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Immer wieder werden Rentner von Betrügern um ihr Erspartes gebracht. Unter der Leitung des Polizeipräsidiums Koblenz ist Ermittlern ein großer Schlag gegen eine internationale Callcenter-Betrüger-Bande gelungen.

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Nach Angaben einer Sprecherin des Polizeipräsidiums wurden bei der koordinierten Aktion gemeinsam mit der Polizei in Osnabrück 19 Objekte in Nordrhein-Westfalen und zwei Objekte in der Türkei durchsucht. Vier Menschen wurden in NRW festgenommen.

Nach Angaben des Koblenzer Polizeipräsidiums stieg die Zahl der in der Türkei Festgenommenen von 24 auf 41, darunter befinden sich demnach auch die mutmaßlichen Drahtzieher der Betrügerbande. In der Türkei befinden sich die beiden Callcenter, von wo aus die mutmaßlichen Betrüger nach Deutschland angerufen hatten.

Nach Angaben des Chef-Ermittlers in Koblenz, Stefan Heinz, sind sie zufrieden mit der Zusammenarbeit mit den Kollegen in der Türkei. Dabei sei eine solche Zusammenarbeit sehr ungewöhnlich und es habe am Anfang auch einige Vorbehalte gegeben.  

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Immer wiederkehrende Masche

Bei den Ermittlungen wurde ziemlich schnell deutlich, dass hier in Rheinland-Pfalz "Boten" unterwegs sind und die Hintermänner und Strippenzieher in der Türkei waren. Deswegen war es so wichtig, dass die türkische Polizei mit im Boot war.

Die Betrüger haben sich demnach immer wieder am Telefon als Polizisten ausgegeben und vor allem ältere Menschen dazu gebracht, ihnen Bargeld auszuzahlen. Insgesamt geht es um rund 100 Fälle in ganz Deutschland. Allein bei den 17 Fällen aus der Region rund um Koblenz ist ein Schaden von 1,4 Millionen Euro entstanden.

Viele mutmaßliche Täter in der Türkei hätten früher in Deutschland gelebt, sagte Heinz: "Die sprechen manchmal den Dialekt, den man gerade braucht" in bestimmten deutschen Regionen, um leichter Vertrauen aufzubauen. Vermutet wird, dass sich die Verdächtigen in Telefonverzeichnissen "einfach altertümliche Vornamen" ausgesucht hätten, um Senioren zu erreichen.

Fall in Nentershausen brachte Ermittler auf die Spur

Auf die Spur der Bande kamen die Ermittler nach Angaben der Sprecherin durch einen Fall in Nentershausen im Westerwald vor zwei Jahren. Auch hier hatten sich die Täter als Polizisten ausgegeben. Ihr Opfer – eine 80-jährige Frau – hatte allerdings die Polizei eingeschaltet. Die Männer hatten auf die alte Dame massiven Druck ausgeübt. Bei der fingierten Geld-Übergabe wurden damals zwei Männer festgenommen und inzwischen auch verurteilt.

Insgesamt soll die Bande nach Polizeiangaben aus etwa 70 Menschen bestehen. Davon wurden bisher 45 Tatverdächtige in Deutschland ermittelt. 20 von ihnen waren bereits im Vorfeld im Zuge der Ermittlungen 2019 verhaftet. Unter ihnen sind sechs Verdächtige aus dem Bereich des Polizeipräsidiums Koblenz. Die meisten von den 20 sind bereits entweder in Untersuchungshaft oder schon verurteilt.

Ermittler befürchten weitere Nachahmer der Betrugsmasche

Die Staatsanwalt betonte auf ihrer Pressekonferenz am Donnerstag, dass mit dem Schlag gegen den Callcenter-Ring am Mittwoch wohl dennoch kein Ende mit dieser Betrugsform einhergehen wird. Dafür sei die Betrugsmasche zu lukrativ. Aber die Ermittler gehen davon aus, dass die Aktion einen gewissen Abschreckungsfaktor hat. Der Koblenzer Staatsanwalt Matthias Teriet sagte, viele Verdächtige hätten sich mit ihrem türkischen Pass in der Türkei sicher gefühlt, weil dieses Land seine eigenen Bürger nicht in die Bundesrepublik ausliefere.

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