Im Ahrtal im RLP waren rund 50 Notfallseelsorgerinnen und Seelsorger im Hochwassergebiet im Einsatz. Auf dem Bild ist eine Einsatzjacke mit der Aufschrift "Notfallseelsorge" zu sehen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Patrick Seege)

Über Hotlines oder vor Ort

Psychologische Hilfe für Opfer des Hochwassers im Ahrtal

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Mehr als einen Monat nach der verheerenden Hochwasserkatastrophe gibt es für die Menschen im Ahrtal noch keine Normalität. Jetzt, wo die erste Anspannung nachlasse, komme bei vielen die Verzweiflung, warnen Psychologen.

Viele Menschen im Ahrtal sind gerade am Ende ihrer Kräfte. Zum einen körperlich, nach Wochen, in denen sie im Schlamm gestanden, Dreck geschippt oder ihre Häuser leergeräumt haben. Aber auch psychisch geht bei vielen gerade nichts mehr. Bei vielen Betroffenen kommen die Bilder aus der Flutnacht und den Tagen danach jetzt wieder hoch. Umso wichtiger sind da psychologische Hilfen.

"Bis jetzt waren die Menschen mit Überleben beschäftigt."

Bis jetzt seien die Menschen mit Überleben beschäftigt gewesen, sagt Christoph Smolenski, Leiter der Ehrenwall’schen Klinik für Psychotherapie in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Die erste Anspannungen sei aber nun weg, jetzt komme die Verzweiflung hoch. Das Haus sei zerstört oder werde vielleicht gerade abgerissen, alles sei weg, keine Erinnerungsstücke mehr da. Da kämen Selbstmord-Gedanken auf, sagt Smolenski.

Hotlines für Hilfesuchende im Ahrtal

Hilfe gibt es für Betroffene auf verschiedenen Wegen. Zum einen gibt es Hotlines von Kliniken oder kirchlichen Trägern. Dort sitzen Therapeuten. Sie sind Ansprechpartner und haben ein offenes Ohr - auch wenn jemand einfach mal nur etwas reden möchte. Stellen sie während des Gespräches aber fest, dass reden allein nicht reicht, kümmern sie sich um weitere Hilfen.

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Seelsorger in Hochwassergebieten vor Ort

Zum anderen sind auch Seelsorger in den betroffenen Orten unterwegs. In Ahrweiler vor dem Adenbachtor steht zum Beispiel ein grünes Zelt. Dort verteilt die Kirche Lebensmittel. Aber auch Seelsorger, wie Johanna Becker, stehen bereit. Mit ihnen können die Betroffenen oder die vielen freiwilligen Helferinnen und Helfer reden und sagen, was sie bedrückt.

So entwickele sich aus der Frage nach Milch oder einem Gaskocher auch ein spontanes Gespräch, sagt Seelsorgerin Becker. Wenn sie merke, da gehe es gerade jemandem richtig schlecht, dann sorge sie dafür, dass der Mensch Hilfe bekomme.

Seelsorger nehmen Hinweise von Nachbarn entgegen

Seelsorger sind aber auch in den Dörfern unterwegs. Sie sprechen mit den Menschen dort und versuchen, Vertrauen aufzubauen. So erhalten sie immer wieder Hinweise auf Betroffene, denen es nicht gut geht und die eigentlich psychologische Hilfe bräuchten. Viele würden aber selber nicht aktiv um Hilfe bitten wollen, weil sie sich schämten oder es ihnen peinlich sei, berichten Seelsorger vor Ort.

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