Mehrere Fahrschüler*innen bei der theoretischen Führerscheinprüfung am PC. Dass es dabei inzwischen häufiger zu Betrug mithilfe von Mini-Kameras kommt, teilte der TÜV Rheinland mit. (Foto: SWR)

TÜV Rheinland registriert zahlreiche Fälle

Neue Betrugsmasche bei Führerscheinprüfung in RLP

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Die Corona-Pandemie hat eine neue Betrugsmasche bei Führerscheinprüfungen hervorgebracht. Im Mittelpunkt: Die FFP2-Maske. Der TÜV Rheinland berichtet von steigenden Zahlen.

Neun Prüflinge sitzen beim TÜV in Koblenz aufgeregt und angespannt vor ihren PCs. Die Theorie-Prüfung für den Führerschein steht an. Für viele heißt das: Stress pur und hoffen, dass man durchkommt. Und das am besten, ohne zu schummeln.

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Heiner Etzkorn vom TÜV Rheinland passt während der Prüfung gut auf. Denn getrickst wurde in der Vergangenheit immer wieder. Doch in der Pandemie sind die Betrüger auf neue Ideen gekommen.

Versteckte Kamera in der FFP2-Maske

Die Betrüger gehen nach Angaben des TÜV folgendermaßen vor: Für die Theorieprüfung werden in die FFP2-Masken, die die Prüflinge tragen, Mini-Kameras eingenäht. Durch ein kleines Loch filmt die Kamera die Fragen und Antworten auf dem Bildschirm und streamt sie an einen Komplizen. Fährt der Prüfling mit der Maus über die richtige Antwort, vibriert ein am Körper versteckter Summer oder das Handy.

Führerscheinbetrüger verstecken Minikameras in FFP2-Maske. Das winzige Loch in der Maske ist kaum zu sehen. (Foto: Pressestelle, TÜV Rheinland)
Gefilmt wird durch ein winziges Loch in der FFP2-Maske. Pressestelle TÜV Rheinland

Detektoren sollen Führerscheinbetrüger aufspüren

Um dem Betrug Einhalt zu gebieten, wird derzeit vom TÜV geprüft, ob es rechtlich zulässig ist, dass die Prüflinge über der FFP2-Maske eine zweite medizinische Maske tragen müssen. Dann könnte mit der versteckten Kamera nichts gefilmt werden.

Bisher sei es nicht einfach, solche Techniken zu erkennen. Denn den Prüfern ist es nicht erlaubt, unter die Masken schauen. Die Prüflinge müssen zwar kurz vor der Prüfung die Maske abziehen, aber die Minikamera lässt sich offenbar leicht verbergen.

Immer mehr Betrüger bei theoretischer Führerscheinprüfung (Foto: SWR)
Heiner Etzkorn läuft mit einem Detektor durch die Reihen.

Der TÜV nutzt nach eigenen Angaben unter anderem Sensoren, um die verbotene Technik aufzuspüren. Auch Heiner Etzkorn läuft während der Prüfung immer wieder mit einem solchen Detektor durch die Reihen. Wenn jemand ein technisches Gerät mit sich trägt, ertönt ein lautes Geräusch.

Betrugsversuche kommen immer häufiger vor

Betrugsfälle bei den theoretischen Führerscheinprüfungen kommen nach Angaben des TÜV Rheinlands immer häufiger vor. 2021 wurden demnach in Rheinland-Pfalz insgesamt 134 Betrugs- und Täuschungsmanöver entdeckt. 115 davon mit Technikunterstützung. In Koblenz habe es in den ersten Monaten des Jahres 2022 bereits zehn Täuschungsversuche bei theoretischen Führerscheinprüfungen gegeben. Wer erwischt wird, darf erst nach neun Monaten wieder zur theoretischen Prüfung kommen.

Dieses Mal bleibt es aber ruhig, Heiner Etzkorn kann keinen Betrüger entdecken. Täuschungsversuche kommen auch bei den allermeisten Prüflingen gar nicht gut an. Sophie Theres-Höhl etwa bezeichnet das Vorgehen als unfair: "Ich habe jetzt ungefähr zwei Tage gelernt. Das ist dann nicht gerecht, wenn andere sich dann die Prüfung so vereinfachen."

"Es ist Mist, wenn jetzt jemand im Straßenverkehr herumfährt, der die Theorie-Prüfung nicht ehrlich bestanden hat."

Manche Prüflinge machen sich aber auch Sorgen um die Sicherheit im Straßenverkehr. So zum Beispiel Simon Fröhling: "Es ist Mist, wenn jetzt jemand im Straßenverkehr herumfährt, der die Theorie-Prüfung nicht ehrlich bestanden hat."

Betrüger stellen Gefahr für den Straßenverkehr da

Auch der TÜV Rheinland warnt, dass der Betrug keine Kleinigkeit, sondern gefährlich sei. Wer sich den Führerschein erschwindle, ohne die Verkehrsregeln zu kennen, sei eine Gefahr für sich und alle anderen Verkehrsteilnehmer. Heiner Etzkorn spricht in diesem Zusammenhang von "fahrende Zeitbomben".

Zum Teil würden die Betrüger aber auch in den praktischen Prüfungen auffallen: "Die fahren mit 30, 40 km/h durch den verkehrsberuhigten Bereich und wissen gar nicht, um was geht", berichtet Etzkorn aus eigener Erfahrung.

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