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Mit dem Präsenzunterricht kehrt langsam wieder mehr Normalität zurück in den Alltag vieler Schüler im Norden von Rheinland-Pfalz. In den Klassenräumen zeigt sich aber jetzt: Corona hat Spuren hinterlassen.

Große Pause an der Puricelli Realschule plus in Rheinböllen im Rhein-Hunsrück-Kreis: Auf dem Schulhof stehen mehrere Schüler zusammen und unterhalten sich, einige spielen Fußball. Es sieht nach einem ganz normalen Schultag aus.

Manuel Hortian, der kommissarischer Leiter der Schule, macht sich dennoch Sorgen. Die Situation in den Klassenzimmern sei jetzt eine andere. Bei manchen Schülern habe sich der soziale Isolation negativ ausgewirkt.

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"Es ist eine besondere Herausforderung wieder einen ganz normalen Alltag zu erleben."

Schüler sind oft müde und unmotiviert

Einige Schüler seien im Unterricht eher zurückhaltend, sagt Hortian. Ihnen fehle Motivation, sie seien träge und desinteressiert. "Schule lebt von sozialer Interaktion", sagt Manuel Hortian. "Davon, dass man sich im Unterricht austauscht, über Erlebnisse in der Schule, aber auch außerhalb." Diese Dynamik vermisse er.

Konrektorin Helga Lauer kann das bestätigen. Vor allem die mittlere Jahrgangsstufe, die siebten und achten Klassen, hätten es jetzt besonders schwer. "Es ist eine besondere Herausforderung wieder einen ganz normalen Alltag zu erleben", sagt Lauer. "Den Rhythmus wieder in den Körper reinzukriegen."

"Zuhause hat man nur seine Sachen gemacht und hat gar nichts mehr von anderen gehört. Das war sehr schade."

Kaum Kontakt zu Klassenkameraden während Homeschooling

Vor allem die sozialen Kontakte zwischen den Schülern haben in der Hochphase der Pandemie gelitten. Während des Homeschoolings waren die Schüler mehr oder weniger auf sich allein gestellt, mussten lernen, selbstständig zu arbeiten.

Paul Johann, der die achte Klasse der Realschule besucht, erzählt, dass es quasi keinen Kontakt zu Klassenkameraden gab: "Zuhause hat man nur seine Sachen gemacht und hat gar nichts mehr von anderen gehört. Das war sehr schade."

Deshalb habe sich im Wechselunterricht auch die Klassengemeinschaft verändert, sagt Paul. Es sei ziemlich schwierig gewesen, dass er nicht zusammen mit seinen Freunden in einer Lerngruppe sein konnte.

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Die Neuntklässlerin Sabrina Silva hat den Fernunterricht auch eher als Belastung erlebt. Der häufige Wechsel zwischen Fern- und Präsenzunterricht habe das Lernen erschwert. Im Homeschooling fühlte sich mit den Aufgaben teilweise überfordert.

Außerdem habe sie immer wieder mit Mitschülern zusammenarbeiten müssen, mit denen sie sonst nicht viel zu tun hatte - vielen Klassenkameraden sei es ähnlich gegangen. "Dadurch dass manche nicht mit ihren Freunden in einer Gruppe waren und sich in ihrer eigenen Gruppe neue Freunde suchen mussten, ist die Verbindung zu den einzelnen Schülern besser oder auch schlechter geworden."

Schüler entwickeln teilweise soziale Phobien

Alexander Christ hat während des Lockdowns viele Schüler erlebt, die psychisch belastet sind. Er arbeitet für "Hilfe zur Erziehung" - eine Initiative im Rhein-Hunsrück-Kreis, die Schüler mit Problemen im häuslichen Bereich unterstützt. "In der heutigen Zeit werden soziale Kontakte immer mehr durch neue Medien ersetzt", sagt Christ. "Das ist in der Corona-Phase deutlich extremer geworden."

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"Als die Schüler dann wieder gefordert waren, soziale Kontakte in Anspruch zu nehmen, ist das für viele problematisch geworden", sagt Christ. Einige hätten soziale Phobien entwickelt, hätten nur noch am PC gesessen oder im Bett gelegen. "Das hat große Narben hervorgerufen. Daran muss man jetzt arbeiten."

"In der heutigen Zeit werden soziale Kontakte immer mehr durch neue Medien ersetzt."

Damit die soziale Interaktion, die Dynamik, in den Klassenraum zurückkehrt, will der kommissarische Schulleiter Manuel Hortian die Interaktion zwischen den Schülern fördern. Eine Projektwoche, in der die Schüler Ausflüge gemacht und kleinere Arbeiten erstellt haben, war ein guter Anfang.

Hortian hofft, dass der Unterricht auch nach den Sommerferien in Präsenz stattfinden kann. "Ich hoffe, dass wir gemeinsam etwas unternehmen, um darüber außerhalb der Schule, aber auch durch Projekte in der Schule wieder zueinanderfinden."

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