Waldkauz wird abgebraust (Foto: Privat)

Vogel erfolgreich wieder ausgewildert

Waldkauz aus Schornstein in Hillscheid gerettet

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AUTOR/IN
Christina Nover
Autorin Christina Nover (Foto: SWR)

In Hillscheid im Westerwald ist ein Waldkauz in ein Kaminrohr gefallen. Der junge Vogel konnte gerettet und nach ein paar Tagen Erholung wieder ausgewildert werden.

Am Freitagabend erhielt Cathrin Böhm einen Anruf von einem Feuerwehrkameraden. Dessen Vater hatte ein komisches Geräusch in seinem Kamin gehört. Es stellte sich heraus, dass ein Waldkauz bei dem Mann zuhause im Kaminrohr festsaß. Alleine hätte es der Vogel dort nicht herausgeschafft, sagt Böhm. Zum Glück habe er sich bemerkbar gemacht: "Das war sehr schlau von ihm, anzuklopfen und beim Fernsehschauen zu stören."

Der Waldkauz kurz nach der Rettung aus dem Kaminrohr. Sein Gefieder ist komplett mit Ruß bedeckt.  (Foto: Privat)
Der Waldkauz kurz nach der Rettung aus dem Kaminrohr. Sein Gefieder ist komplett mit Ruß bedeckt. Privat

Werkzeug für Rettung des Waldkauzes selbst gebastelt

Die gelernte Tierpflegerin holte sich Hilfe von ihrem Bruder und gemeinsam starteten sie eine Rettungsaktion für den Vogel. Da die Feuerwehrleute kein Kaminkehrerwerkzeug auftreiben konnten, wurde improvisiert: "Wir haben uns aus einem beschwerten Blumentopf und einem Seil etwas gebastelt", berichtet Andreas Böhm.

Während die Männer von oben vorsichtig den Blumentopf durch das Rohr runterließen, um den Vogel nach unten zu schieben, wartete Cathrin Böhm an der Reinigungsklappe mit einem großen Handschuh. "Der Waldkauz ist mir dann in die Hände gerutscht", erzählt Böhm.

Waldkauz war komplett mit Ruß bedeckt

Der Vogel sei komplett mit Ruß bedeckt gewesen, habe sich aber trotz der ganzen Aufregung ruhig verhalten. "Ich glaube, er hat gemerkt, dass wir ihm helfen wollten", meint Andreas Böhm zu der erfolgreichen Rettungsaktion.

Nach seiner Rettung aus dem Kaminrohr wird der Waldkauz abgewaschen.  (Foto: Privat)
Nach seiner Rettung aus dem Kaminrohr wird der Waldkauz abgewaschen. Privat

Doch wohin mit dem Vogel? Die Tierretter kontaktierten mehrere Tierärzte, doch ohne Erfolg: "Wir haben niemanden gefunden, der bereit war, einen Wildvogel zu untersuchen", sagt Cathrin Böhm. Dank ihrer alten Kontakte zum Tierheim in Koblenz, brachten sie den Vogel zunächst dorthin.

"Wie Phönix aus der Asche."

Vogel im alten Revier wieder ausgewildert

Im Koblenzer Tierheim entschieden sie sich dann, den Vogel abzuwaschen, um die Giftstoffe aus dem Gefieder zu entfernen. "Er hat das alles relativ entspannt über sich ergehen lassen. Danach sah er aus wie Phönix aus der Asche", meint Böhm. Zunächst sei jedoch nicht klar gewesen, ob der Vogel die Rettungsaktion unbeschadet überstanden hat.

Der Waldkauz sitzt kurz vor seiner Freilassung in einem Karton.  (Foto: Privat)
Der Waldkauz sitzt kurz vor seiner Freilassung in einem Karton. Privat

Am Samstag wurde der Waldkauz deshalb von den Tierpflegern im Zoo Neuwied durchgecheckt. "Die haben eine Probeflug gemacht und es hat sich gezeigt, dass der Kauz topfit war." In einer speziellen Box konnte er sich dann noch eine Nacht von den Strapazen erholen, bevor er bereits am Sonntag wieder in seinem alten Revier in Hillscheid ausgewildert wurde. "Es war so schön, in wegfliegen zu sehen", sagt Böhm.

Schornsteine und Kaminrohre vor dem Winter säubern

Die Tierschützerin und Feuerwehrfrau betont im Zusammenhang mit der Rettungsaktion, wie wichtig es ist, Schornsteine und Kaminrohre vor dem Winter von einem Schornsteinfeger säubern zu lassen.

Tote Tiere oder Nester könnten im schlimmsten Fall Kaminbrände auslösen, weil Gase nicht richtig abziehen. Und wer es im Kamin rascheln hört, sollte überprüfen, ob sich dort ein Tier befindet - so könnten Leben gerettet werden.

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