Gerichtssaal Oberlandesgericht Koblenz

Mann soll bei Hinrichtungen dabei gewesen sein

IS-Prozess in Koblenz: 44-jähriger Syrer steht vor Gericht

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Andreas Krisam

Am Oberlandesgericht in Koblenz hat der Prozess gegen einen mutmaßlichen IS-Terroristen begonnen. Ihm werden Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Kriegsverbrechen und Mord vorgeworfen.

Der 44-jährige Syrer hat sich laut Staatsanwaltschaft im Mai 2015 in seinem Heimatort der terroristischen Vereinigung "Islamischer Staat" - kurz IS - angeschlossen und in dessen Namen zahlreiche Verbrechen begangen. So soll er unter anderem auf einen Menschen geschossen haben, der vor dem IS flüchtete.

Gefangener an Auto festgebunden und durch die Straßen geschleift

Außerdem soll er zusammen mit anderen einen Gefangenen an ein Fahrzeug gebunden und ihn bei 40 Stundenkilometern so lange durch die Straßen geschleift haben, bis dieser gestorben ist.

Auch war der 44-Jährige laut Anklage an der Hinrichtung zweier Gefangener beteiligt. Einer von ihnen wurde laut Anklageschrift an Ort und Stelle durch zwei Schüsse in den Kopf getötet.

Wachdienste für den IS

Für den IS soll der Angeklagte Wachdienste abgehalten haben und auch an der Festnahme von Zivilisten beteiligt gewesen sein. Einmal soll er zusammen mit anderen stundenlang einen jungen Mann festgehalten und gedroht haben, ihn zu töten. So sollte laut Bundesanwaltschaft der Vater des Mannes dazu gebracht werden, sich dem IS zu ergeben.

Mit anderen Tätern soll der 44-Jährige auch dabei geholfen haben, ein Haus zu besetzen und die Besitzer zu vertreiben. Danach soll das Haus von IS-Mitgliedern genutzt worden sein.

Prozess-Auftakt: Verteidiger bezeichnet Angeklagten als "Bauernopfer"

Der Angeklagte trug Fußfesseln und Handschellen, als er in den Gerichtssaal geführt wurde. Schützend - auch damit er nicht fotografiert und gefilmt werden konnte - hielt er sich eine graue Aktenmappe vor das Gesicht. Er zeigte sich ungerührt, als die Anklage verlesen wurde.

Die Verteidiger erklärten, dass der Angeklagte ein Bauernopfer sei und es vollkommen unklar sei, ob er diese Straftaten wirklich begangen habe. Zeugen seien womöglich erpresst oder bestochen worden. Außerdem sei der Mandant kein Islamist, er sei nicht gläubig und habe auch kein Motiv. Zudem sei er selbst vor dem Islam nach Deutschland geflüchtet.

Syrer war nach Deutschland geflohen

Der Syrer war nach Deutschland geflohen und im März vergangenen Jahres in Mainz festgenommen worden. Seitdem hat er in Untersuchungshaft gesessen. Die Vorwürfe gegen ihn lauten auf Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland, Kriegsverbrechen gegen Personen sowie Mord, versuchter Mord und Geiselnahme. Für den Prozess sind 33 Verhandlungstage angesetzt.

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