Drei Menschen in Arbeitskleidung stehen und hocken mit Schaufeln in einer Grube. Zwei von ihnen tragen Jacken mit der Beschriftung "Ordnungsamt". In der Grube auf einer Baustelle im Engerser Feld in Neuwied wurden die Leichen von vier deutschen Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. (Foto: Pressestelle, Kriminalinspektion Neuwied)

Knochenfund bei Arbeiten im Engerser Feld

Vier tote Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg auf Baustelle entdeckt

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Bei Bauarbeiten im Engerser Feld sind die Überreste von vier deutschen Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg aufgetaucht. Die Polizei hat versucht, die Identität der Männer zu klären.

Wie die Polizei berichtet, wurden bereits am 12. Januar in der Nähe der Urmitzer Eisenbahnbrücke bei Vorarbeiten zur Deichsanierung Knochen eines Mannes entdeckt, bei dem es sich vermutlich um einen toten deutschen Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg handelt. Ein Ermittlerteam der Kriminalpolizei Neuwied konnte den ersten Verdacht aufgrund einiger weniger Ausrüstungsgegenstände bestätigen.

Koppelschloss deutet auf deutschen Soldaten hin

"Wir haben ein Koppelschloss mit dem Reichsadler und einem Hakenkreuz darauf gefunden - da war die Sache klar", berichtet Kriminalhauptkommissar Stefan Linder. Er war auch mit dabei, als zwei Tage später am Fundort eine Ausgrabung initiiert wurde. "Das war schon sehr spannend", meint Linder zu der nicht gerade alltäglichen Aufgabe.

Bei einem Fall wie diesem sei eine gute Zusammenarbeit gefragt. Neben der Kriminalpolizei sei auch die zuständige Genehmigungsbehörde für die Umbettung von Toten, das Ordnungsamt der Stadt Neuwied, und der Kampfmittelräumdienst Rheinland-Pfalz involviert gewesen. Unter anderem sei die Stelle auch mit Metallsonden abgesucht worden.

Drei weitere Leichen entdeckt

In einer Tiefe von etwa 1,2 Metern konnten so zahlreiche Metallfragmente, wie Uniformknöpfe, Münzen aus der Zeit des Dritten Reiches und eine Uhr gefunden werden. Aber nicht nur das: Es fanden sich auch die Überreste von drei weiteren Männern. "Wir dachten schon, das hört gar nicht mehr auf", erinnert sich Linder. Fünf Stunden lang habe die Ausgrabung gedauert.

Die Toten hätten nebeneinander gelegen, sodass nach Einschätzung der Kriminalpolizei Neuwied von einem angelegten Feldgrab ausgegangen werden kann. "Das hat alles den Richtlinien der Wehrmacht entsprochen", erklärt Linder. Den Soldaten seien vor der Beerdigung auch - wie damals üblich - wichtige Ausrüstungsgegenstände, wie zum Beispiel Stiefel, abgenommen worden.

Erkennungsmarke nach Berlin geschickt

Bei einem Soldaten wurde die Hälfte einer Erkennungsmarke gefunden. Diese sei umgehend an die Deutsche Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht (WASt) geschickt worden, die beim Bundesarchiv in Berlin angesiedelt ist. Am Dienstag erhielt die Kriminalpolizei Neuwied vom Bundesarchiv die Nachricht, dass zu der Erkennungsmarke im Archiv keine Person mehr ermittelt werden konnte.

Bei den Leichen von vier Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg bei Neuwied wurden auch Teile einer Erkennungsmarke gefunden. (Foto: Pressestelle, Kriminalinspektion Neuwied)
Bei den Leichen von vier Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg bei Neuwied wurden auch Teile einer Erkennungsmarke gefunden. Pressestelle Kriminalinspektion Neuwied

Die Identität der vier Soldaten konnte somit nicht geklärt werden. Ob die Männer ihr Leben bei der Sprengung der Kronprinz-Wilhelm-Brücke am 9. März 1945 lassen mussten oder die vier bei einem Bombardement ums Leben kamen, bleibt somit ungeklärt. Die Überreste der Männer sollen nun zeitnah eine neue Ruhestätte finden. Nach Angaben der Stadt Neuwied ist eine Beisetzung auf einer anerkannten Kriegsgräberstätte geplant.

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SWR