Trockener Waldboden (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Gründe für die Hochwasser-Katastrophe

Warum trockene Wälder die Flutwelle im Ahrtal verschlimmert haben

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Warum hatte das Hochwasser der Ahr so fatale Folgen? Es klingt paradox: Aber ein Grund für die extreme Zerstörung der Dörfer könnte die Trockenheit der letzten Jahre sein.

Nach Ansicht von Lothar Kirschbauer von der Hochschule Koblenz sind die geringen Niederschläge in den vergangenen Jahre mit dafür verantwortlich, dass die Flutwelle das Ahrtal im Juli so schwer getroffen hat. Denn viele Bäume seien durch die warmen, trockenen Sommer so vertrocknet oder geschwächt gewesen, dass die Wassermassen leichtes Spiel gehabt hätten.

"Die Flut hat viele Bäume entwurzelt und Totholz mitgerissen, sodass Brücken verstopft wurden."

Vertrocknete Bäume von Wasser mitgerissen

"Die Flut hat viele Bäume entwurzelt und Totholz mitgerissen, sodass Brücken verstopft wurden", sagt Kirschbauer. Es seien immer wieder Dämme entstanden, die irgendwann brachen. Die Folgen seien regelrechte Flutwellen gewesen, die durch die Dörfern strömten. Zudem seien die Böschungen, aus denen die Bäume herausgerissen wurden, durch die Wassermassen besonders stark angegriffen worden.

Wald speichert nicht mehr genug Wasser

Ein weiteres Problem: Der Wald kann laut Experten seine Funktion als Wasserspeicher zurzeit nicht mehr richtig erfüllen. "Der Wald spielt generell eine wichtige Rolle als Wasserspeicher und fürs Wassermanagement. Durch die abgestorbenen Wälder und Kahlflächen ist das System jetzt natürlich gestört", erklärt Marcus Follmann. Der Förster im Revier Obererbach im Westerwald sagt, es sei jetzt wichtig, dass das Totholz auf den Flächen stehen und liegen bleibe, denn das Holz sauge Wasser auf wie ein Schwamm.

Ein ehemaliger Fichtenwald im Forstrevier Obererbach: Dort wurden tote Bäume als Erosionsschutz stehen gelassen. (Foto: SWR)
Ein ehemaliger Fichtenwald im Forstrevier Obererbach im Westerwald: Dort wurden tote Bäume als Erosionsschutz stehen gelassen.

"Je mehr auf solchen Fläche steht, desto besser ist das für den Wasserrückhalt", sagt Follmann. Dazu zählten neben Totholz auch junge Bäume oder Sträucher. Alles was wächst, diene dem Erosionsschutz und sorge dafür, dass das Wasser im Wald bleibt.

Forstmaschinen verdichten Böden

Kritisch zu sehen sei in diesem Zusammenhang auch der Einsatz von schweren Forstmaschinen im Wald, sagt der Förster. Mit den schweren Schleppern und Vollerntern lassen sich Bäume schnell fällen, zersägen und verladen. Das erleichtert zwar die Arbeit im Wald, aber die Maschinen verdichten auch die Böden und hinterlassen mitunter tiefe Fahrspuren im Wald.

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Auf einer ebenen Fläche sei das eher unkritisch. "Aber wenn ich in einem Steilhang bin, in dem viele Bäume abgestorben sind und unter dem Häuser oder Straßen sind, da sollte man möglichst nicht mit großen Maschinen fahren, weil das die Erosion fördern kann," sagt Follmann. Wenn Fahrspuren hangabwärts verlaufen, wirken sie bei Regen wie ein Kanal. Das Wasser rauscht dann teilweise mit hohen Geschwindigkeiten Richtung Tal.

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