Eine zerstörte Steinbrücke und unter der Brücke ist viel Land weggeschwemmt, ein Bagger fährt über das rohe Gelände, von der Ahr keine Spur zu sehen (Foto: SWR)

Das Ahrtal nach vier Monaten

Flutkatastrophe: Reimerzhoven ringt um Alltag

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Am Donnerstag lobte der Landtag die Fortschritte beim Wiederaufbau des Ahrtals. Tatsächlich geht es voran. Aber von Normalität sind die Menschen weit entfernt. Beispiel Reimerzhoven.

Das, was immer den Liebreiz des kleinen Ortes Reimerzhoven in der Verbandsgemeinde Altenahr ausgemacht hat, wurde ihm am 14. Juli zum Verhängnis. Eng und schmal ist das Tal, das Wasser der Ahr bohrte sich regelrecht seinen Weg durch den Ort und hinterließ eine Schneise der Verwüstung. Gleich mehrere Brücken wurden zerstört: für Autos, für die Bahn, für Fußgänger und für Radfahrer.

Die Straße zwischen Reimerzhoven und Altenahr ist weg. Stattdessen eine große Baustelle und ein Haus steht bedrohlich an einem Abhang. (Foto: SWR)
Dieser Blick auf den Tunnel ging um die Welt - die Flutwelle hatte einen riesigen Krater hinterlassen - bis dieser wichtige Abschnitt in der Infrastruktur des Ahrtals wieder hergestellt sein wird, wird es noch lange dauern.

Und was sich hinter dem Tunnel an der Straße auftat, war kein Loch, sondern ein riesengroßer Krater, in dem mehrere Häuser Platz gehabt hätten. Und Heizungen, Wasser, Strom? Die Grundversorgung mit einem Mal zerstört. Was ist seitdem geschehen?

Abkochgebot nur noch für Reimerzhoven

Ein provisorischer Wassertank für die Menschen in Reimerzhoven (Foto: SWR)
Die Anwohner beiziehen ihr Frischwasser zurzeit noch aus Tanks, die Behälter werden alle zwei Tage aufgefüllt.

Noch vier Monate nach der Flut muss Reimerzhoven alle zwei Tage mit frischem Wasser versorgt werden. Im Moment nutzen die Menschen eine selbst gebaute Unterverteilung mit einem Wassertank. Die neue Wasserleitung von Mayschoß über Laach nach Reimerzhoven soll voraussichtlich bis Ende November fertig sein.

An der Ahr müssen viele Rohre neu verlegt werden. Hier an der Baustelle im Mayschosser Ortsteil Laach soll die neue Abwasserleitung entstehen.  (Foto: SWR)
An der Ahr müssen viele Rohre neu verlegt werden. Hier an der Baustelle im Mayschosser Ortsteil Laach soll eine neue Wasser- und Gasleitung entstehen.

Arbeiten von zuhause aus für Anwohner wieder möglich

Strom, ein Internetzugang und ein Telefon: Menschen, deren Haus bewohnbar ist, können wieder überwiegend im Homeoffice arbeiten. Auch wenn die Lösungen nicht alle ideal sind.

Wohnkonzepte gibt es – die Umsetzung für alle wird noch dauern

Wo es möglich ist, wohnen die Menschen in ihren Häusern. Ein Großteil der Anwohner hat Ersatzwohnungen gefunden, auf die sie im Moment ausweichen können. Das bedeutet aber nicht nur zusätzliche Mietkosten, sondern zum Teil auch oft große Entfernungen bis ins Ahrtal, um sich dort um sein Eigenheim zu kümmern. Konzepte wie die Tiny-Häuser sollen aber auch für Altenahr bald realisiert werden.

Verwaltung steht vor riesiger Aufgabe

Auch wenn möglichst schnell aufgebaut werden soll, besteht ein riesiger Aufwand beim Bearbeiten der Anträge. Das Rathaus der Verbandsgemeindeverwaltung ist im Erd- und Untergeschoss noch zerstört. Hier ist an Arbeiten noch nicht zu denken, auch weil die Schwere der Ölbelastung noch geprüft werden muss. Das Gebäude aufgeben möchte die Verwaltung nicht. Als historisches Gebäude soll es - sofern möglich - erhalten bleiben.

Der Eingang zu einer Gemeindeverwaltung ist mit Brettern verschlossen. (Foto: SWR)
Auch die Verwaltung in Altenahr hat es schwer getroffen.

Straßen und Brücken werden erst nach und nach entstehen

Die Straßenverbindung zwischen Reimerzhoven und Altenahr ist vollständig zerstört. Eine Strecke, die mit dem Auto normalerweise in fünf Minuten zu bewältigen wäre, nimmt nun rund 30 Minuten in Anspruch. Die einzige feste Straßenverbindung führt über die Ortsgemeinde Esch.

Tourismus muss wiederkommen

Auf der Südseite der Ahr, gegenüber von Reimerzhoven, verlief ein idyllischer Fahrrad- und Wanderweg. Seit der Flut kann dieser nicht mehr genutzt werden. Als Weinregion mit naturnahen Strecken gleich an der Ahr und malerischen Bergen ist der Tourismus ein wichtiges Standbein der Region.

Eine ehemalige Fahrradbrücke bei Reimerzhoven, die noch völlig zerstört halb in der Luft über der Ahr hängt. (Foto: SWR)
An Fahrradtourismus ist hier noch lange nicht zu denken. Brücken sollen zwar wiederaufgebaut werden, doch klare Pläne fehlen noch.

Anschluss an Ahrtalbahn wird noch dauern

Seit vergangenem Montag fährt die Ahrtalbahn wieder zwischen Remagen und Ahrweiler. Bis die Bahn wieder tiefer in das Ahrtal führt, wird es allerdings noch Jahre brauchen.

Ein Bahntunnel, vor dem Treibholz und Geröll liegen (Foto: SWR)
Bis die Bahn wieder auf diesem Streckenabschnitt der mittleren Ahr fahren kann, wird es noch einige Jahre dauern.
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SWR