Zerstörtes Haus nach Flut in Mayschoß. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / Geisler-Fotopress | Christoph Hardt/Geisler-Fotopres)

Wiederaufbau im Ahrtal

Erste Gelder aus Fluthilfefonds werden ausbezahlt

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In Rheinland-Pfalz wird seit Mittwoch das erste Geld aus dem Bund-Länder-Hilfsfonds für den Wiederaufbau in den Flutgebieten ausgezahlt. Das hat das Finanzministerium dem SWR bestätigt.

Umweltministerin Anne Spiegel (Grüne) hatte am Mittwochmorgen im SWR gesagt, die ersten Gelder seien am Montag ausgezahlt worden. Diese Aussage korrigierte das Finanzministerium nun. Nach seinen Angaben sind fast 300 Anträge auf Ersatz von Hausrat mit einem Volumen in Höhe von vier Millionen Euro bereits bewilligt und nun in der Auszahlung. Bisher seien 9.550 Anträge bei der Investitions- und Strukturbank gestellt worden. 2.175 davon hätten das Verfahren bereits komplett durchlaufen.

Prüfaufwand für Gebäude und Unternehmen höher

Die Antragstellung ist möglich bis zum 30. Juni 2023. Anträge auf Hausrat, bei denen alle notwendigen Angaben vorliegen und die das Verfahren komplett durchlaufen haben, können innerhalb weniger Tage ausgezahlt werden. Bei Anträgen für Gebäude oder Unternehmen sei der Prüfaufwand ungleich höher - deswegen könnten hier noch keine Angaben dazu gemacht werden, wann mit ersten Zahlungen zu rechnen ist. Das Land erwartet rund 15 Milliarden Euro aus dem Wiederaufbaufonds von Bund und Ländern.

Dörfer noch weit von Normalität entfernt

Obwohl im Ahrtal schon seit drei Monaten abgerissen, aufgeräumt, entsorgt und gereinigt wird, sind die Dörfer noch immer weit von Normalität entfernt. "Hier ist abends kein Mensch, und es brennt nirgendwo Licht", sagt Gerd Gasper in seinem vollständig entkernten Haus in Altenahr-Altenburg. Dazu kommt die Sorge um die Zukunft.

Ehepaar Gasper zwischen Trockengeräten in ihrem entkernten Haus in Altenahr-Altenburg (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Gerd und Elfriede Gasper in ihrem Haus in Altenahr-Altenburg, das durch die Flut im Juli schwer beschädigt wurde. Picture Alliance

Ministerin Spiegel: "Keiner soll frieren"

Viele fragen sich, wie sie durch den Winter kommen. Die rheinland-pfälzische Landesregierung will in den Flutgebieten des Ahrtals sicherstellen, dass die Menschen in den kalten Monaten nicht frieren müssen. Umweltministerin Spiegel sagte dem SWR: "Niemand im Ahrtal muss im Winter frieren." Wo noch keine Erdgasleitung liege, würden die Menschen mit Flüssiggastanks versorgt.

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Gleichzeitig wolle man aber auch darauf achten, dass das Ahrtal ökologisch nachhaltig wiederaufgebaut werde. Ölheizungen seien deshalb tabu, so Spiegel. "Wir wollen kommunale Nahwärmenetze stärken, in Kombination mit Pelletheizungen und Photovoltaik."

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Zudem werde beim Wiederaufbau auf den Hochwasserschutz geachtet. Bisher gehe die Landesregierung davon aus, dass 34 Häuser nicht mehr an Ort und Stelle aufgebaut werden können. "Diese Zahl ist aber nicht in Stein gemeißelt", sagte Spiegel. Mit allen Betroffen werde geredet und nach bestmöglichen Lösungen gesucht.

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Trockengeräte noch lange im Einsatz

Im Haus von Gerd Gasper aus Altenahr-Altenburg müssen noch mindestens einen Monat die Trockengeräte laufen. Dann müssen Handwerker gefunden werden. Er und seine Frau rechnen damit, dass es ein bis zwei Jahre dauert bis ihr Haus saniert ist. So lange wohnen sie bei der Tochter.

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