedeckt. Die besteht aus Heu und anderen Pflanzenresten und hat einige Vorteile, erklärt der 32-jährige Betriebsleiter des Biohofes aus Dickendorf im Westerwald: "Der Mulch unterdrückt Unkraut, ernährt die Gemüsepflanzen und erhöht den Humusgehalt im Boden."

Dank Mulch ein Viertel mehr Ertrag auf den Feldern in Dickendorf

Und das zahle sich aus, denn so erziele der Betrieb im Schnitt 25 Prozent mehr Ertrag, sagt Johannes Storch. Zudem sei der Boden voller Leben. "Wenn man in den Boden rein schaut, sieht man auf Anhieb mehrere Regenwürmer. Pro Quadratmeter sind das etwa 400", erklärt Johannes Storch. "Die lockern den Boden auf und durchlüften ihn. Das wiederum ist gut für die Gemüsepflanzen."

Die Ackerflächen des Biohofs sind mit einer acht Zentimeter dicken Mulchschicht bedeckt. (Foto: SWR)
Die Ackerflächen des Biohofs sind mit einer acht Zentimeter dicken Mulchschicht bedeckt.

Durch Mulch bleibt mehr Wasser im Boden

In normalen Jahren müssen die Gemüsepflanzen nicht bewässert werden, sagt Storch. Denn die Mulchschicht hält die Feuchtigkeit besser im Boden. Das zeigt sich auch gleich, als er den Mulch an einer Zucchini-Pflanze beiseite schiebt. Die Erde ist dunkel und feucht. Bei extremer Hitze, wie zum Teil in den vergangenen Sommern, müssten die Gemüsepflanzen bewässert werden.

Biohof in Dickendorf hat Maschinen selbst entwickelt

Weil der Mulchanbau jedoch noch nicht weit verbreitet ist, gab es dafür keine passenden Maschinen. Der Dickendorfer Biohof hat sie also kurzerhand selbst entwickelt und gebaut. "Wir haben eine Werkstatt, da haben wir Pflanz- und Sämaschinen entwickelt, die mit so einer Mulchdecke umgehen können", erklärt Storch.

Seit einigen Jahren produziert "live2give" auch Maschinen für andere Betriebe, die ebenfalls auf Mulchanbau umgestellt haben. Mehr als 30 haben sie bereits verkauft. Für diesen Pioniergeist und Innovationsreichtum wurde der Biobetrieb mit seinen 40 Mitarbeitern nun ausgezeichnet.

Das Gemüse von live2give gibt es gleich vor Ort im eigenen Hofladen zu kaufen. (Foto: SWR)
Das Gemüse von live2give gibt es gleich vor Ort im eigenen Hofladen zu kaufen.

Preis ist mit 7.500 Euro dotiert

Mit dem Bundespreis für ökologischen Landbau werden jedes Jahr drei innovative Biobetriebe in ganz Deutschland ausgezeichnet. Johannes Storch hat den Preis bei den Öko-Feldtagen im hessischen Villmar von Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) entgegengenommen. Er ist mit 7.500 Euro pro Sieger-Betrieb dotiert.

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Christoph Bröder