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Weil sie Treibjagden auf ihren Grundstücken aus ethischen Gründen ablehnen, haben zwei Vegetarier dagegen geklagt. Das Verwaltungsgericht Koblenz gab ihnen nun Recht.

Das Ehepaar, das geklagt hatte, besitzt nach Angaben des Koblenzer Gerichts im Norden von Rheinland-Pfalz mehrere Grundstücksflächen, unter anderem mit Streuobstwiesen, die sie pflegen. Bei der für diesen Jagdbezirk zuständigen Kreisverwaltung hatten die beiden Vegetarier zunächst erfolglos beantragt, das Jagen auf ihren Grundstücken aus Gewissensgründen zu verbieten.

Weil die Kreisverwaltung ihren Antrag ablehnte, klagten die Grundstücksbesitzer, die nach eigener Aussage seit 1986 Vegetarier sind, vor dem Koblenzer Verwaltungsgericht und bekamen Recht.

Warnschild vor Treibjagd - Vegetarier haben vor dem Verwaltungsgericht Koblenz erfolgreich gegen Treibjagden auf ihren Grundstücken geklagt (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Friso Gentsch)
Normalerweise ist die flächendeckende Bejagung aller zum Jagdbezirk gehörenden Flächen erlaubt. picture alliance/dpa | Friso Gentsch

Verwaltungsgericht Koblenz: Bundesjagdgesetz sieht Ausnahme vor

Die Kläger hätten ihre vegetarische Lebensweise und ihre ethischen Gründe und Argumente gegen die Jagd von Tieren glaubhaft dargelegt und das Gericht davon überzeugt, dass sie Treibjagden aus Gewissensgründen ablehnten, heißt es in der Begründung des Gerichts (Hier gibt es das Urteil im Wortlaut: Aktenzeichen 1 K 251/20.KO).

Das Bundesjagdgesetz erlaube zwar normalerweise die flächendeckende Bejagung aller zu einem Jagdbezirk gehörenden Grundflächen, weil die Tiere nicht vor Grundstücksgrenzen Halt machten. Es seien aber Ausnahmen möglich, wenn die Jagd - wie in diesem Fall - glaubhaft aus ethischen Gründen abgelehnt werde. Deshalb hätten die Kläger ein Recht darauf, dass ihre Grundstücke für jagdrechtlich befriedet erklärt werden.

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Gericht sieht keine Gefahr von hohen Wildschäden

Nach Ansicht des Verwaltungsgericht gibt es demnach keinen Grund, warum den Klägern dieses Recht verwehrt werden sollte. Denn eine Jagd sei in dem Jagdbezirk weiterhin möglich.

Der Bezirk sei zudem nicht konkret von der Schweinepest betroffen und es drohten auch keine übermäßigen Wildschäden, wenn auf den Grundstücken der Vegetarier nicht mehr gejagt werden dürfe. Gegen die Entscheidung des Gerichts kann vor dem Oberverwaltungsgericht die Zulassung einer Berufung beantragt werden.

Landesjagdverband sieht Urteil gelassen

Der Landesjagdverband Rheinland-Pfalz reagierte gelassen auf das Urteil. "Dass Grundstückseigentümer eine Befriedung durchsetzen, kommt nur sehr selten vor und hat auch Nachteile für den Grundstückseigentümer", sagte Verbandssprecher Günther Klein dem SWR.

Weitere Anträge auf Befriedung oder Klagen von Grundstückseigentümern erwartet er nicht. Schließlich müsse ein Jäger, der ein Revier pachtet, auch für Schäden durch Wildtiere aufkommen. "Wenn zum Beispiel Wildschweine eine Streuobstwiese verwüsten, muss der Jagdpächter und nicht der Grundstückseigentümer für den Schaden aufkommen", so Klein.

Für Jäger sei es natürlich ein Nachteil, ein befriedetes Grundstück nicht betreten zu dürfen und ihre Jagd dann abbrechen zu müssen. Die Jagd ist laut Verbandssprecher Klein grundsätzlich wichtig, etwa um Tierseuchen zu verhindern oder bedrohte Tierarten zu schützen.

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