Umweltpädagogin Alena Schmidt arbeitet für Landesforsten RLP und klärt Kinder und Jugendlichen über Gefahren im Wald auf.

Neue Gefahren durch Klimawandel

Gefahren im Wald: Umweltpädagogin gibt Tipps für sicheren Spaziergang

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Sarah Mauer

Jetzt im Frühling zieht es viele Menschen in die Wälder. Doch durch den Klimawandel gibt es neue Gefahren. Mit diesen Tipps von Alena Schmidt bleiben Sie aber sicher.

Die Sonne scheint, die Bäume leuchten in frühlingshaftem Grün - perfekt für einen Spaziergang im Staatswald bei Dieblich an der Mosel. Umweltpädagogin Alena Schmidt vom Forstamt Koblenz ist hier oft mit Schülergruppen unterwegs, gerade mit einer dritten Klasse der Grundschule in Dieblich.

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Bevor es losgehen kann, erklärt sie den Kinder und Jugendlichen immer, wie sie sich im Wald verhalten sollten. Denn durch den Klimawandel gebe es neue Gefahren in den heimischen Wäldern, so die Umweltpädagogin: Morsche Bäume, herabstürzende Äste, mehr Zecken und neue Insektenarten. Das heiße aber nicht, sagt sie, dass man nicht mehr im Wald Spazierengehen könne. Aber man sollte wissen, worauf man achten sollte.

"Die Bäume sind nicht mehr so widerstandsfähig wie früher."

Perspektive wechseln - immer wieder auch in die Kronen schauen

Weil es in den vergangenen Jahren so wenig geregnet hat, seien die Bäume in den Wäldern geschwächt und geschädigt, erklärt sie den Kindern weiter. "Die Bäume sind nicht mehr so widerstandsfähig wie früher. Sie werden dann anfälliger für Parasiten, andere Krankheiten und bilden dann mehr Totholz aus, sodass Äste absterben und dann herunterfallen." Besonders gefährlich sei das bei Wind und Sturm. Bei so einem Wetter solle man lieber nicht im Wald spazieren gehen. 

Aber auch an gewöhnlichen Tagen empfiehlt sie, immer auch nach oben zu den Baumkronen zu blicken und nach toten Ästen Ausschau zu halten. Der Perspektivwechsel sei wichtig, denn als Spaziergänger gehe "man meistens stur geradeaus und hat nur das im Sichtfeld, was auf Augenhöhe ist."  

Umweltpädagogin warnt die Kinder: Niemals auf Holzstapel im Wald klettern 

Beim Gang mit den Schülerinnen und Schülern durch den Wald warnt Schmidt sie auch davor, auf Holzstapel zu klettern. Sie könne zwar verstehen, dass die einen gerade magisch zum Klettern anzögen, aber es sei einfach keine gute Idee - und könne sogar sehr gefährlich werden, warnt die Umweltpädagogin.

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Die Stämme können sich leicht bewegen und ins Rutschen kommen. Schnell könne da ein Fuß oder eine Hand eingeklemmt werden, und schlimmstenfalls gerate man ganz unter einen Stamm. Momentan gebe es viele, teils sehr hohe Holzstapel im Wald. Die Landesforsten Rheinland-Pfalz begründen das zum Teil damit, dass in mehreren Regionen des Landes in den vergangenen Monaten unzählige Bäume gefällt wurden, die von Borkenkäfern befallen waren.

Auf ausgewiesenen Wegen bleiben, Zecken-Check nach dem Spaziergang 

Auch Zecken würden zunehmend zu einer Gefahr bei einem Waldspaziergang, warnt Schmidt. Zecken, aber auch andere stechende Insekten, seien vermehrt in Büschen und hohem Gras zu finden. Wer also durch hohes Gestrüpp abseits der ausgewiesenen Wege laufe, erhöhe sein eigenes Risiko, gestochen zu werden.  

Deshalb solle man sich nach jedem Spaziergang gründlich nach ihnen absuchen, rät Alena Schmidt. Ein nützlicher Tipp, falls man doch mal durchs Dickicht laufen muss: "Hose in die Socken! Dadurch minimiert man die Chance, dass die Zecken in das Hosenbein krabbeln."

Außerdem sollte man auch aus Rücksicht auf die Tiere, die im Wald leben, immer auf den ausgewiesenen Wegen bleiben. "Der Mensch greift immer mehr in die Natur ein. Dadurch drängen wir die Tiere auch zurück. Darum ist es umso wichtiger, dass man auf den Wegen bleibt, damit die Tiere noch einen Rückzugsort haben."

 Umweltpädagogin Schmidt: Eichenprozessionsspinnern aus dem Weg gehen 

Und zuletzt warnt die Umweltpädagogin auch noch vor dem Eichenprozessionsspinner, die immer häufiger im Norden von Rheinland-Pfalz vorkommen. Die bis zu fünf Zentimeter langen Raupen des Schmetterlings sehen zwar relativ unscheinbar aus, doch eine Berührung kann sehr unangenehm werden. Wenn die giftigen Brennhaare auf dem Rücken der Raupen abbrechen, kann das zu Juckreiz, Entzündungen oder Ausschlag führen. Atmet man die feinen Härchen ein, sind sogar Atembeschwerden möglich. 

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Alena Schmidt erklärt den Schulkindern aus Dieblich, dass sich die gelblich-braun Raupen hintereinander an Baumstämmen und Ästen entlang bewegen, wie in einer Art Gänsemarsch: "Wenn man so eine Prozession sieht, dann einfach Abstand halten!“, warnt sie. Und sie betont, dass man Raupen des Eichenprozessionsspinners auf keinen Fall anfassen sollte. 

 

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Sarah Mauer