Emser Therme in Bad Ems sind wegen Corona seit November geschlossen (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Thomas Frey)

Großer Frust bei Betreibern: Keine Öffnungsperspektive für Heilbäder

Thermen in Bad Ems, Bad Bertrich und Bad Neuenahr bleiben geschlossen

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Die Thermen in Rheinland-Pfalz sollen vorerst geschlossen bleiben. Das betrifft auch die Kurbäder in Bad Ems, Bad Bertrich und Bad Neuenahr-Ahrweiler. Das ärgert Betreiber und Wellness-Fans. Denn in vielen anderen Bereichen werden die Corona-Regeln gelockert.

In Thermen können Erholungssuchende etwas für ihre Gesundheit tun und den Corona-Alltag einmal vergessen. Zumindest theoretisch. Denn seit November sind in Rheinland-Pfalz die Wellness-Tempel mit ihren Heilbädern und Saunen nach zwischenzeitlicher Öffnung wieder geschlossen. In der aktuellen Diskussion um Lockerungen der Corona-Beschränkungen spielen sie keine Rolle, was Betreiber und Wellness-Fans gleichermaßen ärgert.

"Das ist Wettbewerbsverzerrung."

Neidisch blicken die rheinland-pfälzischen Betriebe nach Hessen, das den Thermen inzwischen bei dauerhaft niedrigen Inzidenzen unter 100 eine Öffnungsperspektive bietet. "Das ist Wettbewerbsverzerrung", ärgert sich Gudrun Selzer vom Tourismus- und Heilbäderverband Rheinland-Pfalz.

Thermen-Betreiber fühlen sich vergessen

Dabei spielen die Oasen der Entspannung gerade für die Heil- und Kurorte auf dem Land eine wichtige wirtschaftliche Rolle. "Die Hotels in Bad Bertrich sind auf die Therme angewiesen", erklärt Michael Krämer, Geschäftsführer der Vulkaneifel-Therme in dem Kurort. Selzer betont: "Thermen befinden sich in der Regel in kleinen und mittleren Kurorten im ländlichen Raum. Wenn die Thermen schließen, ist der Ort praktisch tot. Wir sind im Deutschland-Tourismus auf wetterunabhängige Angebote angewiesen. Und genau das sind die Thermen."

"Wenn die Thermen schließen, ist der Ort praktisch tot."

Dass die Landesregierung Öffnungsperspektiven für Gastronomie, Handel, Kultureinrichtungen und Sportstätten aufzeigt, nicht aber für Thermen und Saunen, stößt bei Betreibern und dem Heilbäderverband auf völliges Unverständnis. Und auch die Besucher warten schon: "Wir bekommen sehr viele Anrufe von Leuten, die wieder zu uns kommen wollen", berichtet beispielsweise Andrea Meurer-Wiedmayer von der Geschäftsleitung der Emser Therme in Bad Ems. "Wir fühlen uns abgehängt. Wir werden schon seit Monaten in der Öffnungsdiskussion nicht mehr erwähnt."

Betreiber: Hygienepläne haben sich bewährt

Dank ihrer Corona-Vorkehrungen, die schon bei der Öffnung der Anlagen vom Juni bis zum November griffen, besteht nach Ansicht von Betreibern und Verband keine nennenswerte Infektionsgefahr. "In Thermen und Bäderhäusern ist es 2020 aufgrund der guten Hygienekonzepte nicht zu Corona-Ausbrüchen gekommen", betont Guido Orthen, Vorsitzender der Sektion Heilbäder und Kurorte des Tourismus- und Heilbäderverbands.

Die Hygienepläne haben nach Angaben der Betreiber gut funktioniert. "Darin haben wir gute Übung", sagt etwa Maternus Fiedler, Geschäftsführer der Ahr-Thermen in Bad Neuenahr.

"Das Coronavirus mag es nicht heiß."

Die Emser Therme beispielsweise verweist auf ihre "extrem starke Lüftungsanlage" als Vorsichtsmaßnahme. Im gechlorten Wasser könne kein Erreger überleben, sagt Meurer-Wiedmayer. Und mit Blick auf die Saunen sagt sie: "Das Coronavirus mag es nicht heiß".

Bei einer Wiedereröffnung in diesem Jahr stünden als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme Schnelltests zur Verfügung, heißt es von der Therme in Bad Ems. Zudem gebe es die immer größer werdende Zahl der Geimpften und Genesenen. Aufgrund ihres Alters seien viele aus der Gruppe der Geimpften genau die Zielgruppe, die sich in Thermen mit Heilwasser und Wassergymnastik gesund halten wollten.

Hoher wirtschaftlicher Schaden

Die wirtschaftlichen Schäden für die Betriebe sind enorm, schließlich ist von Oktober bis April Hauptsaison, und die ist diesmal entfallen. Und auch der kühle und regnerische Mai hätte vermutlich viele Gäste in die Whirlpools, beheizten Bäder und Saunen getrieben. "Das wäre ein tolles Thermenwetter gewesen", bedauert Krämer.

Die Betreiber halten ihre Anlage derweil am Laufen - und damit laufen auch die Betriebskosten weiter, wie Fiedler berichtet. So müssten in der Ahr-Therme täglich bis zu 160 Zapfstellen - von der Dusche bis zum Wasserhahn - gereinigt werden, auch die Lüftung und die Wasserfilter arbeiteten weiter und verbrauchten Strom.

"Wir pochen darauf, dass die Thermen wieder vollständig - mit Innen- und Außenbereich - öffnen dürfen, weil sie der Gesundheitsfürsorge dienen."

Öffnung der Außenbereiche "wirtschaftlich kaum machbar"

Kommunale Betriebe wie die Ahr-Thermen sind laut Bäderverband von der Überbrückungshilfe III ausgenommen, obwohl sie weiterhin geschlossen bleiben müssen. Eine Öffnung nur der Außenbereiche hält der Bäderverband für wirtschaftlich kaum machbar. Aufwand, Betrieb, Personalkosten und die Ausgaben für Hygienekonzepte etwa stünden nicht im Verhältnis zu den erwartbaren Einnahmen.

Ob Bad Ems, Bad Neuenahr oder Bad Bertrich - in einem sind sich alle Thermen einig: Wenn die Politik grünes Licht gibt, könnten sie mit ein paar Tagen Vorlauf bald wieder Badegäste empfangen. "Wir pochen darauf, dass die Thermen wieder vollständig - mit Innen- und Außenbereich - öffnen dürfen, weil sie der Gesundheitsfürsorge dienen", fordert Selzer.

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