Luftaufnahme von der Schulinsel Nonnenwert bei Remagen (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Lehrerschaft und Schüler bangen

Gibt es Hoffnung nach Rundem Tisch für die Schulinsel Nonnenwerth?

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Sollte es zur Schulschließung von Nonnenwerth kommen, könnten alle Schülerinnen und Schüler an andere Schulen wechseln. Das hat der Bürgermeister von Bad Honnef bei einem Runden Tisch zugesichert.

Teilweise könnten die Kinder dann auch eine Schule wählen, sagte Bürgermeister Otto Neuhoff (parteilos). Viele Eltern sind nach eigenen Aussagen aber auf das Ganztagsschulangebot angewiesen. Auch einen bilingualen Zweig wie am Franziskus Gymnasium gibt es an anderen Schulen im Umkreis nicht.

Zukunft der Schulinsel Nonnenwerth wackelt weiter

Der Elternverein machte jedoch deutlich, weiterhin für den Erhalt des privaten Gymnasiums kämpfen zu wollen. Noch ist unklar, ob die Schule auf Nonnenwerth zum Schuljahresende geschlossen werden muss. Grund dafür ist nach Angaben des Schulträgers Soliman der mangelnde Brandschutz. Soliman teilte dem SWR mit, er sei weiter offen dafür, eine Lösung zu finden.

In der vergangenen Woche haben die Eltern der Schülerinnen und Schüler des Franziskus Gymnasiums Nonnenwerth Kündigungen für ihre Schulverträge erhalten. Der guten Ordnung halber kündige man vorsorglich den bestehenden Schulvertrag zum Ende des Schuljahres, heißt es in dem Brief.

Der Schulträger versuche damit erneut, Druck aufzubauen, so ein Sprecher des Schulwerks. Je mehr Eltern diesem Druck nachgäben und ihre Kinder abmeldeten, desto eher könne man die Schule tatsächlich schließen. Auf eine Interview-Anfrage des SWR reagierte Schulträger Peter Soliman bisher nicht.

In einer Facebook-Gruppe der Elternschaft wurde kurz darauf das Schreiben einer Mutter veröffentlicht. Sie appelliert an die Schul-Gemeinschaft weiterhin zusammenzustehen und die Hoffnung nicht aufzugeben. Der Glaube an eine Weiterführung der Schule sei noch da. In der Gruppe stößt der Appell auf Zuspruch. Als Reaktion auf die Kündigungen hat ein anderer Elternteil zu neuen Gesprächen eingeladen.

Nonnenwerther Betriebsrat unter Druck

Nachdem der Schulträger im November 55 Mitarbeitende entlassen hatte, gründeten die Lehrerinnen und Lehrer einen Betriebsrat. Da das Franziskus Gymnasium bis zur Übernahme der Trägerschaft durch Peter Soliman von Franziskanerinnen geführt wurde, gab es bis dato nur eine Mitarbeitervertretung in Nonnenwerth. Die Lehrerinnen und Lehrer möchten im Moment sowohl einen Betriebsrat als auch eine Mitarbeiterverwaltung halten.

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Der Schulträger hält die Wahl des Betriebsrates für ungültig. Es sei rechtlich nicht möglich, dass zwei unterschiedliche Gremien die gleichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei den gleichen arbeitsorganisatorischen Zuständigkeiten und den gleichen rechtlichen Themen vertreten, so Peter Soliman gegenüber dem General-Anzeiger. Deshalb gab es vergangene Woche eine Anhörung beim Arbeitsgericht in Koblenz.

Verhandlung vor Gericht läuft weiter

Nach SWR-Informationen hat es vermutlich Fehler bei der Wahl des Betriebsrates gegeben. Demnach sind offenbar nicht alle Stimmen bei der Wahl berücksichtigt worden, denn zwei Briefumschläge mit Wahlzetteln sollen gefunden worden sein.

Den Vorschlag der Richterin, die Mitarbeitervertretung und den Betriebsrat aufzulösen und anschließend einen neuen Betriebsrat zu wählen, lehnte der Anwalt der Lehrerschaft nach SWR-Informationen ab. Er vertritt weiterhin die Ansicht, dass beide Gremien an der Schule parallel bestehen könnten. Deshalb soll im April mit neuen Stellungnahmen weiterverhandelt werden.

Betriebsrat sei wichtig für Nonnenwerth

Derselbe Anwalt, der den Betriebsrat vertitt, wird die Mitarbeitenden aus Nonnenwerth auch bei ihren Kündigungsklagen vertreten. Dafür sei der Betriebsrat essentiell wichtig. Er habe mehr Möglichkeiten als die Mitarbeitervertretung. Er könne beispielsweise bestimmte Unterlagen einsehen und Entscheidungen mit treffen. Der Anwalt plant nach eigenen Angaben, entsprechende Unterlagen bald einzufordern. Man wolle gegen die Kündigungen am Franziskus Gymnasium weiterhin juristisch vorgehen.

Nonnenwerth - Offener Brief an die Bildungsministerin

Als Reaktion auf die neue Situation auf der Schulinsel Nonnenwerth wurden auch erneut Stimmen aus der Politik laut. Zum Ende der vergangenen Woche schrieben der Erste Kreisbeigordnete des Kreises Ahrweiler Horst Gies (CDU) und der Bürgermeister von Remagen Björn Ingendahl (parteilos) einen offenen Brief an die Bildungsministerin von Rheinland-Pfalz. In diesem bitten sie Ministerin Stefanie Hubig (SPD) darum, sich persönlich für das Franziskus Gymnasium Nonnenwerth einzusetzen.

Die Schulschließung sei ein Verlust in der Schullandschaft im nördlichen Rheinland-Pfalz, heißt es in dem offenen Brief. Nach der Flutkatastrophe würde die Schließung die Schulsituation in der Region unnötig verschärfen. Rund 150 Schülerinnen und Schüler müssten dann in vom Hochwasser betroffenen Schulen untergebracht werden. Ein Sprecher des Bildungsministeriums Rheinland-Pfalz schrieb auf SWR-Anfrage, dass das Bildungsministerium und die Schulaufsichtsbehörde ADD den Prozess begleiten würden, um so zu einer baldigen Lösung zu kommen.

Fast zwei Million Euro an Spendengeldern für Nonnenwerth

Bereits im November sagte das Bildungsministerium Unterstützung zu. Schon damals kursierte die Idee, dass der Förderverein der Schule die Trägerschaft übernehmen könnte. Nach Angaben eines Sprechers der Elternschaft, konnte die von Eltern gegründete gemeinnützige Gmbh zur Übernahme der Schulträgerschaft innerhalb von zehn Tagen bereits eine Millionen Euro an Spenden zusammentragen. Dieser Betrag habe sich in den vergangenen Wochen fast verdoppelt. Man habe versucht, mit dem aktuellen Träger dazu ins Gespräch zu kommen. Bisher habe dieser jedoch nicht darauf reagiert.

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