Zwei Stühle vor einem Fenster in einem komplett entkernten Haus im Ahrtal (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Drei Monate nach der Flutkatastrophe

Heizen, Strom, Hilfsgelder: Das ist die Lage im Ahrtal

STAND

Drei Monate ist das Hochwasser im Ahrtal jetzt her. Vieles wurde seitdem schon geschafft - viel mehr ist noch zu tun. Sechs Antworten auf häufig gestellte Fragen zur Situation vor Ort.

Großteil der Häuser im Ahrtal ist entkernt und muss trocknen

Nach der Flut mussten im Ahrtal viele Häuser abgerissen werden. Jetzt klaffen in den Gemeinden entlang der Ahr zahlreiche Baulücken. Der Großteil der Häuser, die stehen bleiben konnten, ist entkernt und steht leer, weil die Gebäude trocknen müssen.

Luftaufnahme: Meterhoch türmen sich Wohnwagen, Gastanks, Bäume und Schrott nach dem Hochwasser in Rheinland-Pfalz an einer Brücke über der Ahr in Altenahr.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Boris Roessler)
Meterhoch türmten sich am 19. Juli Wohnwagen, Gastanks, Bäume und Schrott an einer Brücke über die Ahr in Altenahr-Kreuzberg. In den Trümmern wurden mehrere Todesopfer der Katastrophe gefunden. picture alliance/dpa | Boris Roessler Bild in Detailansicht öffnen
Mittlerweile ist die zerstörte, historische Bogenbrücke an der Stelle in Altenahr-Kreuzberg von Trümmern befreit. Zahlreiche Häuser am Ufer waren so stark beschädigt worden, dass sie mittlerweile abgerissen werden mussten. picture alliance/dpa | Boris Roessler Bild in Detailansicht öffnen
So sah es an dieser Stelle direkt nach der Flut im Juli 2021 in der Innenstadt von Bad Neuenahr-Ahrweiler aus. Bild in Detailansicht öffnen
Drei Monate nach der Flut sind die Spuren in der Innenstadt von Bad Neuenahr-Ahrweiler noch klar erkennbar. Bild in Detailansicht öffnen
Dieses Bild machte direkt nach der Katastrophe deren ganzes Ausmaß deutlich. Die von der Polizei zur Verfügung gestellte Luftaufnahme zeigt den vom Ahr-Hochwasser überfluteten Ortsteil Altenburg. picture alliance/dpa/Polizei Bild in Detailansicht öffnen
In dem Stadtteil sind durch die Flutkatastrophe große Freiflächen entstanden. Viele Häuser in Altenburg mussten abgerissen werden. Eine Zukunftskonferenz beschäftigte sich inzwischen mit dem Wiederaufbau im Katastrophengebiet. picture alliance/dpa | Thomas Frey Bild in Detailansicht öffnen
Reste der von der Flut fortgerissenen Bogenbrücke im Ort Insul lagen im Wasser der Ahr. Helfer waren Tag und Nacht damit beschäftigt, die Straßen in den weitgehend zerstörten Orten wieder befahrbar zu machen. picture alliance/dpa | Boris Roessler Bild in Detailansicht öffnen
Inzwischen spannt sich eine von der Bundeswehr gebaute Pontonbrücke anstelle der historischen Bogenbrücke über die Ahr in Insul. Die Aufnahme ist vom 8. Oktober. Picture Alliance Bild in Detailansicht öffnen
Ein Bagger riss im September in Dernau ein Haus ab, das nach der Flutkatastrophe einsturzgefährdet war. Ein Wasserwerfer der Polizei half, den Staub zu binden. picture alliance/dpa | Thomas Frey Bild in Detailansicht öffnen
Dankbotschaften an die Helfer wurden im Oktober auf die Wände eines Hauses in Dernau gesprüht. Mehr als 70.000 freiwillige Helfer sind nach Angaben eines für sie eingerichteten Shuttledienstes im Ahrtal schon angereist, um den Flutopfern beim Entkernen ihrer durchnässten vier Wände zu helfen. picture alliance/dpa | Thomas Frey Bild in Detailansicht öffnen
Die Ahrtalbrücke der Bundestrasse 9 bei Sinzig ist in Folge des Hochwassers der Ahr eingestürzt - hier eine Aufnahme vom 20. Juli 2021. picture alliance/dpa | Thomas Frey Bild in Detailansicht öffnen
Die eine Hälfte der Brücke der Bundesstrasse 9 über die Ahr musste schließlich abgerissen werden, wie diese Aufnahme vom 29. September zeigt. picture alliance/dpa | Thomas Frey Bild in Detailansicht öffnen
Ein Bild aus der von der Flut betroffenen Eifel. Ein Zug stand in der Flut-Nacht am Bahnhof in Kordel. Ein Teil des Ortes wurde von den Wassermassen der Kyll überflutet. Drei Monate später... picture alliance/dpa | Harald Tittel Bild in Detailansicht öffnen
...steht der beschädigte Zug immer noch im Bahnhof der Eifelgemeinde. picture alliance/dpa | Harald Tittel Bild in Detailansicht öffnen
Müll, Treibgut und Unrat lagen nach der Flut am Ufer der Ahr in Mayschoß. Zahlreiche Häuser in dem Ort wurden komplett zerstört. Die Aufnahme entstand wenige Tage nach der Flutnacht. picture alliance/dpa | Julia Cebella Bild in Detailansicht öffnen
Auch im Weinort Mayschoß an der Ahr sind die Trümmer nach der Flut weggeräumt, die deutlich sichtbaren Zeichen der Zerstörungen. Bild in Detailansicht öffnen

Mehr als 30 durch die Flut zerstörte oder beschädigte Häuser dürfen im Ahrtal nicht mehr an Ort und Stelle aufgebaut werden. Das hat das Land mitgeteilt. Denn die Gebäude liegen in den neu ausgewiesenen Überschwemmungsgebieten. Die Betroffenen sollen den Angaben zufolge Ersatzgrundstücke oder Entschädigungen erhalten. Derzeit laufen noch Bürgerversammlungen, in denen die genauen Wiederaufbau-Bedingungen für die einzelnen Orte erläutert werden.

Problematisch ist nach Angaben der Handwerkskammer Koblenz, dass der ohnehin bestehende Handwerker- und Baumaterialmangel durch die Situation im Ahrtal nochmal verschärft wird. Einige Betroffene haben deshalb nach eigenen Angaben nach wie vor Probleme, Handwerker zu finden.

Angst vor kalten Wintertagen im Ahrtal

Durch die Flutwelle wurde ein Großteil des Erdgasnetzes im Ahrtal zerstört, auch die Ölheizungen in vielen der betroffenen Häuser funktionieren seit dem Hochwasser nicht mehr. War das in den Sommermonaten noch kein großes Problem, fürchten jetzt viele Bewohner im Ahrtal den nahenden Winter.

Ein Stromverteiler in Schuld nach der Flutkatastrophe (Foto: SWR)
Die Flutkatastrophe im Ahrtal hatte auch das Stromnetz schwer in Mitleidenschaft gezogen, beispielsweise wie hier in Schuld.

Arbeiten am Stromnetz laufen

Direkt nach der Hochwasserkatastrophe waren viele Gemeinden im Ahrtal tagelang komplett ohne Strom. Auch in den darauffolgenden Wochen mussten sich viele Anwohner weiterhin mit Notstromaggregaten behelfen.

Wiederaufbau der Infrastruktur wird Jahre dauern

Die Flut hatte im Ahrtal nach Angaben der Aufsichts-und Dienstleistungsdirektion (ADD) allein 24 Straßenbrücken im Tal beschädigt oder vollständig zerstört. Dazu kamen Fußgänger-und Eisenbahnbrücken. Das Land schätzte den entstandenen Schaden allein an den Brücken auf mindestens 200 Millionen Euro.

Bagger reißen im Ahrtal bei Altenahr ein Haus ab und bauen eine provisorische Trasse. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Thomas Frey)
Hinter dem Tunnel der Bundesstraße 267 im Ahrtal bei Altenahr reißen Bagger ein Haus ab und bauen gleichzeitig eine provisorische Trasse. Die Straße wurde von der Flut weggerissen. picture alliance/dpa | Thomas Frey

Auszahlungen aus dem Wiederaufbaufonds haben begonnen

Direkt nach der Hochwasserkatastrophe im Juli konnten Menschen, die von der Flut betroffen waren, beim Kreis und diversen Hilfsorganisationen erste Soforthilfen beantragen. Mittlerweile können auch größere Summen für den Wiederaufbau beantragt werden.

Kostenlose Essen von Anwohnern nicht mehr so stark nachgefragt

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hatte bis etwa Mitte September in einer zentralen Küche in der Grafschaft täglich etliche Tausend Mittagessen für Betroffene des Hochwassers gekocht und diese an rund 40 Standorten ausgegeben. In Spitzenzeiten waren es Angaben des DRK zufolge 10.000 bis 13.000 warme Portionen pro Tag.

Mehr im SWR

Rheinland-Pfalz

Ahrtal, Eifel und Trier-Ehrang Drei Monate nach der Flutkatastrophe - Wiederaufbau und Wegzug

Vor drei Monaten hat die Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz 134 Menschen das Leben gekostet, Häuser und Existenzen zerstört. Der Wiederaufbau im Ahrtal, in der Eifel und in Trier-Ehrang dauert noch immer an.  mehr...

Zwischenbilanz zum Wiederaufbau im Ahrtal CDU wirft Landesregierung Versagen nach der Flutkatastrophe vor

Die CDU wirft der Landesregierung Versagen bei der Bewältigung der Flut-Katastrophe an der Ahr vor. Die Landesregierung hatte gestern ihre Bilanz drei Monate nach der Flut vorgestellt. Sie sieht große Fortschritte.  mehr...

Rheinland-Pfalz

Rekonstruktion einer Katastrophe Was ist in der Flutnacht passiert? - Ein Protokoll

Rund zwei Monate nach der Flutwelle steht die Frage im Mittelpunkt, wie es so weit kommen konnte: Wann gingen die ersten Warnungen ein? Gab es nicht genug Hinweise auf das Unglück?  mehr...

Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz Hochwasser 2021: Alle betroffenen Orte auf einer Karte

Unvorstellbare Regenmengen haben am 14. und 15. Juli 2021 zur größten Naturkatastrophe in der Geschichte von Rheinland-Pfalz geführt. Auf unserer Karte zeigen wir die betroffenen Orte.  mehr...

Ahrweiler, Antweiler, Altenahr, Schuld, Insul, Bad Neuenahr-Ahrweiler

SWR-Datenanalyse zur Flutkatastrophe an der Ahr Noch 2 Vermisste - Aktuelle Daten und Fakten

Mehr als 130 Tote, Tausende sind obdachlos. Hunderte Gebäude sind weggerissen. Satellitenbilder zeigen annähernd, wie groß die Zerstörung an der Ahr ist. Eine SWR-Datenanalyse.  mehr...

Rheinland-Pfalz

Die Lage im Flutgebiet Hochwasser-Live-Blog in RLP: Dreck wird im Ahrtal mit Trockeneis entfernt

Die Aufräumarbeiten nach der Hochwasserkatastrophe Mitte Juli kommen voran. Bis zur Normalität ist es aber noch ein langer Weg. Unterdessen ist auch die politische Aufarbeitung im Gange. Hier die aktuelle Lage:  mehr...

Frau räumt Unrat nach der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal auf (Foto: imago images, imago0126577850h/SWR)

Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz - Ein Dossier

Unvorstellbare Wassermassen haben in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 die Region Trier und das Ahrtal in der Eifel getroffen. Die Folgen: Viele Tote und Verletzte und Schäden in Milliardenhöhe.

STAND
AUTOR/IN