Studierende der PTHV in Vallendar demonstrieren gegen die Schließung der Pflege-Fakultät (Foto: SWR)

Keine Landeshilfen

Studierende demonstrierten gegen Aus für Pflege-Fakultät in Vallendar

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Studierende haben am Freitag gegen die Schließung der Pflege-Fakultät in Vallendar demonstriert. Die PTHV hatte aus finanziellen Gründen das Aus der Fakultät bekanntgegeben.

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Auf dem Marktplatz in Vallendar demonstrierten am Freitagnachmittag etwa 30 Teilnehmende gegen die Schließung der Pflegewissenschaften an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar (PTHV). Darunter waren nicht nur aktuelle Studierende, sondern auch Ehemalige und Freunde der Hochschule.

Demonstrierende: Hochschule Vallendar ist Leuchtturm-Projekt

Die Demonstrierenden wollten nach eigenen Aussagen mit ihrer Aktion darauf aufmerksam machen, wie wichtig die Pflege auch in der akademischen Ausbildung ist. Die Hochschule in Vallendar sei ein Leuchtturm-Projekt der Pflegewissenschaften und das Aus ein schlechtes Signal für den gesamten Berufszweig, heißt es von der Organisatorin.

Die Philosophisch-Theologische Hochschule Vallendar hatte kurz vor Ostern überraschend das Aus ihrer pflegewissenschaftlichen Fakultät bekannt gegeben. Diese Entscheidung wurde mit der schwierigen Finanzierung begründet.

Zu wenig zahlende Studierende in Vallendar

Laut der Geschäftsführung der Hochschule macht die Fakultät für Pflegewissenschaften pro Jahr rund 1,5 Millionen Euro Minus. Das Hauptproblem sei, dass es bei weitem nicht genug interessierte Studierende gebe, so die Geschäftsführung. Zudem sei die Zahl der Bewerbungen rückläufig - und zwar nicht erst seit Beginn der Corona-Krise, sondern auch schon davor. Das liege vor allem daran, dass es nach wie vor zu wenige attraktive und gut bezahlte Jobs in der Pflege gebe.

Keine zusätzliche Unterstützung für PTHV geplant

Derzeit studieren etwa 250 Menschen an der Fakultät. Um einigermaßen wirtschaften zu können, müssten es mindestens doppelt so viele sein, sagte Geschäftsführerin Julia Sander bei einer Pressekonferenz am Donnerstag. Das Wissenschaftsministerium teilte am Donnerstag mit, dass keine finanzielle Unterstützung der Hochschule geplant sei.

Das Land unterstütze die Hochschule bereits durch einen jährlichen Zuschuss. Außerdem heißt es vom Ministerium, Rheinland-Pfalz habe seine Studienangebote im Bereich der Gesundheitsstudiengänge ausgebaut, um weitere hochqualifizierte Ausbildungskapazitäten zu schaffen. Es gebe Studienangebote im Bereich der Pflege in Trier und in Ludwigshafen. Hinzu kämen Pflegestudiengänge an der Katholischen Hochschule in Mainz.

Garantie für die Studierenden

Für alle Studierenden, die bereits an der PTHV eingeschrieben sind, gab Sander die Garantie, dass sie ihr Studium an der Hochschule noch beenden können. Für jeden EInzelnen solle eine Lösung gefunden werden und individuelle Prüfungszeitpläne entwickelt werden, hieß es von der Hochschule. Dies gelte auch für Studierende, die die Regelstudienzeit überschreiten würden. Allen Bewerbern, die sich seit dem 1. April für das Sommersemester einschreiben wollten, habe man allerdings eine Absage erteilen müssen.

Problematisch wird es allerdings für die Studierende, die sich noch im Bachelor-Studiengang befinden und einen Masterabschluss anschließen wollten, denn auch für den Masterstudiengang nimmt die PTHV keine Bewerbungen mehr an. Diese müssten sich leider an anderen Standorten einen Platz suchen, heißt es von der Hochschule.

Pflegekammer kritisiert die Landesregierung

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Die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz wirft im Zusammenhang mit der Schließung der Landespolitik "echte Nachlässigkeit" vor. Das Land hatte die fehlende Finanzierung immer damit begründet, dass es sich bei der Hochschule um keine staatliche, sondern um eine private Einrichtung handelt.

Die rheinland-pfälzische Landesregierung hat die Schließung am Donnerstag bedauert. Die PTHV habe sich in den vergangenen Jahren zu einer renommierten Hochschule entwickelt, heißt es in einer Stellungnahme des Wissenschaftsministeriums auf SWR-Anfrage.

Verband: Es braucht mehr Angebote für Pflegewissenschaft

Die Schließung der pflegewissenschaftlichen Fakultät ist vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) als Rückschlag für die Entwicklung der Pflege gewertet worden. "Im internationalen Vergleich ist Deutschland jetzt schon beim Grad der Akademisierung der Pflege ein Entwicklungsland", sagte die Verbandspräsidentin, Christel Bienstein, am Mittwoch. "Deshalb braucht es in Zukunft mehr und nicht weniger Angebote für Pflegewissenschaft."

Laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse im vergangenen Januar sind 94 Prozent der Menschen in Rheinland-Pfalz der Meinung, Pflegeberufe müssten attraktiver werden; dies gehöre zu den wichtigsten gesundheitspolitischen Zielen.

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