Eine Schwimmplattform steht im Rhein kurz vor Oberwesel (Foto: Wasserstraßen- und Schiffahrtsverwaltung des Bundes)

Maßnahme gegen Niedrigwasser

Geplante Rheinvertiefung im Mittelrheintal - Kritik von Gemeinden

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Um Frachtschiffen auf dem Mittelrhein auch bei Niedrigwasser die Fahrt zu ermöglichen, soll die Fahrrinne vertieft werden. Gemeinden am Rhein sehen das Großprojekt kritisch.

Der Uferbereich spiele bei den Planungen keine große Rolle, so etwa der Vorwurf des Bacharacher Bürgermeisters Philipp Rahn (SPD). Dies habe dann massive Auswirkungen auf das Landschaftsbild. Zudem befürchtet Rahn eine Verlandung und Tümpelbildung im Uferbereich. Seine Bedenken: hier entstehe eine Art Wattenmeer aus Wasserpfützen und Schlammflächen.

Der zuständige Koordinator der Bundesregierung, Oliver Luksic (FDP) betonte, man werde eng im Dialog mit den betroffenen Kommunen und Umweltschutzverbänden diskutieren. "Aber klar ist, solche wasserbaulichen Arbeiten, die gibt es auch an anderen Stellen am Rhein. Das sind im Kern sehr kleine Eingriffe." Die Rheinvertiefung solle umweltschonend umgesetzt werden.

Fokus eher auf Schiffe, statt auf Rhein setzen

Die Menschen in Bacharach sehen in den geplanten Baumaßnahmen den falschen Weg. Aus ihrer Sicht sollte der Fokus auf der Schiffen liegen - statt wie geplant 2027 massiv in den Rheinverlauf einzugreifen. "Die Rheinflotte ist größtenteils aus den 60-er und 70er- Jahren. Das sind alte oft dreckige und laute Dieselmotoren, die da fahren", so Rahn. Er hält neuere Schiffe mit weniger Tiefgang, die trotzdem eine größere Ladung tragen könnten, für die bessere Lösung.

Tests für Rheinvertiefung abgeschlossen

Die federführende Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes hatte kürzlich ihre Tests für die geplante Vertiefung abgeschlossen. Dabei sei es darum gegangen, wie das Gestein möglichst schonend und wirtschaftlich abgetragen werden könne. Die Baggerarbeiten liefen von Mai bis Juli. Dazu wurden Probearbeiten mit einem Spezialbagger durchgeführt. Die Ergebnisse wurden noch nicht veröffentlicht. Für das federführende Bundesverkehrsministerium ist das Projekt alternativlos. "Wir können mit sechs Maßnahmen den gesamten Rhein das gesamte Jahr besser befahrbar machen", so Luksic.

Ein Bagger hat eine Fräse an der Schaufel und steht auf einem Ponton im Rhein bei Oberwesel (Foto: Wasserstraßen- und Schiffahrtsverwaltung des Bundes)
Bei den Tests frästen Bagger Gestein im Flussbett ab - etwa bei Oberwesel. Wasserstraßen- und Schiffahrtsverwaltung des Bundes

Frachter sollen durch Vertiefung mehr laden können

Bei der Rheinvertiefung sollen sechs Engstellen in der Fahrrinne zwischen St. Goar und Budenheim bei Mainz beseitigt werden. Frachtschiffe sollen damit auch bei Niedrigwasser - wie wir es derzeit haben - mehr laden können.

Im vergangenen Jahr war bekannt geworden, dass die Arbeiten teurer und langwieriger werden als geplant. Die Verwaltung gibt den Termin für die Fertigstellung derzeit nur grob an - mit Anfang der 2030-er Jahre.

SPD: Rheinvertiefung muss Priorität haben

Die SPD-Fraktionsvorsitzende im rheinland-pfälzischen Landtag, Sabine Bätzing-Lichtenthäler, und der verkehrspolitische Sprecher der Landes-SPD, Benedikt Oster, hatten das Bundesverkehrsministerium aufgefordert, die Rheinvertiefung jetzt schnell voranzutreiben. Aktuell bereite das Niedrigwasser der Schifffahrt und damit auch Verbrauchern und Wirtschaft Probleme. Die Vertiefung der Fahrrinne zwischen Mainz und St. Goar müsse in Berlin absolute Priorität haben, so Bätzing-Lichtenthäler und Oster.

Am Mittelrhein ist derzeit der Wasserstand so niedrig, dass einige Schiffe die Engstelle Kaub nur noch mit etwa 25 Prozent der Ladung passieren können. Ein Händler sagte, um dies auszugleichen, stiegen die Preise. Zuletzt hatten 2018 niedrige Pegelstände die Schifffahrt über Monate eingeschränkt und die Wirtschaft belastet.

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