Die Steillage oberhalb von Rech (Foto: SWR)

Forderung nach zentraler Anlaufstelle für Anträge

Ahr-Winzer: Flutschäden von über 200 Millionen Euro

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Andreas Krisam

Im Ahrtal ist nach der Flutkatastrophe noch lange nicht alles wie vorher: Betroffene Winzer schätzen ihre Schäden auf mehr als 200 Millionen Euro - und kritisieren zu viel Bürokratie.

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Bei der Flut im Ahrtal vor fast genau einem Jahr wurden 40 Hektar der Weinanbauflächen total zerstört, 20 Hektar überflutet. Nur fünf von 65 Weinbaubetrieben blieben im Ahrtal ohne Schäden. Diese Zahlen gab der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V am Mittwoch im Weingut Adolf Schreiner in Rech an der Ahr bekannt.

Ahr-Ufer in Rech: Gras statt Weinreben

Bei einem Rundgang vor Ort an der Ahr blickte Winzer Adi Schreiner dabei ein bisschen wehmütig auf das frühere Spätburgunder-Anbaugebiet Recher Blume am Ufer. Dort ist von den ehemaligen Rebstöcken nichts mehr zu sehen. Jetzt wächst hier meterhohes Gras. Das sei eingesät worden, um den Boden zu festigen, sagt Schreiner. Ob hier irgendwann wieder Rebstöcke stehen werden, weiß er nicht. Wünschen würde sich das Winzer Schreiner aber schon. "Es war mal für Ahr-Flächen angenehm, weil es nicht ganz so steil ist."

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Von insgesamt 560 Hektar Anbaufläche im Ahrtal dürfen nach der Flut zehn nicht mehr für den Weinbau genutzt werden - und zwar die, die in flachen Lagen liegen, also in Ufernähe. Hubert Pauly, der Präsident des Weinbauverbandes Ahr, ist aber optimistisch, dass dafür an anderen Stellen im Ahrtal neue Ausgleichsflächen geschaffen werden können - in Heppingen oder Ahrweiler etwa. Aber eigentlich ist das nur ein Randthema.

Nach Ahr-Flut wünschen sich Winzer zentralen Ansprechpartner

Denn die Winzer haben Probleme, die für sie weitaus drängender sind: Mehr als 200 Millionen Euro an Schäden seien an Flächen, Gebäuden und Maschinen entstanden, heißt es vom Bauern- und Winzerverband. Viele Betroffene würden immer noch auf Hilfe warten. Auch deshalb, weil es drei verschiedene Anlaufstationen für die Förderanträge gebe.

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Für Flurschäden etwa sei der Kreis Ahrweiler zuständig, für Schäden an Maschinen oder Betriebsgebäuden dagegen das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum in Bernkastel-Kues - und für private Schäden die Investitions- und Strukturbank (ISB) Rheinland-Pfalz in Mainz.

Kein Wunder also, dass sich die flutbetroffenen Winzer eine zentrale Anlaufstelle für ihre Förderanträge wünschen und nicht drei parallel. "Das überfordert die Leute in ihrer privaten und wirtschaftlichen Situation", sagt auch der Geschäftsführer des Kreisbauern- und Winzerbandes Ahrweiler, Knut Schubert. Und fügt hinzu: "Ohne die Spenden der bäuerlichen Hilfsfonds wäre die Situation für viele Winzer noch angespannter."

Ganz langsam kehrt auch ein Stück Normalität zurück

Doch in kleinen Schritten geht es auch voran, sagt Winzer Adi Schreiner aus Rech. Dank der vielen ehrenamtlichen Helfer könne er manchmal ein bisschen aufatmen. Die Straußwirtschaft ist wieder auf, er kann seinen Wein verkaufen und im Garten Gäste empfangen.

"Neulich", so erzählt der Winzer, "waren Kunden da. Die haben gesagt, wenn man an der Ahr rauf und runter fährt, dann sieht das bei Dir ja aus wie in einer Oase. Am ersten Tag, als wir wieder geöffnet hatten, war ich so froh, gut gelaunte Menschen an den Tischen sitzen zu sehen, die Wein trinken."

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Andreas Krisam