Untersuchungsausschuss besucht Schuld im Ahrtal (Foto: SWR)

Ausschussmitglieder und ein Geologe im Hochwassergebiet

U-Ausschuss im Ahrtal: Starkregen und Steilhänge fatale Kombination

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Bei der Flut im Ahrtal konnten die Wassermassen aufgrund der Geologie leicht ins enge Tal schießen. Das hat ein Geologe dem Untersuchungsausschuss bei einem Ortstermin erklärt. Er war der Auftakt zur öffentlichen Beweisaufnahme.

Die Mitglieder des Untersuchungsausschusses zur Flutkatastrophe im Ahrtal informierten sich am Montag über die Situation vor Ort und machten sich einen Eindruck von der geologischen Beschaffenheit. Die erste Station für die Abgeordneten war die Ortschaft Schuld, die stark vom Hochwasser betroffen war. Danach waren die Abgeordneten in Hönningen, Altenahr und Dernau sowie in Bad Neuenahr-Ahrweiler und Sinzig. Dort waren zwölf Bewohner eines Behindertenwohnheims ums Leben gekommen.

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Geologie an der Ahr ist das Hauptthema des Termins

Bei dem Termin im Ahrtal ging es unter anderem darum, was genau zur Jahrhundertflut geführt hat, ob Bodenerosion oder Uferbebauung die Flut verstärkt haben - und welche Rolle Nadelbäume spielen, die zu wenig Wasser aufnehmen. Als Sachverständiger hatte Georg Wieber, Präsident des Amtes für Bergbau und Geologie, die Ausschussmitglieder begleitet.

Geologe: Wasser schoss an steilen Felsen hinab ins Ahrtal

Wieber erklärte den Ausschussmitgliedern in Schuld, dass der Boden im Ahrtal nur wenig Wasser aufnehmen könne. Das liege vor allem an der Beschaffenheit des Bodens. Die feinkörnige Struktur lasse das Wasser schlecht versickern, erklärte Wieber. Bei Starkregen komme es so zu Überflutungen, wie es beispielsweise in der Flutnacht in Schuld passierte.

In Hönningen schoss das Wasser einen Waldhang hinunter. Dadurch seien große Muren entstanden, die riesige Schlammmengen in den Ort brachten. Viele hundert solcher Muren seien im Ahrtal durch die Flut entstanden, so Wieber. Auch an den steilen Schieferfelsen im engen Tal sei das Wasser sehr schnell heruntergekommen. Das Gestein könne nur wenig Wasser aufnehmen - das sei bei dem Starkregen im Juli ein Problem gewesen.

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U-Ausschuss zufrieden mit Vor-Ort-Besuch

Vorab hat der Geologe den Ausschussmitgliedern bereits ein Gutachten zukommen lassen. Der Ausschussvorsitzende Martin Haller (SPD) sagte nach dem Vor-Ort-Besuch, die Abgeordneten seien zufrieden. Es sei wichtig, dass nun alle eine gemeinsame Grundlage hätten, auf der der Ausschuss seine weiteren Bewertungen treffen könne. Wichtig sei auch die wissenschaftliche Einordnung gewesen, was Geographie und Topographie angehe.

CDU-Obmann Gordon Schnieder hatte vorab noch einmal betont, es gehe auch darum, politische Verantwortlichkeiten für womöglich zu späte Warnungen in der Flutnacht zu klären. Mit Blick auf die Todesopfer fragte Schnieder: "Hätte man das verhindern können? Das ist die Frage."

Bei der Sturzflut waren 134 Menschen getötet und mehr als 700 verletzt worden. Tausende Häuser im Ahrtal wurden beschädigt oder ganz zerstört.

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Beweisaufnahme vor Ort statt Akteneinsicht im Büro

Der U-Ausschuss soll klären, ob es bei der Flut im Ahrtal Versäumnisse gab und wer dafür verantwortlich ist. Er hat bisher drei Mal nicht-öffentlich getagt. Dabei wurden vor allem organisatorische Dinge geklärt und Akten gesichtet. Mit dem Vor-Ort-Termin am Montag wurde es quasi ernst, denn er war der Start für die öffentliche Beweisaufnahme.

Der SPD-Obmann im Ausschuss, Nico Steinbach, bezeichnet den Termin als Start, bei dem man sich nicht nur mit Akten beschäftige, sondern auch mit Betroffenen in der Region und so ein Gefühl für die Katastrophe bekomme. Auch die CDU-Opposition, die den Untersuchungsausschuss beantragt hatte, hielt es für sinnvoll, sich vor Ort zu informieren.

Hätte früher vor der Flut gewarnt werden können?

Im Januar tagt der Ausschuss wieder im Landtag, dann werden die Unwetterwarnungen vor der Flutkatastrophe Thema sein. Es sollen unter anderem Meteorologen angehört werden. Die zentrale Frage ist – hätte früher gewarnt werden können? Wäre die hohe Zahl von 134 Toten im Ahrtal vermeidbar gewesen?

Die Opposition wittert politische Brisanz vor allem, wenn es um die Rolle von Innenminister Roger Lewentz (SPD) und der damaligen Umweltministerin Anne Spiegel (Bündnis 90/Die Grünen) geht. Spiegel ist gerade erst als Bundesfamilienministerin nach Berlin gewechselt. Im Juli war sie aber noch als Umweltministerin für den Hochwassermeldedienst in Rheinland-Pfalz zuständig. Innenminister Lewentz war am Abend der Katastrophe kurz in der Einsatzleitung des Kreises Ahrweiler, fuhr dann aber wieder nach Hause.

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Im neuen Jahr wird die Arbeit des Ausschusses an Fahrt aufnehmen, in der Regel sind wöchentliche Sitzung geplant. Wann der Untersuchungsausschuss seinen Abschlussbericht vorlegen wird, ist noch offen.

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