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Der Kampf gegen das Coronavirus schränkt das Leben auch im Norden von Rheinland-Pfalz immer weiter ein. Fast alle Freizeitaktivitäten fallen aus. Viele Menschen suchen jetzt Zuflucht in der Natur, etwa im Westerwald.

Kurz nach Sonnenaufgang scheinen im Wald an der Westerwälder Seenplatte die Nachrichten über das Virus noch weit weg zu sein: Keine Eilmeldungen über geschlossene Grenzen und Geschäfte trüben die Sonnenstrahlen, die sich ihren Weg durch die Baumkronen bahnen.

Am Wochenende waren jedoch mehr Menschen als sonst unterwegs, berichten Gastronome und Anwohner. Sie beobachten dies bereits seit mehreren Tagen. Die meisten Besucher sind Paare oder Familien und meiden größere Gruppen von Menschen. (Foto: SWR)
Ausflügler kommen im Moment vermehrt, um am See spazieren zu gehen.

Raus ins Freie hilft gegen Corona-Aufregung

Petra Feldbinder hat ihren Wohnwagen gleich am Waldrand aufgestellt und will ein paar Tage bleiben. Sie kommt aus Königswinter in Nordrhein-Westfalen, das vom Virus besonders betroffen ist. Jetzt sitzt sie im Liegestuhl auf der Wiese und genießt die Ruhe in die Natur. "Es tut einfach gut, draußen zu sein und dieser ganzen Aufregung ein Stück weit zu entkommen", sagt sie.

So wie Petra Feldbinder geht es vielen, die rund um die Seenplatte unterwegs sind, etwa Hans-Walter Schneider. Er wohnt gleich an einem der Seen in Steinen und geht wie jeden Morgen mit seinem Hund im Wald Gassi. Das ist eigentlich ein einsamer Spaziergang, aber seit es immer mehr Nachrichten über das Coronavirus gibt, kommen ihm hier ständig Menschen entgegen.

"Die Leute, die sonst in die Stadt gehen, rennen jetzt hier rum, vor allem Pärchen, viele auch mit Hund."

Hans-Werner Schneider

Hans-Walter Schneider von seinem Sohn Rene begleitet. Spaziergänge sind sonst eigentlich nicht so seine Sache – aber zu Hause fällt ihm sonst die Decke auf den Kopf, sagt Rene Schneider. Er hofft, dass er bald wieder als Zuschauer zu Fußballspielen fahren kann.

 Die meisten Autos kommen aus dem Norden von RLP. Aber auch aus NRW und Hessen sind Besucher dabei. (Foto: SWR)
Die Parkplätze sind voll rund um die Seenplatte.

Auch viele Auswärtige an der Westerwälder Seenplatte

Gegen Mittag haben sich die Wanderparkplätzte gefüllt. Die meisten Autos kommen aus dem Norden von Rheinland-Pfalz, aber auch Besucher aus Nordrhein-Westfalen und Hessen sind mit dabei. Viele von ihnen Eltern, die ihre Kinder nicht mehr in die Kita schicken können.

Coronaflüchtlinge sind mit dem Kinderwagen, dem Rad und zu Fuß unterwegs ... (Foto: SWR)
Bewegung an der frischen Luft stärkt das Immunsystem

Kein enger Kontakt zu den Besuchern

In einem kleinen Ausflugscafe gibt es Kaffee und Kuchen für die Gäste, die sich in die Natur flüchten. Sie sitzen weit auseinander. Engen Kontakt zu Fremden will hier niemand, erzählt Cafebesitzer Willi Schneider. Wie lange er sein Cafe noch offen halten kann, weiß er nicht. Und nach einem ruhigen, sonnigen Tag an der Westerwälder Seenplatte ist sie dann doch wieder da – die Aufregung rund um das Coronavirus und die Angst vor seinen Folgen.

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