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Von der Hinterbänklerin zur Chefstrategin in spe. SWR-Hauptstadtkorrespondent Georg Link hat Ellen Demuth getroffen. Der Bewerber um den CDU-Parteivorsitz, Norbert Röttgen, will die Linzerin zur Chefstrategin machen.

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Auf den Außenseiter setzen, der auf einmal immer stärker wird und gewinnt - ist das die Ellen-Demuth-CDU-Story in fünf Wochen?

"Als Norbert Röttgen im Februar als erster und klarer Außenseiter seinen Hut in den Ring warf für den CDU-Parteivorsitz, wusste ich, er ist der Beste", schwärmt Ellen Demuth, als ich sie Mitte der Woche in Berlin treffe. Röttgen will die 38 Jahre junge CDU-Politikerin, die seit 2011 den Wahlkreis Linz am Rhein/Rengsdorf im rheinland-pfälzischen Landtag vertritt, nun zur "Chefstrategin" ernennen, wenn er aus dem Parteitag Mitte Januar als Sieger hervorgeht. Weiblicher, jünger und digitaler müsse die CDU werden, sagt Röttgen, und genau das verkörpere Ellen Demuth. Sie habe enormes Potential, sei ein strategischer Kopf, bestens vernetzt in ihrer Generation.

Im Gespräch mit dem SWR spricht Ellen Demuth von einer Richtungsentscheidung. Merz stehe "klar für einen konservativeren Kurs, wohingegen Norbert Röttgen klar sagt, er möchte die Union der Mitte stärken" - auch und vor allem Frauen und Jüngere. Das ist eine Überlebensfrage der CDU, sind sich beide einig. "Wir werden nicht Volkspartei bleiben, wenn wir die Zustimmung bei den über 60-jährigen haben und wenn 80 Prozent der Abgeordneten im Bundestag der CDU/CSU Männer sind und über 80 Prozent der Kreisvorsitzenden. Wir müssen die Gesellschaft widerspiegeln", formulieren beide unisono.

Impulse in Sachen Parteierneuerungen geben

Um die "Vernetzung der Partei in die Gesellschaft" soll sich die Chefstrategin in spe kümmern, Impulse in Sachen Parteierneuerung geben - ein bisschen konkreter könnte es dann schon sein, aber die eigentlich vorgesehene Stelle des Generalsekretärs ist besetzt mit Paul Zimiak. Und der soll das auch bleiben, weil nicht nur die Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz vor der Tür stehen, sondern auch die Bundestagswahlen.

Aber Ellen Demuth wird eine "ganz wichtige Aufgabe" haben, schwört Norbert Röttgen. Zunächst aber soll die frauenpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion und Leiterin des Fraktionsarbeitskreises Gleichstellung und Frauenförderung wohl vor allem auch die Unterstützung der Frauen in der CDU in Form von Ja-Stimmen sichern helfen - mit rund einem Drittel der Delegierten ein wichtiger Faktor.

Ganz wichtige Aufgaben bislang verwehrt

Die ganz wichtigen Aufgaben blieben der studierten Betriebswirtin bisher in Mainz verwehrt. Als stellvertretende Fraktionsvorsitzende wusste man die Mutter einer 15-jährigen Tochter dort zu verhindern, und bei der Listenaufstellung im Oktober für die Landtagswahl bekam sie das schlechteste Ergebnis von allen 52 Kandidierenden. "Wer Profil hat, muss bezahlen, Eigenständigkeit und Sichtbarkeit hat ihren Preis", meint dazu lapidar Norbert Röttgen.

Gegenwind kennt Norbert Röttgen - etwa, als Kanzlerin Merkel "Muttis Besten", wie er einst bespöttelt wurde, als Umweltminister entließ. Aber wie formulierte Röttgen jüngst: "Scheitern ist eine notwendige Formung des Menschen für große Aufgaben." Doch vom Scheitern spricht keiner mehr, erst recht mit Demuths Nominierung räumen sowohl innerhalb wie außerhalb der Partei immer mehr dem Duo immer bessere Chancen ein. "Stiller Vormarsch" titelte auf Seite 3 am Freitag der Berliner Tagesspiegel.

In Röttgens Büro sahen sich beide jedenfalls vergnügt den Karnevalsorden des Prinzenpaares von St.Augustin aus der Kampagne des Vorjahres an - und fanden, dass ihre eigene Kampagne immer besser in Schwung kommt. Oder wie es Norbert Röttgen etwas poetischer im SWR-Interview ausdrückt: "Ich spüre Wind unter den Flügeln." Und der soll auch Ellen Demuth weit nach oben tragen.

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