Betroffener sucht Hilfe bei Experten (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Daniel Naupold)

Psychologische Hilfe für Betroffene und Helfer

Traumahilfezentrum unterstützt Flutopfer im Ahrtal

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Experten schätzen, dass die Flut im Ahrtal tausende Menschen traumatisiert hat. Für sie gibt es jetzt eine neue Anlaufstelle, die ihnen Hilfe bietet.

Das neue Traumahilfezentreum in Grafschaft-Lantershofen, oberhalb des vom Hochwasser zerstörten Ahrtals, sei ein "bundesweit einmaliges Projekt", sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) bei der Eröffnung am Montag.

Die Landesregierung finanziere die Arbeit des Traumahilfezentrums zunächst für drei Jahre mit gut 766.000 Euro, so Dreyer. Das Projekt solle ein niedrigschwelliges Angebot sein und könne, wenn nötig, beispielsweise Psychotherapie an Flutopfer vermitteln.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer bei der Eröffnung des Traumahilfezentrums mit Geschäftsführer Christoph Smolenski (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Thomas Frey)
Ministerpräsidentin Malu Dreyer bei der Eröffnung des Traumahilfezentrums mit Geschäftsführer Christoph Smolenski picture alliance/dpa | Thomas Frey

Hilfe für Betroffene, aber auch für Helfer

Das Angebot im Traumahilfezentrum richtet sich aber nicht ausschließlich an Betroffene der Flutkatastrophe, sondern auch an Einsatzkräfte, die im Ahrtal geholfen haben.

Katharina Scharping leitet die Einrichtung. Im Gespräch mit dem SWR sagte die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, das neue Angebot sei nicht nur für Menschen gedacht, die selbst von der Flutkatastrophe betroffen sind. Es wende sich auch an alle, die als Helfende im Einsatz waren oder jemanden kennen, der betroffen ist.

"Es ist ein Treffpunkt für Betroffene, ohne dass sie direkt in eine Psychiatrie gehen."

Traumahilfezentrum ist kostenlos

Das Team aus Ärzten, Psychologen, Pflegekräften und Soziotherapeuten biete in Lantershofen offene Sprechstunden für Menschen mit psychischen, medizinischen oder psychosozialen Problemen an, sagte Scharping. Es gebe auch die Möglichkeit als Gruppe zu kommen.

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Das Prinzip: Jeder, der nach der Flutkatastophe im Sommer Hilfe brauche, könne unbürokratisch Hilfe bekommen. Eine Behandlung in der Psychiatrie werde von Traumatisierten oft als stigmatisierend erlebt, das Traumahilfezentrum biete deshalb eine Möglichkeit "niederschwellig nachzufragen", sagte Scharping. Das Angebot soll kostenlos zugänglich sein.

Im Rahmen eines sogenannten offenen Cafés soll zudem ein zwangloser Austausch stattfinden. Die Räumlichkeiten sind im Studienhaus St. Lambert untergebracht.

Angebote im Traumahilfezentrum für fünf Jahre geplant

Das vom Land Rheinland-Pfalz geförderte Traumahilfezentrum wird unter der Leitung der Dr. von Ehrenwall’schen Klinik betrieben und kooperiert mit der DRK Fachklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Die selbst stark von der Sturzflut betroffene Dr. von Ehrenwall'sche Klinik soll laut Staatskanzlei für ihren Weiteraufbau weitere Bewilligungsbescheide von rund 600.000 Euro erhalten.

Das Team des Traumahilfezentrums im Ahrtal (Foto: Traumahilfezentrum Ahrtal)
Das Team des Traumahilfezentrums, von links nach rechts: Katharina Scharping, Michaela Friedmann-Lieser, Frank Rost, Alexandra Held, Sabine Schlotmann und Marlene Seeliger. Traumahilfezentrum Ahrtal

Das Angebot ist laut Scharping für die kommenden fünf Jahre angelegt. Betroffene müssten sich also keine Sorgen machen, dass das Hilfsangebot nur vorübergehend bestehe.

Beratung und Hilfe bald auch mobil

Bei einer Beratungsstelle vor Ort in Lantershofen solle es nicht bleiben, sagte die Psychologin: "Eine Mitarbeiterin von uns fährt auch mit einem Bus herum, der an jedem Tag an einem anderen Ort im Ahrtal steht." Außerdem sei auch geplant, Senioren-Cafés zu besuchen und dort Hilfsangebote zu machen.

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