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Das Foto ging um die Welt, als Bundeskanzler Willy Brandt in Warschau vor dem Mahnmal für die Opfer des Aufstands im jüdischen Ghetto auf die Knie ging. Daran hat das Museum in Unkel am Sonntag mit einer Feststunde erinnert.

Am Montag jährt sich der "Kniefall von Warschau" zum 50. Mal. Das Jubiläum würdigte die Bürgerstiftung Unkel Willy-Brandt-Forum am Sonntag mit einer Feststunde. Wegen der Corona-Pandemie musste sie virtuell stattfinden und wurde im Internet übertragen. Neben der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) kam auch Donald Tusk zu Wort. Der frühere polnische Ministerpräsident und Präsident der Europäischen Volksparteien hielt die Festrede.

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In einer Videobotschaft rief er Europas Politiker dazu auf, sich auch heute noch ein Beispiel an dieser historischen Geste zu nehmen. Tusk erinnerte daran, dass Brandt das Zustandekommen seines Kniefalls einmal mit dem einfachen Satz beschrieben habe: "Man musste irgendetwas tun." Diese Botschaft sei heute so gültig und so wichtig wie eh und je. "Ich möchte sie allen Europäern widmen, und besonders den europäischen Politikern", sagte Tusk. "Wenn wir unseren Werten treu bleiben wollen, dann müssen wir manchmal niederknien. Und manchmal auf den Barrikaden stehen. Mutig und kompromisslos im Angesicht des Bösen, bescheiden im Angesicht der Wahrheit und des Leidens. So wie Willy Brandt am 7. Dezember 1970."

Willy Brandt lebte jahrelang in Unkel

Der ehemalige Bundeskanzler und Friedensnobelpreisträger Willy Brandt lebte von 1979 bis 1992 in Unkel. Hier schrieb er seine Erinnerungen, von hier aus unternahm er zahlreiche Reisen, die dem Frieden und der Völkerverständigung dienten.

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Sein Kniefall am 7. Dezember 1970 war eine Geste, die jeder verstand. Er ist als Bitte der Vergebung in Erinnerung geblieben, auch noch 50 Jahre danach. Und es war eine spontane Geste, sagte der frühere Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) später darüber.

Kniefall war eine spontane Geste

Er war im Dezember 1970 als erster westdeutscher Regierungschef nach dem Zweiten Weltkrieg nach Warschau in Polen gereist. Dort wollte er den umstrittenen Vertrag unterzeichnen, mit dem die Bundesrepublik die Oder-Neiße-Linie als Westgrenze Polens akzeptierte. Doch der Kniefall vor dem Mahnmal beherrschte danach die Schlagzeilen. Unmittelbar vor der Unterzeichnung hatte Brandt am Denkmal für die Helden des jüdischen Ghettos in Warschau einen Kranz niedergelegt. Nach dem Zurechtrücken der Kranzschleifen fiel der SPD-Politiker auf die Knie. Die Geste fand weltweit Beachtung als Bitte um Vergebung für die Verbrechen der Nazizeit und als Zeichen für Versöhnung.

An der Feierstunde zum Gedenken an den 50. Jahrestag des "Kniefalls von Warschau" nahm auch Brigitte Seebacher teil, die zweite Frau Willy Brandts. Sie lebte bis zu seinem Tod mit ihm in Unkel.

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