Auf der Straße in Koblenz ist mit bunter Kreide der Text "Sie gafften mich an und pfiffen mir nach" geschrieben. So will die Gruppe "Catcalls of Koblenz" ein Zeichen gegen verbale sexuelle Belästigung setzen. (Foto: Catcalls of Koblenz)

Initiative kämpft gegen verbale sexuelle Gewalt

"Catcalls of Koblenz“ darf sexuelle Belästigung wieder ankreiden

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Mit Kreide schreiben die Aktivistinnen von "Catcalls of Koblenz" Erlebnisse mit verbaler sexueller Belästigung auf Straßen in Koblenz. Die Stadt hatte die Aktion zunächst verboten. Jetzt dürfen die Aktivistinnen weiter machen.

"Sie gafften mich an und pfiffen mir nach" - eine Gruppe junger Frauen kniet in der Koblenzer Fußgängerzone und schreibt Buchstabe für Buchstabe mit bunter Kreide auf den Boden. Es ist das Erlebnis einer jungen Frau aus Koblenz. Sie hat sich mit ihrem Erlebnis an die Aktivistinnen gewendet.

Stadt Koblenz hatte Kreidetexte zunächst verboten

Nach Angaben von Eileen Metzger von der Initiative "Catcalls of Koblenz" war das Ordnungsamt über einen Zeitungsbericht auf die Aktion aufmerksam geworden. Das Ordnungsamt habe dann die Gruppe darauf hingewiesen, dass sie eine Genehmigung für das Ankreiden bräuchte. Die Gruppe stellte den Antrag, das Ordnungsamt lehnte diesen aber zunächst ab.

In der Vergangenheit sei es bereits mehrfach vorgekommen, dass bei anderen vergleichbaren Aktionen Farben verwendet wurden, die aufwendig und teuer entfernt werden mussten, hieß es zur Begründung. Nach Angaben des Stadtsprechers habe eine solche Entfernung jüngst rund 1.500 Euro gekostet.

Koblenzer Bürgermeisterin setzt sich für Initiative ein

Doch jetzt die Wende: Wie Eileen Metzger von der Initiative auf SWR-Anfrage mitteilt, hat die Koblenzer Bürgermeisterin Ulrike Mohrs (CDU) der Gruppe ihre Unterstützung zugesagt. Einzige Bitte: Die Aktivistinnen sollen die Kreide-Aktionen ein paar Tage vorher ankündigen. Dies sei kein Problem, sagte Metzger.

Nach ihren Angaben war der Antrag vom Ordnungsamt abgelehnt worden, weil die Stadt die Initiative "Saubere Straßen" ins Leben gerufen habe und deshalb Anfragen dieser Art grundsätzlich ablehne. Die Bürgermeisterin habe von der Aktion nichts gewusst, sonst hätte sie sich bereits früher für das Ankreiden ausgesprochen, habe sie der Gruppe versichert.

Erste Erfahrungen mit "Catcalls" schon im Kindesalter

Seit August letzten Jahres ist die Koblenzer Initiative aktiv. Sie ist Teil einer weltweiten Bewegung, die sich gegen verbale sexuelle Belästigung einsetzt. In vielen Städten in ganz Deutschland gibt es mittlerweile lokale Gruppen, die hauptsächlich in den sozialen Netzwerken aktiv sind.

Betroffene schildern ihre Erlebnisse mit verbaler sexueller Belästigung, die ihnen selbst oder Bekannten widerfahren sind. Die Aktivistinnen schreiben diese Erfahrungen am Ort des Geschehens mit Kreide auf den Boden und veröffentlichen Fotos davon in den sozialen Netzwerken.

Diese Erlebnisse, auch Catcalls genannt, sind teilweise schon zwei Jahre oder länger her, erzählt Kirsten Fettig von der Initiative. Das zeige, wie prägend diese Erlebnisse für die Betroffenen waren. Manche Betroffenen würden sich danach nicht mehr trauen, zu gewissen Uhrzeiten allein oder in bestimmten Gegenden unterwegs zu sein.

Die drei jungen Frauen von der Gruppe "Catcalls of Koblenz" setzt sich in den sozialen Netzwerken gegen verbale sexuelle Belästigung in Koblenz ein. (Foto: SWR)
Drei der sechs Aktivistinnen hinter der Initiative "Catcalls of Koblenz", Kirsten Fettig, Eileen Metzger und Viona Haase (von links). Die Gruppe setzt sich vor allem in den sozialen Netzwerken gegen verbale sexuelle Belästigung in Koblenz ein.

Kreativ mit Kreide gegen verbale, sexuelle Belästigung

Für die Aktivistinnen ist es vor allem erschreckend, wie jung die Betroffenen häufig sind. Viele von ihnen seien erst elf oder zwölf Jahre alt. Kirsten Fettig weiß aus eigener Erfahrung, dass solche Erlebnisse schon zur Lebensrealität vieler Kinder gehören: Sie selbst sei auch schon als Kind gecatcallt worden.

"Ich wurde schon als Kind gecatcallt. Mir wurde 'Geiler Arsch!' hinterhergerufen."

Die Initiative will Sprachrohr für diejenigen sein, die selbst nicht laut werden können, sagt Viona Haase, die sich auch bei der Gruppe engagiert. Deswegen wollen sie weiterhin die sexistischen Sprüche im wahrsten Sinne des Wortes Ankreiden.

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