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Die Corona-Krise ist für viele eine große Belastung. Bei der Telefonseelsorge Mittelrhein rufen deshalb deutlich mehr Menschen an. Jeden Tag sind es allein in Koblenz etwa 40 Gespräche.

Wenn es klingelt, weiß Anne Schmidt nie, was sie erwartet. Schon seit 18 Jahren arbeitet sie ehrenamtlich für die Telefonseelsorge in Koblenz. Doch die Probleme, mit denen sich die Anrufer aktuell bei ihr melden, sind auch für sie ungewohnt - trotz jahrelanger Erfahrung.

Viele Sorgen rund um Weihnachten

Vor allem rund um Weihnachten sei die Unsicherheit groß, sagt Schmidt. "Meistens machen sich die Töchter Gedanken: 'Was machen wir mit der alten Mutter? Wie können wir sie schützen? Darf ich ins Altenheim oder ins Krankenhaus?'" Diese Sorgen seien im Moment ganz real, erzählt Schmidt.

Während des ersten Lockdowns im Frühjahr gingen etwa 20 Prozent mehr Anrufe bei der Telefonseelsorge in Koblenz ein. Im Sommer dann, als die Fallzahlen zurückgingen, normalisierte sich die Zahl der Anrufe bei der Koblenzer Telefonseelsorge wieder. Aktuell melden sich aber erneut mehr Menschen.

"Die Hoffnung ist der Impfstoff"

Der Umgang mit der Pandemie sei inzwischen aber ein anderer, sagt Anne Schmidt: "Ich habe den Eindruck, dass während des ersten Corona-Lockdowns mehr Ängste da waren. Und jetzt fragen sich viele wie langes es noch dauert. Die große Hoffnung ist der Impfstoff." Viele hoffen auf ein baldiges Ende der Pandemie, damit sie wieder das Leben genießen könnten, sagt Schmidt.

Meistens seien es Frauen, die bei der Telefonseelsorge anrufen. Aber auch Männer riefen an, um sich ihre Sorgen von der Seele zu reden, so Schmidt. Jugendliche hingegen würden sich mittlerweile eher per E-Mail melden.

Die meisten Anrufer sind einsam

Ganz unabhängig von den Problemen, die Corona mit sich bringt, ist gerade jetzt in der Weihnachtszeit die Einsamkeit das größte Problem der Anrufer. "Das ist oft der Hauptanlass bei uns anzurufen, weil die Anrufer niemanden haben, mit dem sie reden können. Das sind wir fast so ein Familienersatz", erklärt Anne Schmidt.

Was nach den Telefonaten passiert, erfährt Anne Schmidt nicht. Schade, findet sie das. Die Arbeit mache sie aber demütig und dankbar. Und deshalb freut sie sich auch an den Feiertagen wieder im Einsatz zu sein und ein Ohr für die Anrufer der Telefonseelsorge zu haben.

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