Damaliger Übungsleiter Wolfgang Grambs hält Abschlussbericht hoch.  (Foto: dpa Bildfunk, Thomas Frey)

Krisen-Koordinator aus Bad Neuenahr-Ahrweiler

Experte kritisiert deutsches Corona-Management

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Im Jahr 2007 üben bundesweit Behörden den Kampf gegen eine Supergrippe. Der damalige Koordinator beklagt jetzt eine unzureichende Umsetzung der Erkenntnisse in der heutigen Corona-Krise.

Das Szenario: Eine Supergrippe mit 27 Millionen Kranken und 100.000 Toten. Mehrere Monate haben sich Behörden von Bund und Ländern, Unternehmen und andere Organisationen auf die Simulation vorbereitet. In einer zweitägigen Abschlussübung "Lükex 2007" simulierten sie dann den Ausbruch einer Supergrippe.

Die damalige Hauptsitz der Übung befand sich in der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Wie die Deutsche Presse-Agentur meldet, traten laut dem Abschlussbericht bei der Übung mit 3.000 Beteiligten auch Schwachstellen und Missverständnisse auf. Deshalb wurden in einem 53-seitigen Papier zahlreiche Handlungsempfehlungen formuliert.

Koordinator kritisiert Corona-Management

In dem Papier hätte es unter anderem die Aufforderung zu kontinuierlichen Folgeübungen und Fortbildungen gegeben. Der Deutschen Presse-Agentur gegenüber sagte der damalige Koordinator Wolfgang Grambs, dass es dazu nie gekommen sei. "Es fehlt eine nationale Übungskultur", so Grambs. Dieses Defizit und ständige Personalwechsel würden zum Verlust von Wissen und Erfahrungen führen. "Viele Krisenmanager wurden so im Frühjahr 2020 kalt erwischt", sagt Grambs.

Der damalige Koordinator kritisiert zudem, dass Deutschland etwa bei den Impfungen und Schulschließungen zu spät und nicht optimal gehandelt hätte. Bei einer besseren Umsetzung der Empfehlungen von 2007 wäre das Land nicht "relativ unvorbereitet" in eine Krise geschlittert, heißt es weiter.

Impfstrategie sollte weiterentwickelt werden

Zu den einstigen Empfehlungen gehört auch die Weiterentwicklung der Impfstrategie. Dazu hätte es laut Grambs in ausreichendem Maße spätestens nach der ersten Corona-Welle kommen müssen - was aber nicht der Fall gewesen sei. Auch der Nachweis von Impfungen bleibt unzureichend, sagt Grambs. Denn die meisten Geimpften würden nicht digital erfasst und die gelben Papierimpfausweise seien leicht zu fälschen.

Kommunikation in der Krise müsse einheitlicher werden

Im Abschlussbericht der Pandemie-Übung wird auch die Bedeutung einer funktionierenden Krisenkommunikation deutlich. Grambs zufolge sei dies jedoch nur ansatzweise und nicht durchgängig zu erkennen. Die Informationen für die Bevölkerung in zentralen Fragen wie Masken und Impfen wären stets widersprüchlich gewesen und seien in der Regel zu spät gekommen.

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