Aktionstag der Verbraucherzentrale Koblenz

Das können Sie bei einer hoher Stromrechnung tun

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Nada Fiebes
Bild von Autorin Nada Fiebes aus dem SWR Aktuell Studio Koblenz unterwegs als Reporterin in Bad Neuenahr-Ahrweiler. (Foto: SWR)

Die Energiepreise steigen immer weiter: Das zeigt sich auch bei der Verbraucherzentrale in Koblenz: Viele Menschen suchen Hilfe wegen hoher Stromrechnungen oder gekündigten Verträgen.

Beim Blick in den Briefkasten gab es in den letzten Wochen und Monaten für viele Menschen in der Region eine böse Überraschung. Denn die Energiepreise sind deutlich gestiegen. Viele Energieversorger haben entsprechend die Preise erhöht oder sogar die Verträge ihrer Kunden gekündigt. Die Begründung ist oft: Die Energieversorger können wegen der gestiegenen Kosten nicht mehr liefern. Diese Begründung reiche allein aber nicht für die Kündigung aus, sagt Antje Kahlheber, Projektleiterin der Energiekostenberatung bei der Verbraucherzentrale in Koblenz.

Verbraucherzentrale Koblenz: Oft komplizierte Einzelfälle

Vielen Kunden passiere aktuell aber genau das. So auch Gerhard Rupp aus Neuwied. Er hatte sich im letzten Jahr noch bemüht, einen Vertrag bei einem Energieversorger abzuschließen, der ihm eine Preisgarantie gibt. Über Vergleichsportale im Internet hatte er auch einen neuen Anbieter gefunden und ein Angebot angefordert. Der neue Anbieter kündigte danach zwar im Namen von Gerhard Rupp den bestehenden Vertrag mit dem alten Anbieter, meldete sich dann aber nicht mehr, erzählt der Neuwieder.

Seit der Kündigung bekommt Gerhard Rupp sein Gas von den Neuwieder Stadtwerken, er ist automatisch in die viel teurere Grundversorgung gerutscht. Dabei sei er sogar noch mit einem blauen Auge davongekommen, denn er wurde als Bestandskunde eingestuft, nicht als Neukunde, erklärt Max Müller, Energieexperte bei der Beratungsstelle in Koblenz.

Kritik an unterschiedlicher Behandlung der Strom- und Gaskunden

Die Verbraucherzentrale kritisiert die Unterteilung in Neu- und Bestandskunden scharf, denn diese bedeutet einen sehr deutlichen Unterschied im Hinblick auf die Kosten. So würden Bestandskunden der Stadtwerke Neuwied seit diesem Jahr im Schnitt pro Kilowattstunde einen Gaspreis von rund acht Cent zahlen. Für Neukunden hätten dagegen im Dezember noch rund 36 Cent gezahlt. Im Januar seien die Stadtwerke dann aber zurück gerudert, so die Verbraucherzentrale. Jetzt würden Neukunden nur noch 16 Cent bezahlen.

Verbraucherzentrale fordert die Politik zum Handeln auf

Seit die Energiepreise so stark angezogen haben, müssen die Berater der Verbraucherzentrale Koblenz immer mehr Anfragen beantworten, berichtet Johannes Herold, Energiekostenberater der Beratungsstelle in Koblenz. In manchen Fällen würde es auch ihm den Atem verschlagen - etwa der Fall einer Familie, die plötzlich das Dreifache als bislang für Strom und Gas zahlen sollte. Menschen mit wenig Geld, müssten dann sogar bei den Lebensmitteln sparen, um das zahlen zu können - oder sich verschulden.

"In den Beratungen geht es um Preissteigerungen von bis zu 300 Prozent, die viele Familien oder Empfänger von Hilfeleistungen oft nicht zahlen können."

Die Berater gehen davon aus, dass die Lage zum Sommer noch schlimmer wird. Antje Kahlheber rechnet mit einer regelrechten Sperrwelle der Energieversorger, denn viele Menschen würden auch oft erst zur Beratung kommen, wenn es eigentlich bereits zu spät sei.

Die Verbraucherzentrale in Rheinland-Pfalz fordert von der Politik unter anderem, dass die Energieanbieter von den Kartellbehörden kontrolliert werden. Sie müssten ihre Zahlen offen legen, damit überprüft werden könne, ob hier ein Missbrauch vorliegt. Vor allem bei der Grundversorgung gelte: Diese Versorgung durch kommunale Anbieter sei eine grundlegende Notwendigkeit, damit niemand ohne Strom und Gas dasteht. Aber selbst hier sei der Preis deutlich gestiegen.

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Der wichtigste Tipp ist, sich Hilfe zu suchen, bevor es zu spät ist und einem die Kosten über den Kopf wachsen oder einem der Strom abgestellt wird. Antje Kahlheber rät, sich etwa vor Ort bei einer Beratungsstelle der Verbraucherzentrale Hilfe zu holen. Die Energieberatung bei den Beratungsstellen ist kostenlos, da sie vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gefördert wird.

Energieexperte Max Müller rät allen Betroffenen zudem, sich zu beschweren. Am besten per Einschreiben, damit die Beschwerde auch belegbar ist. Als nächsten Schritt empfiehlt er den Weg über die Schlichtungsstelle Energie zu gehen. Diese kümmert sich als neutrale Stelle um Streitigkeiten zwischen Energieversorgern und Verbrauchern, wenn das Problem nicht nach einer Beschwerde gelöst werden kann.

Gerhard Rupp will Schlichtungsverfahren einleiten

Erfahrungsgemäß würden Versorger bei einem laufenden Schlichtungsverfahren deutlich schneller auf die Belange der Verbraucher eingehen, so Max Müller. Die Kosten für das Verfahren lägen allein bei den Versorgern.

Für Gerhard Rupp ist klar: Er wird nach dem Gespräch mit den Experten der Verbraucherzentrale in Koblenz ein Schlichtungsverfahren einleiten. Eine Verbraucherbeschwerde hat er bereits eingereicht. Er hofft, dass er so zu seinem alten Anbieter zurück kann, oder zumindest einen Schadensausgleich von dem abgesprungenen Anbieter erhält.

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